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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-11-03 · Heft 44 (3.11.1844) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 44 (3.11.1844)
Date
1844-11-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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358 Referent triumphirt ferner darüber, daß höheren Orts dem Vorstände die Macht genommen sei, die Mtglieder zum Beitragen zur Gemeinde zu zwingen und glaubt den Vorstand recht derb auslachen zu dürfen. Aber ist es nicht rühmlicher für unfern Vorstand, wenn er mit unermeßlichen Geldkosten, mit zahllosen Opfern, trotz dem ewigen Widerstreben starrsinniger Zeloten, den Fortschritt zu erringen sucht? Und ist es nicht eine Schmach für die Vielen, die sich von den Vorwärtsstrebendcn lossagen, daß sie durch ihre Halsstarrigkeit und Böswilligkeit dem Besserwerde» sich in den Weg werfen? Wer ist wohl Schuld, daß unsere Gemeinde keine eigene Synagoge besitzt? Wer anders, als die sogenannte fromme Partei? Denn wie sollte bei dem fortwährenden Zerren und Reißen am Gemeindeverband, bei dem beständigen Entgegenarbeitcn eines bedeutenden Theils der Gemeinde, der Vorstand an ein Unternehmen sich wagen können, daS so sehr große Geldopfer, vor allem aber brüderliche Eintracht und fteundliches Zusammenhalten erfordert? Nein, nicht unser ist die Schuld, daß wir von den Launen eines Privatmannes abhängen, sondern an den frühem Generationen liegt die Schuld, in der Vergangenheit unserer Gemeinde, die unser Referent „wohlgeordnet und einträchtig" nennt, also nrnpn L"- Wl Uebrigens sind vom Vorstände bereits die geeignetsten Maßregeln unternommen, um diesem Uebclstandc abzuhrlfcn, und bei der lobenswertsten Energie, bei dem unvermeidlichen Eifer desselben läßt ein guter Erfolg sich mit Gewißheit Voraussagen. Am Schlüsse des, gevannten Berichtes wird noch erzählt, daß „immer mehr dafür gesorgt wird, daß die jüd. Eltern von den christlichen Schulrektoren gezwungen werden sollen, ihren Kindern in der bestehenden Religionsschule und nirgends sonst den Religionsunterricht ertheilen zu lassen." Schade, schade, daß Ref. auch hierin gelogen! dmn wir viel Heil ließe sich nicht von einer Generation erwarten, die von einem Manne, wie Geiger, ausgestattet mit den eminentestm Talenten, um dauernd auf das Gemüth der Jugend zu wirkm, den Religionsunterricht erhält! Aber noch ist es leider nicht so weit, noch bleibt es dm Eltern überlassen, von jedem unwissenden Rabbiuatscandidaten den Religionsunterricht ertheilen za laffm; noch sehen es viele nicht ein, daß gerade die Religion, für die sie zu handeln glauben, am meisten von ihnen entwürdigt und geschändet werde. Dank daher unserem würdigen Rabbinen, vr. Geiger, daß er diesem Uebelstand entgegen zu wirken sucht. Von der Saar. (Corresp.) Während man in neuer und jüngster Zeit, leider! so viel Betrübendes über grausame Judenverfolgungen, wie sie im Mittelalter kaum schlimmer waren, hören und lesen muß, herrscht gottlob in unserer Gegend die größte Toleranz, die sich bei jeder Gelegenheit kund gibt. Diese entspringt hauptsächlich auS dem bessern Geiste, der unsre christlichen Mitbürger beseelt; nicht wenig aber trägt hierzu bei unsere höchst humane Regierung zu Trier, wovon in diesen Blättern schon mehre Beispiele mitgctheilt wurden. Vorzüglich gut wirkt aber auch in dieser Beziehung unsere sehr freie und ausgezeichnete Zeitung, die fast in jeder Nummer Günstiges über Juden und für dieselben bringt. Diese Toleranz bewährte sich neulich auf höchst schöne Weise bei einer Synagogeneinweihung in Mawern, Kreis Sonneburg, durch den Oberrabbinen Kahn. Dieser Feier wohnten die meisten Beamten und viele der ersten Bürger, besonders viele Damen auS Sonneburg und der Umgegend bei, und alle bewiesen ihre wahre Theilnahme an dieser Feier. Auch einige katholische Geistliche kamen 3 Stunden weit herbei und äußerten sich sehr günstig über die ganze Feierlichkeit, besonders über den Choralgesang und die Predigt. Wie sich die christlichen Bewohner des kleinen Dorfes hierbei benommen, geht aus dem hier folgenden Artikel aus Nr. 228 der „Trierschen Zeitung" vom 15. August hervor: „Von der Saar, 13. August. Da bis jetzt weder der gemeine Vorstand noch der des israelitischen CultuS, elfterer wahrscheinlich, weil er einsah, daß seine officiellc Mitwirkung überflüssig war, letzterer weil er der Bescheidenheit braver Leute zu nahe zu treten besorgte, ein den Geist unserer Landsleute bezeichnendes und dieselben im höchsten Grade ehrendes Ereigniß zur Kenntniß des Publikums gebracht haben, so glaube ich dasselbe nach den neueren Angriffen auf Toleranz und Dul-- düng, die ein nahes Blatt sich erlaubt, nicht länger den Freunden ächt christlicher Bruderliebe vorenthalten zu dürfen. Diese Tugend hat sich im hellsten Glanze bei Gelegenheit der Einweihung der neuen israelitischen Synagoge in Mawern, Kreis Soneburg, gezeigt. Da nemlich die Häuser der dasigen Juden die zahlreichen Gäste ihres Glaubens, die von der Mosel, der Saar und sogar von Luxemburg sich einfanden, nicht alle fassen konnten, beeilten sich die katholischen Einwohner ihre Stuben und ihre Betten unentgeldlich zur Verfügung ihrer anders glaubenden Mitbürger zu stellen, und während der drei Tage, welche die Feierlichkeit dauerte, trübte nichts das beste Vernehmen." Wien im Oct. (Corresp.) Einer Ihrer Correspondenten hat noch in der Kürze des bei Schmidt und Busch hier erschienenen israelitischen Kalenders und Jahrbuchs von verflossenem Jahr rühmlich gedacht; mit noch größerem Rechte kann ich dieses von dem diesjährigen. Man darf nur nicht eine entschiedene freisinnige Tendenz verlangen; damit kommt man bei uns in Oestereich nicht weit; aber was in mäßiger Weise geschehen konnte, leistet das neue Jahrbuch; und besonders möchte ich in dieser Beziehung den Aufsatz über die Mißstimmung der jüdischen Feste von Cohn, die LebrnSskizze Krochmals von Zunz und die schöyen, sinnigen Gedanken über das pp j-q von Dr. Wessely hervorheben. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersftld.

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