Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1844)
- Date
- 1844-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eia- Wochenschrift für dir Aen»tni5s und Rekorrn des ifraelititehen Uebens. Redigirt und heransgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. Rv. 43 Sonntag, de» 27. Oktober 1844. V. Jahrgang. » t h e * b l i ä. Hauptartikel: Die Reformations-Ideen von Samuel Hirsch. (Schluß.) — Geschichte des Tages: Eisenach: die Protokolle der Nabbinrn-Versammlung. Berlin: der Gottesdienst während der Festtage; Sachs, der theologische Nachwuchs; Oettingcr und Noscnstcin bei dem Einzuge des Königs. Vom Rhein: Zustände in Mainz. Frankfurt a. M.: Das Advocaten-Collegium über das Wechselgeseß. Breslau: die falschen Berichte über die dasige Gemeinde. AuS Westpreußen: Constrmandenbüchlein von Jolowicz. Die Reformations-Ideen von Samuel Hirsch. (Schluß von Nr. 42.) „Warum aber die Lage der Dinge, trotz so vieler angestrengten Kräfte, unverändert blieb, ist eine Frage, deren Beantwortung eine spätere Zeit gestatten wird, aber so viel sei zum Voraus als eine von einer Seite her auffallende Erscheinung erwähnt, daß gerade Derjenige unter den Juden, der sich eines sehr großen Ansehens und mächtigen Einflusses erfreut, die Reform am heftigsten anfeindet, selbst die ganze Wucht seiner Geldherrschaft geltend macht, und durch materielle, also niederer stehende Interessen Einzelne zu verhindern sucht, an einem geistigen höheren Interesse, dem Reforrnvereine, Anthekl zu nehmen. Da, wie eben gesagt, das Streben nach Emanzipation nicht als Motiv dem Roformvereine untergeschoben werden kann, so dürfen wir in demselben das, durch die Zeit gebotene lautere Streben anerkennen, die Bekenner des rationellen Judenthums unter eine Fahne zu sammeln. Wenn auch immerhin dadurch eine Spaltung der Juden in Orthodoxe und Reformirte nothwendig hervorgerufen werden muß, so schadet dieses dem Wesen der Sache nichts, es ist nur eine temporare Hemmung, durch welche die Fortschritte der Aufklärung dennoch durchbrechen. Mögen die Orthodoxen noch so feurig ihre Bannstrahlen auf die Häupter des Reformvereines schleudern, mögen die mit aller Aengstlichkeik jedem Vorwurfe der Neologie entfliehenden Rabbinen über den Leichtsinn des jetzigen Geschlechtes klagen, das sich theilweise sträubt seinen Glauben in die alten und veralteten Formen seiner Vater einzuzwangen. — nimmermehr können sie unter die Satzungen des Talmuds den forschenden Geist der Erkenntnis gefangen nehmen, nimmer können sie die große Anzahl derer, welche als Juden zwar geboren sind, aber die eine höhere Religionsanfchauung tödtcnden Gebräuche und Ceremonien längst aögestreift haben, als nicht daseiend betrachten: sie besteht wirklich diese große Anzahl, sie hat sich durch eigene Einsicht mitten unter den Orthodoxen herangengebildet und spricht sich nun durch die Stimme des Reformvereins öffentlich aus, wozu sie sich im Innern schon langst bekannt hat."