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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-10-20 · Heft 42 (20.10.1844) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 42 (20.10.1844)
Date
1844-10-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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342 Wer vom Pflichtgefühl wahrhaft durchdrungen ist, äjjpr eS tu feinem ganzen Umfange erkannt hat, was der würdige Lehrer sei«, welche Stellung er einnehmen müsse, wer niemals von dem Einen oder dem Andern in seiner Gemeinde durch beschönigende Worte sich zu einem partheiischen Benehmen hat verführen lassen, wer jede Gabe, die den niedrigen Zweck hat, den Lehrer für Ich zu gewinnen, abzulehnen weiß; wer fern von Allem bleibt,' chas der Würde des Lehrers widerspricht — sich nicht zu Trinkgelagen, nicht zu Alltagsgeschwätzen hinzuziehen läßt — wahrlich, der kann auch unerschrocken dastchen, und über Verleumdungen, Gehässigkeiten, die etwa dennoch sich gegen ihn Hervorthun, mit stolzem Selbstbewußtsein hinwegsehen. Des Lehrers schwierige Lage wird auch zweitens durch Klugheit im religiösen Leben erleichtert. Wie man bei jedem gebildeten Manne voraussetzt, daß seine RcligionSansichten auf einem festen Boden beruhen, so kann dies ganz besonders vom jüdischen Lehrer gefordert werden. Nicht genug, daß er sich vom todten Buchstaben entfesselt, er muß auch hinreichende Gründe dazu haben, er darf sein Gewissen nicht durch religiösen Jndifferentismus beschwichtigen wollen; sondem muß vielmehr der Lehre Klarheit, dem Gesetze Leben zu geben wissen. Steht der Lehrer auf dieser Stufe der religiösen Bildung, so mag alle ihn umgebende Luft von den orthodoxen und starren Rabbaniten verpestet sein, sein Standpunkt in religiöser Beziehung wird deshalb um nichts erschwert. DcnnEch^nen Grundsätzen wird er nie ein Stein des Anstoßes sen^ M die dem Volke heiligen Gebräuche bespötteln, nie durch offe«M-brrtretuug der noch in religiösem Ansehen stehenden Gesetze ein öffentliches Aergernis geben. Nur nach und nach mit Vorsicht und Klugheit wird er seiue Gemeinde zu bessern Begriffen zu bringen suchen, sein Hauptaugenmerk aber auf die ihm anvertraute Jugend richten, hier Hand an das schöne Werk der Aufklärung legen, seinen Kindern bessere Begriffe über Gott, Menschenthum und Judenthum beibringen und sich dadurch eine glaubend-starke und sittlich-edle Gemeinde erziehen. Drittens kann auch noch Manches für die geistige Bildung des Volles selbst gcthan werden, wodurch der schwierige Standtpunkt des Lehrers gleichfalls erleichtert wird, und zwar, a. durch Lectüre und d. durch religiöse Vorträge. Zu ersterer Beziehung sind uns viele unserer christlichen Collegen auf dem Lande mit einem guten Beispiele vorangegangen. Sie habe« uemlich in ihren Gemeinden Lesevereine errichtet. wozu die Landleute gerne die Hand boten. Tiefer als die des Bauers steht doch nun die Bildung der Juden nicht. Es kömmt natürlich darauf an, wie und von welcher Seite man hiebei das Volk zu gewinnen sucht. Durch einen monatlichen Beitrag von Seiten der Gemeinde. Mitglieder zu einem Lesevereine läßt sich schon etwas thun. Bei dem nun organisirten Lesezirkel wähle der Lehrer zuerst solche Schriften die das Judenthum berühren z. B. die Jahrbücher und jüd. Kalender, *) die sehr lehrreiche Erzählungen für das Volk enthalten. Man lese ferner die jüdischen Zeitschriften, sodann unterhaltende Lectüre, z. B. Zschokke, Nieritz re. gehe hernach auf pädagogische Schriften über, um dadurch dem Volke bessere Ansichten über Erziehung bcizubringen. Endlich hebe man die Unterhaltung noch durch religiöse Schriften und vorzüglich durch Predigten, und Schriften über die Geschichte des Judenthums. Es versteht sich von selbst, daß nicht bloß gelesen werden darf, sondern wo cs erforderlich, muß das Gelesene erklärt und durch die eigenen Ansichten des Lehrers gewürzt werden. Arbeitet der Lehrer in dieser Weise fort, so wird er gewiß bald die gelungenen Erfolge seines Wirkens gewahren. Jnsonders wird es ihm dann nicht mehr so schwer fallen, einen der Andacht entsprechenden Gottesdienst einzuführen. Ist er selbst musikalisch gebildet, und dies 'sollte jeder in unserer Zeit sein, so bilde er zu diesem Zweck aus der Schuljugend und den Erwachsenen männlichen und weiblichen Geschlechtes einen Chor heran, übe mit diesem die dem Gottesdienste angemessenen Melodkeen ein, trage sie dann auf die mit Gesang verbundenen Gebete über, und führe beide mit Gefühl und Würde aus. Durch Handhabung dieser Mittel wird es sicher bald mit unfern Glaubensgenossen anders werden; sie werden an Bildung gewinnen, ihre religiösen Begriffe werden geläutert, und ihre Lebensansichten denen ihrer christlichen Mitbrüdcr näher gebracht werden, und die Folge von dem zweifelsohne die würdige und bessere Stellung des jüdischen Jugendlehrers sein. *) So fern nemlich dieselben nicht der neuen Romantik im Judenthum angehören, welche sich dadurch auszeichnet, daß sie auf gewaltsame Weise längst Versauertes und Verkohltes wieder zu verherrlichen strebt. Bei A. Bielefeld in Carlsruhe ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen, in Hersfeld und Homberg bei F. Schuster, zu haben: Gottes-ienstliche Vorträge, gehalten von Dr. Ellas Grunebaum, Rabbine des Bezirks Landau in der Pfalz, gr. 8. geh. 25 Sgr. od. 1 Fl. 20 Kr. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.

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