Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-22 · Heft 38 (22.9.1844) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 38 (22.9.1844)
Date
1844-09-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2566751-2566911-2566950--1141-2568887
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

310 GiT^yj wenn uutt unser Herr Rabbine vor 2 Jahre» Ihnen so sehr genügte, so müßte dies nach 2 Jahren um so mehr der Fall sein; zumal die oben angeführte Lehre, besonders der Nachsatz, wenn Sie ihn anders wissen — bei Ihnen sich auf eine auffallende Weise bewahrt. Denn man muß wahrlich seiner Sinne nicht ganz mächtig sein, wenn man so schnell seine Meinung ändert, und könnte die praktische Bewährung der Talmudlehre, die bei Ihnen sich bekundet, mir Achtung vor demselben einflößen wenn ich deren ermangelte. Und so bin ich zur eigentlichen Ur, sache, die Ihren Leumund bewog, wiederum einen lügenhaften Artikel scribiren zu lassen, zum dritten Theil Ihres Berichts, zu unserem Lehr- und Lese-Verein gelangt. Sie lassen sich im erwähnten Artikel als wvlbestalter öffentlicher Vereins - Recensent ankündigen, der aber Ihren Leumund durch nichts anderes rügen und stopfen wird als durch die feierliche Absetzung von Ihrem, aus fteien Stücken übernommenen Reccnsentenposten, das aber «ur durch eine feierliche Weisung aus diesem Vereine geschehen kann und wird. Hier, wo ich eigentlich ein Hähnchen mit Ihnen zu Pflücken hätte, weil Sie mich, der ich mir wol ein Urtheil über den Talmud, und besonders in der bescheidenen Weise, wie ichs that, — verstündm Sie nur deutsch — erlauben darf, weil ich 10 Jahre fleißig mich mit ihm beschäftigt — auf unverschämte dumme Weise verunglimpfen, hier will ich mich aber kurz fassen, und außer eiuigeu Sprachfehlern, auf die ich als Lehrer Sie aufmerksam zu machen mich verpflichtet glaube, habe ich Ihnen nur noch meinen Dank fiir die Lösung des RäthselS, Betreff des Rabbinats-Kandidaten K., so auch den Dank für die Recension meiner Rede abzustatten. Bereits 4 Jahre wirke ich in hiesiger Gemeinde, und war mir eben dieser Rabbinats-Kandidat ein Räthsel; ich konnte ihm in der ganzen Naturgeschichte der Stände des 19. Jahrhunderts kein Räumcheu anweisen. Denn Rabbinats-Kandidat wird sogar jeder Oberschlesier heut zu Tage nur denjenigen »ennen, der klassische Bildung mit Talmud-Wissen vereinigt und bemüht ist, einen Wirkungskreis in Jeschurun sich zu erringen. Dies alles erstrebt man aber nicht in Gleiwitz, selbst wenn man so glücklich ist sich des vertrauten Umgangs eines Orient-Correspondenten, eines Vereins-Reeensenten und Talmudrittrrs zu erfreuen, sondern man muß sich mühen in einer Universitätsstadt G"!tt OpDiltß' 12bu wie dies ein Gleiwitzer und viele andere Oberfchlesier brav und wacker thun. Vor ungefähr 6 bis 7 Jahren glaube ich in der a. Z. d. I. von Peter Beer einen Artikel gelesen zu haben, worin er über das Drucken der Predigten und über bas Erringen eines Doctor-Diploms der jüdische» Theologensich tadelnd aussprach — ich würde demselben nun bescheiden er» widern, achtete ich nicht wiederum jene Talmudlehre s'I'MS HTTD 'Tlfc6 N8N tltt- Unsere braven Jünglinge sind gezwungen den Doctor-Titel zu erstreben, weil jeder unwissende Bachur, der 3 Jahre in P.... seine Zeit vergeudet sich Rabbinats-Kandidat schimpft und schimpfen läßt. — Bei mir beginnen Sie, Hr. ...n: „und es war am 5. Sonnabend« u. s. w., dachten Sie an jene Talmudstelle Bipa ms kthbt UW 7T1 Sie richten einen Lehrer, und da sollten Sie doch erst lernen deutsch verstehen und construirenl Aber ich verüble es Ihnen nicht, woher sollten Sie deutsch verstehend wol aber verüble ich Ihnen Ihre Lügen, wie z. B. „daß ich erzählt, daß mir die Anfertigung meines Aufsatzes viel Anstrengung gekostet«, das ist eine dumme Lüge. Daß er nicht die Arbeit eines Tages ist — ist wahr, nur nicht in Ihrem Sinne. Sie vergaßen, daß ich nicht müßig im Laden stehe und Cigarren rauche, Leute verleumde, sondern Knecht meines Berufes bin. Sie sagen ferner, daß ich als Thema ausgestellt, „ist der Unterricht der hebräischen Sprache in jüdischen Schulen nothwendig, oder soll in jüdischen Schulen hebräisch gelehrt werden?" Sie haben Hr. ...» meine Frage entweder aus Boruirtheit nicht gefaßt oder aus Bosheit entstellt. Die Frage war vielmehr: Soll überhaupt in jüdischen Schulen hebräisch gelehrt werden, und im bejahenden Falle, wie soll es gelehrt werden? In Ihre ferneren Ausstellungen will ich nicht eindringen, man wird Sie genügend aus Gesagtem kennen und konsequent urtheilen: wer eine einfach gestellte Frage nicht zu fassen vermag, kann um so weniger in deren Erörterung eingehen, darf weder Lereins-Recensent noch Talmud-Vertheidiger sein, höchstens für den Orient etwas scribiren lassen. Nun, mein werther Hr. ...», leben Sie wol, Gott erhalte Sie und Ihren lieben Freund, den Rabbinats-Kandidaten K. ge. sund und munter und verleihe Ihnen — es ist meine innigste Bitte—gesunden Verstand und klare Einsicht. Wir werden uns in diesem Leben wol kaum mehr öffentlich begegnen; es wird Ihnen kaum mehr gelingen, sollten Sie auch im Stande sein Jemand zu finden, der Ihnen einen lesbaren fehlerfreien Artikel schreibt, mich aus meiner Ruhe aufzustören. Es ist mir gar zu widerstrebend, mit Leuten Ihres Schlages mich beschäftigen, und das größere Publikum mir Subjekten, wie Sie, mit solchen lichtscheuen Zwittrrgeschöpfen, die im Dunkeln ihr böses Spiel treiben, zu behelligen. Ich rathe Ihnen aber freundschaftlich, sich mit Schul- und Gemeinde-Angelegenheiten, Dinge, die Ihnen so fremd sind, wie Bildung und Anstand, in Zukunft nicht mehr zu beschäftigen. Es kostet Ihnen Zeit, Mühe, Anstrengung und — was bei Ihnen die Hauptsache ist — Geld — denn umsonst wird für Sie doch Niemand schreiben — und am Ende erreichen Sie doch nichts, als die Verachtung und den Abscheu aller Befsrrgesinnteu und Edeldenkenden in unserer Gemeinde. H. Goldstern, Lehrer. Drnck und Verlag von F. Schuster in HerSfeld.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.