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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-08 · Heft 36 (8.9.1844) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 36 (8.9.1844)
Date
1844-09-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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292 Neujahrstag um Frieden bittet, damit er in Wahrheit die Worte sprechen könne „thu' eS um der Kinder Willen, die in der Schule find, o Herr!" Wir werden dann gewiß nicht säumen, so wie «usern wolgemeinten Tadel, so auch unser ernstliches Lob öffentlich auszu sprechen. Jetzt aber — dixi et liberavi animam Hieam! *) Prag, im August. (Corresp.) Daß nach Abgang von vr. Sachs die hiesige zwitterhafte Gemeinde sich auch ein eigenes Zwitterbild von Rabbinen und Prediger entworfen hat, läßt sich denken. Der für diese Wahl bestimmte Ausschuß wird auch Niemanden berufen, sondern aus den Bewerbern nach abgehaltenen Probepredigten, den Vorschlag machen. Allein der vom Ausschuß Gewählte soll noch eine andere Probe bestehen. Man will ihn nemlich unter sieben Siegeln geheim halten, bis eine gewisse Redaction einer hypokritischen Zeitschrift für hypokritische Interessen sie löst und ihn für koscher erklärt. — Möge der Himmel solches Unglück von uns abwenden' Preßburg. (Corresp.) Es ist eigen bei uns in Ungarn! Die schroffsten Gegensätze machen sich in diesem Lande geltend; Alles steht sich feindlich und im wahren Extrem einander gegenüber, und neben den hellsten, humansten Ansichten, laufen die finstersten paradoxesten her. So ist jetzt Einer unter dem Namen vr. I. G. gegen die Juden ausgetreten und führt u. A. gegen die Emancipatlon auch den Umstand an, daß die Juden beim Gebete das Gesicht gegen Osten wenden. Den trifft aber ein sehr würdiger Nabbine, Juda WolfSsehn, in den Blättern für israclitisch-ungarische Angelegenheiten sehr gut und sagt ihm u. A.: „Herr Doctor! Seit Haman, rachsüchtigen Andenkens, -Th* zu dem bibelfesten Doctor Jge, hat es wol viele Judenfeinde gegeben, die es an Verläumdungen mancherlei Art nicht haben fehlen lassen. Aber aus der Sitte, daß die Juden bei manchen Gebetsformeln sich gegen Osten wenden — hat ihnen wol noch Niemand ein Verbrechen machen wollen. Diese Sitte — darin haben Sie Recht, Herr Doctor — werden wir wahrscheinlich auch nach unserer bürgerlichen Gleichstellung beibehalten, und es liegt derselben allerdings eine Pietät gegen den classischen Boden unserer Religion zu Grunde. „Wer die Weltgegend nicht be¬ *) So scharf auch diese Schilderung ist, so konnten wir doch, zumal da sie einer sehr achtbaren Quelle entstammt, die Aufnahme nicht versagen. Es versteht sich indeß von selbst, daß wir gern bereit sind, der allensallsigen (begründeten) Vcrtheidigung und resp. Rechtfertigung des Herrn Fürst einen Platz zu sestatreu. ' Red. stimmen kann, der erhebe fein Herz zu seinem Vater im Himmel," lehren die Rabbinen. (Berach. 30, a.) — Uebrigens sind ja auch dem Christen jene Gegenden besonders ehrwürdig, wo die Propheten Gottes, die Verkünder des reinen Monotheismus, lebten und lehrten, und wo in der Zeit des krassesten Polytheismus dem einzigen Gotte, dem Schöpfer des Weltalls, ein Tempel geweiht und geheiligt war. Sie wissen, Herr Doctor, was die Liebe zum „heiligen Lande" zu Ende des eilften Jahrhunderts und in den darauf folgenden zwei Jahrhunderten für Bewegung in der Christenheit hervorgebracht. Sie wissen, daß in der allerneuesten Zeit zwei gekrönte christliche Häupter mit besonderer Vorliebe ein protestantisches Bisthum zu Jerusalem gegründet haben. Aber Sie wissen vielleicht nicht, Herr Doctor, daß, wie die Rabbinen den Juden, so die Kirchenväter den Christen vorschreibcn, beim Gebete das Gesicht gegen Morgen zu wenden; Sie finden dies bei Origines in seinem Werke: «de oratione« (ed. Reading, London 1758). Dasselbe schreibt auch der Scholastiker Alexander von Hales vor. (Summa theol. P. IV.)" Ich schreibe Ihnen das, mein werthcr Herr Redacteur! damit Sie, wenn vielleicht ein deutscher Stubengelehrter mit gleichem Grunde herausrücken sollte — und was ist von den deutschen Stubengelehrten nicht schon Unsinniges und Abgeschmacktes gesagt worden! — Sie ihn gleichfalls auf jene Autoritäten, vor denen er doch Respect haben muß, verweisen können. Bekanntmachungen. In der C. Kürschner'schen Buchhandlung (M. Marcus) in Schwerin in Mecklenburg ist so eben erschienen und von Unterzeichnetem zu beziehen: Holdheim, vr. Samuel, Großherzogl. Mecklenburg-Schwerinscher Landes-Rabbine, Vorträge über die mosaische Religion für denkende Israeliten, geh. 11 Bog. 25 Sgr. Hvldheim, vr. Samuel, Ueber die Beschneidung, zunächst in religiös-dogmatischer Beziehung, geh. 6 Bogen. 12z Sgr. Plahn'sche Buchhandlung Berlin, Juli 1844. K. Nitze. Zu beziehen durch F. Schuster in Hersfeld u. Homberg. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.

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