Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1844)
- Date
- 1844-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntnils «nd Nekorm des itrarlititehen Lebens RedigirL und herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Nabbinen in Eisenach. 9lt* 35. Sonntag, den 1 September 1844. V. Jahrgang. Ueverblick. Hauptauffatz: Was lehrt das rabbinische Judenthum über den Eid? — Geschichte des Tages: Frankfurt a. M.: Stein'- Reformen. Aus Oberfchlesien: Holdheim's Ansicht über den Talmud. Von der Elbe: vr. Kley. Berlin: das neue Hospital. Luxemburg: Hirsch's Anrede an den König. Erora: der bekehrte Jude. Rom: Baron von Rothschild und die Verhältnisse der Juden. Pesth: die neue jüdische Zeitschrift. — Aeußerungen berühmter Schriftsteller. — Anzeigen. Wob lehrt daö rabbinische Judenthnm über den Cid? Von vr. S. Holdheim. Schwerin, 1. August. Die Rabbinen-Versammlung hat das Kol-Nidre fast einstimmig abgeschafft. Die Theilnehmer haben die moralische Verpflichtung übernommen, in ihren Gemeinden darauf hinzuwirken, daß es schon in diesem Jahre nicht gesprochen werde. Hier war die Sache schon früher angeregt und es liegt ein Oberrathsbeschluß für dessen Abschaffung vor. Wenn er in diesem Jahre noch nicht zur Ausführung kommen sollte, so hätten nur praktische Rücksichten und augenblickliche Schwierigkeiten Schuld daran. Das Kol-Nidre war von je her, von Buxdorf (Synagoge judaica, cap. 21) bis auf den Proselyten Frankel in dessen zweiter Bekenntnißschrift herab, ein Gegenstand bittern Angriffes, aber auch zugleich ein Gegenstand warmer Vertheidigung gewesen. Die Vertheidigung war so glücklich, daß sie selbst den König der Judenfeinde, Eisenmenger, überwand und ihm (entdecktes Judenthum Th. 2. S. 501) das Gestandniß abzwang: „daß die Juden weder durch die am Versöhnungsfest gebräuchliche Entbindung der Gelübde und Eidschwüre durch Kol-Nidre, noch sonst von einem vornehmen Rabbinen oder dreien schlechten Männern (Idioten) vom Eid, den sie den Christen oder der christlichen Obrigkeit thun, nach ihrer angezogenen Lehre losgesprochen werden." Daß die jüdischen Apologeten der neuern Zeit, namentlich Hr. vr. Frankel (Eidesleistung der Juden S. 64 ff.) in diesem ausgetretenen Geleise fortwandeln, ist kein Wunder, da dieser in feinem klassisch genannten Buche S. 35 sogar die Bußtage als zur Eidesleistung nicht geeignet philosophisch zu vertheidigen sucht. Auffallender ist es, daß auch Geiger, der sonst der Sache tiefer auf den Grund zu sehen pflegte, die allgemeine Annahme nicht weiter untersuchte und in seinem Gutachten an die Gemeinde zu Minden (Judenfrage 1843. S. 313) die allbekannte Phrase hinschrieb: „allein Eidschwüre, welche das Verhaltniß zu unfern Nebenmenschen betreffen, können in keiner Weife eine Auflösung finden." Wollte Gott, es wäre dem so! DaS rabbinische Judenthum wäre um einen schweren Vorwurf