Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1844)
- Date
- 1844-08-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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MO hellender wirken, wenn sie gerade in Verbindung mit dem Ganze» -leibt.« »Sollen wir die Juden und die Politiker von Fach auf eine der fatalsten Folgen jüdischer Sektenbilduug aufmerksam machen, so hören sie nur Folgendes: Die deutschen Staaten entziehen sich der Emanzipation der Juden immer weniger, die Noth- Wendigkeit drängt, sie wird mit dem allgemeinen Fortschritt in der staatlichen Entwicklung nicht lange mehr ausbleiben. Die Staaten werden aber sehr gern die Emanzipation an die Erfüllung des Versprechens der Selbstbefreiung der Juden von lästigen und veralteten Gebrauchen und Meinungen knüpfen, eine Forderung, die im Prinzip ganz richtig ist und nur in der Praxis gefährlich werden kann. Existirt nämlich eine rrformatorische »Sekte« im Judenthum, so können die Staaten auf den Gedanken gerathen, die Emanzipation nur solchen zu gewähren, welche beweisen, daß sie auf der Sektenliste stehen, daß sie mitunterschrieben haben« Was folgt daraus, oder vielmehr, was würde daraus folgen? Auf der einen Seite Gewissenlosigkeit, indem des materiellen Vortheils willen von Hunderten unterschrieben werden würde, die sonst gar nicht daran gedacht hätten, die Bedeutung und Nothwendigkekt einer Reformation gar nicht einsähen, die wol gar im Herzen noch recht altgläubig blieben. Auf der an» dexn Seite würden die Ehrcnleute jetzt gerade nicht unterschreiben, weil es aussehen könnte, als ob ein Vortheil von ihnen erzielt würde, Helle Kopfe, nützliche Beförderung würden gerade wegbleiben und die Partei des Fortschritts sich aus unedlen Theilnehmern vielleicht rekrutiren. Mit einem Worte, wir wären da, wo der Abgeordnete Züllich auf dem badischen Landtage uns hinhaben wollte, es müßte ein »Revers" unterschrieben werden, rin unedler, die freien Grenzen eines heiligen Gebietes gröblich verletzender Gedanke! London im Juli. (Corresp.) Der Frankfurter Reform- Verein fängt nun erst an unter den hiesigen Juden Aufsehen zu machen. Diese stehn im allgemeinen aus der nieder» Bildungsstufe der deutschen Juden in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, was sich durch den bedauerlichen Zuwachs, den die hiesige Gemeinde fortwährend aus Polen und Holland erhält, erklärt. Die portugiesischen Juden haben zum Theil den alten Stolz aufgegeben und sich mit den übrigen vermischt; äußerlich haben sie etwas mehr Anstand behalten, sonst sind sie eben so unwissend «nd fanatisch wie jene. Beide Gemeinden suchen einen gemeinschaftlichen Oberrabbinen und haben dies in den deutschen Blättern ausschreiben lassen; am besten würde sich ein polnischer Jude zu dieser Stelle eignen, er brauchte nichts als einen langen Bart und eine imposante Figur, damit er als Reverend präsentabrl sei; er hat nicht einmal nöthig die Landessprache zu verstehen, da das Kauderwelsch der polnischen Juden auf das der englischen herauskömmt. Dieser traurige Zustand, der hiesigen jüdischen Bevölkerung hat seit einigen Jahren Reformers hervor» gerufen, die anfangs eigentlich nichts als eine größere Ordnung in der Synagoge, insbesondere das Predigen, eingeführt wünschten, und, da dies nicht durchzusetzen war, ein eigenes BethauS einrichteten und einen Prediger anstellten. Später schafften sie die zweiten Feiertage ab, ja, sagten sich überhaupt vom Talmud los, wenn man der Einweihungsrede ihres Predigers Glauben schenken darf. Dies alles geschah, ohne von überlegten Vordersätzen auszugehn, oder über die nothwendigen Folgesätze mit sich im Reinen zu sein. Da sie aber als eine besondre Serie sich selbst ansahen und von den anderen hiesigen Juden angesehen wurden, so veranlaßte dies ein wirkliches Schisma, und, was noch schlimmer, Haß und Anfeindung, dergestalt, daß der nun verstorbene hiesige Rabbine den Bannfluch gegen sie schleuderte, was in Deuschland nicht möglich oder doch lächerlich sein würde, bei einer rohen Masse aber nicht ohne Wirkung blieb. Die Frankfurter Reform-Bestrebungen, welche in den Consequenzen zwar viel weiter gehen, im wirklichen Leben jedoch vorerst keine Spaltung Hervorrufen, werden zwar dahier von keinem Theile richtig aufgefaßt, setzen aber um so mehr in Verwundrung. Was soll Sir Moses Montefiore zu einer Erklärung sagen, die von einem Messias nichts wissen will, während auf den Rockknvpfrn seiner Domestiken das Wort: c'SttTV* mit großen Buchstaben zu lesen ist? Aber auch die hiesigen Reformers glauben immer noch steif und fest, die Juden seien ein Volk appart, und wehren sich dagegen — Engländer zu sein. Gott verzeihe mir die Sünde, ich glaube, daß die jüdische Nationalität zu keiner Zeit, selbst nicht in den Zeiten des David und des Salomo, den Werth der gegenwärtigen englischen hatte, und sie wollen englische Unterthancn, nicht englische Bürger sein, die Thoren! Doch werden die Frankfurter nicht ohne Einfluß auf die hiesigen Verhältnisse bleiben, wiewol mir nicht bekannt ist, daß zwischen jenen und den hiesigen Reformers eine Verbindung angeknüpft worden ist. Ein dahier erscheinendes jüdisches Blatt: tbe voice of Jacob, die Stimme Jacobs, wird im pharisäischen Sinne redigirt, und enthält nur wenige eigene Artikel, welche dagegen überaus schlecht sind, sie begnügt sich die Ktatschereien der Judenzeitung und des Orient, ins Englische übersetzt, wieder zu geben. Druck «nd Verlag von F. Schuster in Herrfeld,