Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1844)
- Date
- 1844-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eia- .Wochenschrift für die Kenntnits «nd Nekoem des israriititehen Aebens. Redigirt und herausgegeben von Dr. M. Heß tn Eisenach, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen. Skr. AS Sonntag, den II. August,844. V. Jahrgang. , Ueberblick. Hauptauffatz: Das' Gutachten von Vr. Zunz. — Geschichte -es Tages: Frankfurt a. M.: Die Unterschlagung der Gutachten; das Nichterscheinen Mehrerer bei der Nabbinen-Versammlung; die Parallele zwischen der Makkabäerzeit und der unsrige«; Stein's Reformen. Frankfurt a. M-: Die Verlegung des Sabbats. Frankfurt a. M.: Hvldheim's Schriften; die ausländischen Rabbinen und Prediger; das Gutachten von Herzseld; das rabbinische Judenthum. Hamburg: Der RabbinatScandidat Schwabacher; die Rabbinen-Bersammlung. Breslau: Der „Orient« über die Unruhen in Oberschlesien; Schreiben von A. Muhr; Berlin: Die deutsch-französischen Jahrbücher über Bauer's Judcnfrage. Aus Rheinbaiern: Neueste Schrift von K. Grün. London: Die Ausnahme eines Oberrabbinen; die Reformer. Das Gutachten von Nr. Zunz über die Beschneidung. (Aus Frankfurt a. M. eingesendct. *) Es ergreift uns eine wahrhaft wehmüthige Stimmung, indem wir uns dazu anschicken, über bemerktes Gutachten zu berichten; denn wir läugnen nicht, daß wir unter den vielen gelehrten und verdienstvollen Männern, welche sich in unserer Zeit mit der jüdischen Literatur beschäftigen, Zunz die erste Stelle einraumen zu müssen geglaubt hatten. Andere freilich hatten ihn gesinnungslos, seine Arbeiten kleinlich, fein Streben barock und seine Resultate ohne Bedeutung gefunden. Wir hingegerl fanden, daß er als Mann der Wissenschaft über der Religion als Wissenschaft stehe, daß seine Ausarbeitungen als Muster zugleich gelehrter und geschmackvoller, *) Obgleich sich bereits in Nr. 28 dieser Blätter eine ausführliche Besprechung jenes Gutachtens findet, so haben wir doch der gegenwärtigen, da sie manche neue und treffende Bemerkungen enthält, eine Ausnahme nicht versage« wollen. Red. kritischer Behandlung jüdisch-literarischer Stoffe an sich schon bedeutende Resultate, und ihrer Classicität wegen in ihren Folgen von unermeßlichem Nutzen seien. Als wir vor einiger Zeit von einer Apologie der Tefillin hörten, welche Zunz irgendwo geschrieben haben soll, erkundigten wir uns zuerst nach dessen religiösem Wandel, und vernahmen, daß dieser nichts weniger als rabbinisch-jüdisch sei, daß Zunz weder SabbatnochSpeifegesetze beobachte rc.; wir hielten jene Apologie für eine antiquarische gelehrte Grille, halb und halb für einen Scherz. Wenn wir aber nun sehen, daß sich Zunz einem rabbinischen Landstürme anschließt, den einige hiesige Ignoranten autgeboten, wenn wir sehen, daß feine antiquarische Liebhaberei ihm auch antiquirte Vorurtheile lieb macht, so können wir zwar noch immer nicht die hier ziemlich verbreitete Ansicht theilen, daß er das in Rede stehende Gutachten für Geld geschrieben, allein den freien und hohen Standpunkt, welchen er in unserer Meinung eingenommen, können wir ihm ferner nicht einraumen, und wir finden zu unserem Bedauern, daß der hausbackene Verstand wieder einmal Recht behalten