Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1844)
- Date
- 1844-07-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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236 Verderben zu steuern, das für die menschliche Gesellschaft schon deshalb die nachtheiligstcn Folgen erzeugen muß, weil Geist und Gemüth in den schönen Jahren der Jugend leer ausgehen oder durch falsche Methoden eine verkehrte Richtung annehmen, die immer im Leben wieder zum Vorschein kommt. Andererseits aber darf auch nicht unberücksichtigt bleiben, daß die Ursache des verhälrnißmäßig niederen Standpunkts des jüdischen Schulwesens des Königreiches in der Mittellosigkeit der meisten Gemeinden zu suchen sei. Gesetzt auch, cs befänden sich tüchtige Lehrer in unserer Mitte, wird wvl ein solcher auf dem Lande um eine Lehrerstellc nachsuchen und eine solche bekleiden wollen, die sehr oft nur 30 bis 40 Thaler jährlich aufbringt, und wo er größtenthcils auch noch dafür das unangenehme Amt eines Schächters, daß jeder wissenschaftlich gebildete Mann mit Widerwillen versieht, übernehmen muß? — Und diese Gemeinden können mit dem besten Willen nicht mehr aufbringen, selbst diesen kleinen Gehalt herbeizuschaffen, fällt ihnen schwer, wie dieses hoher Landdrostei aus den mannigfachen hierüber erhobenen Klagen bewußt ist. Um diesem umsichgreifenden Verderben, das seine Entstehung demnach in dem Mangel an tüchtigen Lehrern und in dem Unvermögen der Gemeinde hat, mit Kraft entgegen zu arbeiten, und dieses Uebcl mit der Wurzel auszutilgen, werde es dem gehorsamst Unterzeichneten Landrabbinen vergönnt, folgenden Antrag königlicher Landdroftei zur gefälligen Prüfung vorzulcgen, und darf er dieses um so mehr wagen, als das ernste Bemühen hoher Regierung, unsere Lage nach und nach zu verbessern, überall Anerkennung und Würdigung gefunden hat. — (Schluß folgt.) Ungarn. Pesth im Juni. (D. A. Z.) Einige Tage weilte, und zwar zum ersten Male, der Freiherr Salomon v. Rothschild in unscrcr Stadt. Nicht blos die Neugierde, den „geldmächtigen" Mann zu sehen, mehr noch der Anthcil, welchen er mit seinen Ungeheuern Mitteln an den öffentlichen Unternehmungen Ungarns in jüngster Zeit nimmt, bereiteten ihm einen fast beispiellosen Empfang. Wol an 20,000 Menschen bedeckten die Ufer der Do- »au, als er unter Böllerschüssen aus dem Dampfboote stieg. Zur Handhabung der Ordnung war eine Abtheilung der Municipalgarde ausgerückt. Beglückwünschungödeputationen von Seiten des Handlungsgremiums, des Bürgerstandes, der israelitischen Gemeinde u. s. w. sowie gegenseitige Bankets, folgten sich. Am Abende der Ankunft noch entsprach der Gast den Einladungen der drei Theaterdirectionen, ihre Vorstellungen zu besuchen. Alle wolthätigen Institute hier bedachte Baron v. Rothschild mit Spenden, die sich wol über 10,000 Fl. belaufen mögen. Der rasch emporsteigende Kettenbrückenbau, eins der kolossalsten Werke in Europa, hat durch die große Betheiligung des Rothschild'schen Hauses eine wesentliche Unterstützung gesunden. Frankreich. Paris im Juni. (F. I.) Aus sehr guter Quelle*) versichert man, daß das israelitische Generalconsistorium Frankreichs, zufolge der ihm durch die neueste Ordonnanz zugesicherten Machtvollkommenheit, beschlossen habe, die Feier des Sabbats vom Sonnabend auf den Sonntag zu verlegen. Diese Maßregel wurde längst schon von der Mehrzahl der hiesigen Israeliten gewünscht, um mehr Gleichförmigkeit in ihre bürgerlichen und socialen Berührungen zu bringen. Man fügt hinzu, daß selbst ein hochstehender hiesiger israelitischer Banquier, sich für diese Maßregel günstig ausgesprochen habe. Bereits hat das israelitische Generalconsistorium, aus den Deputirten Cremieux und Crrsbeer, dem königlichen Prokurator Ansprach, dem Maireadjunkten Halphen und Herrn Raphael bestehend, an den Justizminister eine Adresse gerichtet, worin es im Namen seiner Glaubensgenossen für die echt liberale Art und Weise dankt, mit der die netteste königliche Ordonnanz den israelitischen Cultus regulirt und die Consistorien und Geistlichen dieses Glaubens mit denen der andern Consessivnen in Allem gleichstem. *) Wir haben sehr Ursache, die Güte dieser Quelle zu bezweifeln. Sollte man in Frankreich etwas unternehmen, was man in Deutschland, wo die Aufklärung unter den Israeliten viel weiter, noch nicht gewagt hat? Red. des. Israel. Bekanntmachung. Bei uns erscheint regelmäßig: Religiöse Woehenschrikt für gottgläubige Gennither aller Conftsstoncn. Redacteur Dr. Ludwig MhiliPPson in Magdeburg. Preis vierteljährlich 11£ Sgr. (9 gGr.). Diese Wochenschrift, welche bereits eine bedeutende Verbreitung gefunden, sucht Gotteserkenntniß durch Belehrung aus Schrift, Natur und Geschichte zu vermehren, Liebe, Sittlichkeit und wahres Mcnschenglück anregend zu fördern und zu erhöhen. Bestellungen werden fortwährend in allen Buchhandlungen, in Hersfeld und Homberg bei F. Schuster, angenommen. Lirrdeguist und Schönrock in Halberstadl. Druck und Verlag von ß. Schuster in HerSsrld.