Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-06-30 · Heft 26 (30.6.1844) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 26 (30.6.1844)
Date
1844-06-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2566751-2566911-2566938--1031-2568765
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

SLS hinwicherum direkt dem Centralkonfistorium von Paris untergeordnet sein wird. Die »Arch. Isr.“ enthalten folgenden Artikel: *Scit einiger Zeit sehen wir in Frankreich hie und da unglückliche Polen ankommen, denen cS gelungen ist, den Verfolgungen zu entkommen, die in diesem Augenblicke in ihrem Vaterlande auf den Israeliten lasten. Wir haben in unftrm Lokale Familienväter mit ihren Kindern, junge Leute und Frauen gesehen, die sich ohne alle Hülfsquellen und Existenzmittel befinden. Mit Vergnügen erfahren wir, daß die Fürstin Czartoryska Befehl gegeben hat, mehreren dieser Unglücklichen Hülfe zu leisten. Polnksche Priester, die für ihre Landsleute eine Beschäftigungsanstalt gegründet, haben unsere Glaubensgenossen, unter Berücksichtigung ihrer Neligionsvorschristen, in diese Anstalt ausgenommen und die feierliche Verpflichtung übernommen, deren Gewissen auf keine Weise zu verletzen. Dieser Anstrengungen ungeachtet, befindet fich eine große Anzahl dieser Unglücklichen noch von Allem entblößt. Es thut noth, denselben zu Hülse zu kommen, wenn man nicht in Deutschland glauben soll, die Israeliten Frankreichs ließen fünfzig Nothlridende verschmachten, während die Bewohner Preußens mehreren Tausenden derselben so hochherzig Hülse geleistet haben'" Rußland und Polen. Wilna. (Frkf. I.) Jndeß sich im westlichen Europa die Philanthropen im Judenthum mit Entwerfung von Planen beschäftigen, ihren bedrängten Glaubens- und StammcSgcnosscn an den polnischen und russischen Grenzen auf wirksame Weise za Hülse zu kommen, erheben sich hier zwei Fragen, durch deren vorgängige Lösung sich die Ausführbarkeit jener Plane bedingt. Der früher vom Nabbinen Hirschscld zu Wollstein zuerst beregte Gedanke, diejenigen Juden, deren Versetzung von den Grenzen in daS Innere des Reichs, nach Ablauf der zu dem Brhufe eingeräumten Fristen, die mit tem Februar 1845, 1846 und 1847 zu Ende gehen, geschieht, durch Verabreichung von Geldmitteln zur Begründung von Ackerbau-Colonieen an den ihnen überwiesenen neuen Wohnsitzen zu unterstützen, hat bei vorerwähnten Philanthropen wenig Eingang gesunden. Selbst die vollkommene Uneigennützigkeit und Reinheit von Hirschfelds Absichten wird von ihnen nicht ganz ohne Grund beargwöhnt, zumal derselbe bei Gelegenheit der Reise, die er unternahm, um in ihnen Sympathien für die bedrängten Glaubens- und StammeSgenossen zu erwecken und deren Kosten er mit fremdem Gelde bestritt, perfönliche Zwecke verfolgte. Dagegen laufen die oben erwähnten Pläne im Wesentlichen darauf hinaus r den HülfSbedürstigen die zureichenden Geldmittel zu verabreichen, um," außerhalb der Grenzen des russischen Reiches, Niederlassungen zu begründen, daselbst Ackerbau und andere nützliche Gewerbe zu betreiben. Dabei frägt es sich nun zuerst, ob die russische Negierung die zu dem Behufe vor Allem erforderliche Auswanderungs-Erlaubniß ertheilen wird. Nach den bis jetzt von ihr getroffenen, das Ausreißen der Gränzjuden zu verhindern, scheint dieselbe zu dieser Einräumung eben nicht geneigt zu sein. Allein es sind kürzlich wieder, namentlich vom Haag aus, Schritte deßhalb in St. Petersburg bereits gethan oder doch angcbahnt worden, die hier zu unterstützen eine höchstgestellte Person von dort aus großmüthig versprochen hat; die Erfolge sind demnächst zu erwarten. Eine zweite Frage ist nun: ob bei den eigentlichen Subjekten der Auswanderung, d. h. bei den Gränzjuden selber, der beregte Plan Anklang finden wird? Im Durchschnitt betrachtet der polnische Jude seine Glaubens- und StammeSgenossen in den westlichen Länder,^als Ketzer, von denen sich möglichst entfernt zu halten sein atzungsglaube ihm gebietet, um nicht durch nähere Berührung von der schlimmen Seuche angcsteckt zu werden. Diese vorgefaßte Meinung, die, wie in ähnlichen Fällen gewöhnlich, bei den alteren Juden eingewurzelt ist, wird sic abhalten, dem Ruse in jene Länder zu folgen; im Wechselsalle der Wahl werden sie es daher großtentheils vorziehcn, ihren neuen Schicksalsbestimmungcn im alten Heimathslande, wo die Ketzereien dcö Westens ein Gräuel sind, entgegen zu sehen, als die ihnen dargebotene hülfreiche Hand, die sie der bei ihnen so übel berufenen Gegend zuzuführen gedenkt, anzunehmen. Demnach ist voraus zu sehen, daß nur der jüngere Theil der Grenzjudenschast diese Hand dankbar erfassen und von den dargebotencn Wolthaten Gebrauch machen wird. Von C. L. Fritzsche in Leipzig ist durch alle Buchhandlungen, in HerSsctd und Homberg durch F. Schuster, zu beziehen: P"ti £TTS / Commentar zur Genesis von Rabbi, David Kimchi. Nach einem Manuscript in der Bibliothek royale zu Paris, auf Veranlassung des Orientalisten Hrn. A. Kohn aus Preßburg, herausgeg. durch A. Ginsburg. Preßburg 1842. Preis 1 Thlr. riüdN “1ED, od. Studien über die ältesten Schriften der jüdischen Literatur, von Elj. Milsahagai. 4. Preis 20 Sgr. oder biblische Geographie in alphabetischer Ordnung von I. Kaplan. 2 Theile mit einer Karte von Palästina. 8. Preis 1 Thlr. 15 Sgr. -!E£T! Ähfc* rote* Hebräischer Wurzelzeiger, oder tabellarisches, hebräisch-deutsches Wörterbuch, zunächst für Schulen und zum Selbstgebrauch, herausgeg. vor; M. I. Benlevi in Hildesheim. Preis 20 Sgr. Druck und Verlag von F. Schuster in HerSfeld.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.