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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-06-23 · Heft 25 (23.6.1844) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 25 (23.6.1844)
Date
1844-06-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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204 Lurch welches sie an diesen Ziehungen theilnähmen, zum Geschenk erhalten, diejenigen aber, welche das Glück mit einem der Hauptpreise bedächte, jedenfalls für eine gewisse Reihe von Jahren auf eine weitere Betheiligung keinen Anspruch mehr machen dürfen. Rußland und Pole n. Von der polnischen Grenze. (A.Z.) Die Bestürzung unter den Israeliten wegen der nächstens beginnenden Conscription, an der sie diesmal durchaus thcilnehmen sollen, ist noch immer gleich groß; im Fall einer Desertion muß die Judenschaft einen Ersatzmann stellen. Moldau und Wallach ei. AuS Jassy vom 15. Mai berichtet die Berlinische Zeitung, daß über mehrere sich dort aufhaltendc Missionare der Schottischen Gesellschaft zur Bekehrung der Juden von einem Rabbinen der Bann ausgesprochen sei und daß es den Juden am Ende sogar gelingen könne, den Fürsten zu vermögen, daß die Missionare aus dem Lande getrieben würden. Den Missionaren war es gelungen, mehrere woluntcrrichtcte und angesehene Juden zu taufen, sowie eine Schule zu errichten, in welcher Kinder ohne Unterschied der Nation unterrichtet wurden. Seit dem Bannspruche haben alle jüdischen Kinder aus dieser Schule weg- Lleiben müssen. Frankreich. Paris. (D. A. Z.) Durch ein Urtel des Cassati'onshofts ist von neuem entschieden, daß in Frankreich keine besondere Eidesformel für die zum gerichtlichen Schwure zugclassenen Juden statthaft ist. Die Idee eines Judeneidcs ist in der T,at so unverträglich mit dem allgemeinen Geiste der französischen Gesetzgebung, daß man kaum begreift, wie noch immer einzelne Gerichtshöfe auf die Leistung desselben erkennen können. In dem ftaglichcn Falle war der vom Cassationshof annullirte Ausspruch auf den Antrag einer jüdischen Civilpartci erfolgt, welche behauptete, daß unter ihren Glaubensgenossen jeder nicht in den herkömmlichen Formen und unter dem Beistände des Rabbinen abgelegte Eid für nicht verbindlich gelte. Paris. AuS dieser Weltstadt enthielt unlängst die Allg- Zeit. eine Biographie des daselbst verstorbenen jüdischen Gelehrten Ludwig Marcus, aus der Feder des immer genial bleibenden und noch unaufhörlich Geistesblitze sprühenden Heine entflossen. Wir entnehmen ihr folgende allgemein interessante Stelle: »Nur soviel will ich hier aussprcchen, daß der rhetorische Zweck jenes Vereins (nämlsch des für Cultur und Wissenschaft des Judenthums, welcher in Berlin bestanden) nichts anderes war als eine Vermittelung der historischen JudenthumS mit der modernen Wissenschaft, von welcher man annahm, daß sie im Lause der Zeit zur Weltherrschaft gelangen würde. Unter ähnlichen Umständen, zur Zeit des Philo, als die griechische Philosophie allen alten Dogmen den Krieg erklärte, ward in Alexandrien Aehnliches versucht, mit mehr oder minderem Mißgeschick. Von schismatischer Aufklärerci war hier nicht die Rede, und noch wk- Niger von jener Emanzipation, die in unser» Tagen manchmal so ekelhaft, geistlos durchgcträtscht wird, daß man das Interesse dafür verlieren könnte. Namentlich haben cs die israelitischen Freunde dieser Frage verstanden sie in eine wässerig graue Wolke von Langweiligkeit zu hüllen, die ihr schädlicher ist als das blödsinnige Gift der Gegner. Da gibt es gcmüthliche Pharisäer, die noch besonders damit prahlen, daß sie kein Talent zum Schreiben besitzen und dem Apollo zum Trotz für Jehova die Feder ergriffen haben. Mögen die deutschen Negierungen doch recht bald ein ästhetisches Erbarmen mit dem Publikum haben, und jenen Salbadereien ein Ende machen durch Beschleunigung der Emanzipation. Die Emanzipation wird doch früh oder spät bewilligt werden, aus Gerechtigkeitsgefühl, aus Klugheit, aus Nothwendigkeit. Die Antipathie gegen die Juden hat in den obern Klassen wenig religiöse Wurzel mehr, und in den untern Klassen gestaltet sie sich täglich mehr in den socialen Groll gegen den überwuchernden Besitz um. Was die Regierungen betrifft, so wissen sic, daß der Staat ein organischer Körper ist, und daß derselbe nicht zu einer vollkommenen Gesundheit gelangen kann, so lange ein einziges seiner Glieder, und sei es auch nur der kleine Zeh, an einem Gebrechen leidet. Ja, der Staat mag noch so keck sein Haupt tragen und mit breiter Brust allen Stürmen trotzen: das Herz in der Brust und sogar das stolze Haupt wird dennoch den Schmerz Mitempfinden müssen, wenn der kleine Zeh an den Hühneraugen leidet — die Judenbeschränkungen sind solche Hühneraugen an der» deutschen Staatsfüßen." Berichtigung: S. 173, Sp. 2, Z. 3 v. u. muß eS heißen „begriffen," statt „Begriffen". Wir bemerken nachträglich, daß der eingesandte Artikel der Beilage zur vorigen Nummer Inserat war. Druck und Verlag von S. Schuster in Heesfeld,

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