Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1844)
- Date
- 1844-06-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für -reAenntnifs an)» Nrtorm des rsraeiitrschrn Nebrns. Redigirt und herausgegebcn von irr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen zu Stadt-Lengsfeld bei Eisenach. Rp. 23 Sonntag, den s. Jnni 1844. V. Jahrgang. u e b e t b X i . Haupt - Ttufsatz: Offene Briefe über den Reformvcrein. (Fortsetzung.) — Geschichte des EageS: Dom Rhein: die RabbincnversamnUnng; L. S. Frankcl's Zeitschrift; Rothschild; Cahn, das Crefelder Rabbinat. Aus Baiern: die äußeren Derhältnisse der Juden. Frankfurt a. M.: das Rothschildsche Geschenk; Stein; die Beschneidung; das Claus - Rabbinat; der junge Rothschild. Hamburg: Was ist wichtig für eine israelitische Zeitschrift? (Schluß.) — Erklärung. Offene Briefe übe* -en Refoemverein. Don M. A. Stern. (Forschung von Nr. 22.) Wahrlich, wenn Gellert jetzt seine bekannte Fabel von der Mißgeburt schriebe, man würde darin nur eine bittere Satyre auf manche Tagesbegebenheiten sehen. Es gibt nun einmal Leute, welche nichts Neues, mag es gut oder schlecht sein, vertragen können, gerade wie es Hunde gibt, die jedes Licht anbellen, mag es nun vom unschuldigen Monde oder von einer Diebcslaterne ausgehen. Das konnte und mußte man ertragen, aber man durste zugleich erwarten — und man erwartet es noch — daß der fortschreitende Rabbinismus diese neue Erscheinung freudig begrüßen wüHe, und man mußte daher nicht wenig unangenehm überrascht sein, als der erste, der, sich als einen fortschreitenden Rabbinen ankündigend, darüber sprach, nur bitteren Tadel ausgoß. Sehen wir nun, was Sie gegen die „Erklärung" haben. Zuerst ist Ihre Auffassung gleich in ihrer ursprünglichen Wurzel eine windschiefe, indem Sie uns Reformatoren nennen; das sind wir nicht, konnten und wollten wir nicht sein. Wir sind blos Reformirte; Reformator war die Zeit, die fortgeschrittene Intelligenz, etwa auch der fortschreitende Rabbinismus. Wir wollen keine Proselyten machen, wollen Keinen, der nicht durch eigne Einsicht zu unserer Ueberzeugung gelangt ist. durch irgend ein Mittel zum Beitritt bewegen, und haben nur die schon ohnehin Gleichgesinnten aufgefordert, sich uns offen anzuschließen. Darum ist die „Erklärung" so gefaßt, daß sie nur unsere individuelle Ansicht aussprichr. Daß wir unsere Ueberzeugung offen darlegen, darüber brauchen wir uns wol nicht erst zu rechtfertigen. Nur von zwei Seiten her kann unser Beginnen einem Tadel unterworfen werden. Einmal kann unsere Ueberzeugung eine irrige sein; sollte man uns dessen überführen — was bis jetzt nicht geschehen ist — so bliebe uns noch immer die Genugthuung, daß wir einen guten Zweck anstrebten. Es ist kein Verdienst, die Wahrheit zu finden, wol aber sie zu suchen. Man könnte aber die Wahrheit unserer „Erklärung" gelten lassen und den. noch unser Beginnen verdammen, weil vielleicht der