Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1844)
- Date
- 1844-06-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1VS rötr, mochte ich hinzusetzen, hier durchaus nicht auf den dogmatischen Gesichtspunkt an, und die Behörde kann sich hier nicht auf die Entscheidung einlassen, ob dem Juden das Schreiben am Sabbate wirklich verboten sei oder nicht, sondern ob die Juden oder ein Theil von ihnen sich durch ein solches Verbot gebunden achtet oder nicht. Wie Sie sehn, erschien diese Verordnung kurz «ach Geigers Ankunft am hiesigen Ort, und mehrere Eltern, deren Knaben das Gymnasium zu Elisabeth besuchten, wandten sich an ihn mit der Bitte, hier vermittelnd einzutreten. Herr Rabbine vr. Geiger hielt eS mit Recht für leichter und angemessener, diese Verfügung im Leben mildern und antiquiren zu lassen als auf dem langen Wege der Petition eine Aufhebung zu erwarten. Er wandte sich daher an den damaligen Rector des genannten Gymnasiums, einen Biedermann, Professor Reiche, und dieser, ein geübter Schulmann und wahrer Menschenfreund, bemerkte, daßer keineswegs einen Zwang auSüben werde in Religionssachen, und so blieben die Knaben, welche nicht schreiben wollten, ungckränkt. Von andern Schulen kamen keine Klagen, doch hat auch das s. g. katholische Gymnasium dasselbe Verfahren ringchalten, und als junge Leute, die sich der jüdischen Theologie widmen wollten, in das Gymnasium zu Maria Magdalena und in das s. g. reformirte einzutreten beabsichtigten und Geiger's Jntercession beanspruchten, so hatte diese auch immer den gewünschten Erfolg. Man schien so auf dem besten Wege zu sein, die Sitte mehr als das Gesetz — wenn die Verordnung einer Provinzialbrhörde so genannt werden kann — zu beachten, da trat wieder etwas in den Weg. Der Rector des Gymnasiums zu Elisabeth ward auf seinen Wunsch in Ruhestand versetzt, und der Prorector, der sich den Vorgesetzten durch seinen Diensteifer und feinen pünktlichen Gehorsam als Rector empfehlen wollte — es ist ihm dennoch nicht gelungen —, glaubte nun dem zunächst Vorgesetzten Magistrate einen Bericht abstatten zu müssen über alle die angeblichen Unregelmäßigkeiten, welche bisher geherrscht hatten, und sich weitere Verhaltungsregeln zu erbitten. Der Magistrat verwies natürlich auf die Verordnungen in anderen Dingen wie auch im Sabbatschreiben. Nun sollte es mit dem neuen Semester wieder los gehn, und neue Klagen kamen nun bei Geiger vor. Jetzt mußte allerdings die Verwendung bei dem Prorector und dem Magistrate vergeblich sein, man hätte sich in Widerspruch mit sich selbst gesetzt und so entschloß sich G. zu einer Eingabe an das Provinzial-Schul-Collegium, dessen Entscheidung wir gespannt entgegensehen. Sie sehn, es gibt hier immer etwas, und wenn nicht Alles auch geräuschvoll verkündet ward, wenn auch manche Gemeinde hoffärtig und mitleidig auf Breslau mit seinen ärgerlichen Skandalen, wie sie es nennen, herabsieht, so mögen sich doch wenige rnit ihm an tüchtigem inneren Leben messen können. Vielleicht theile ich ihnen nächstens etwas über die jetzt beendigten Vorlesungen über jüdische Geschichte, welche Geiger im Handlungsdiever-Jnstitute gehalten, mit, sowie über das Examen in der Rcligionuntcrrichts-Anstalt, den Lehr- und Lescvrrein und Achnliches. Vorläufig wollen Sie dem Obigen ein bescheidenes Plätzchen gönnen. Türkei. & Konstantinopel. Die Juden auf der Insel Marmors, welche von dem griechischen Patriarchen angeklagt worden, ein Christenkind ermordet zu haben, standen am 25. Jan. »or den Schranken des obersten Gerichtshofes (Kawassir) und wurden von der Beschuldigung freigesprochen, »in Betracht, daß die Untersuchung ergeben hat, wie die Anklage völlig unwahr und in böslicher Absicht erhoben worden ist." Die fanatische griechische Geistlichkeit hatte die verwerflichsten Mittel nicht unversucht gelassen, um die Verleumdung triumphiren zu machen; den lebhaften Bemühungen des englischen Gesandten verdankt man den Sieg der Wahrheit. Vereinigte Staaten von Nordamerika. Philadelphia, 25. Jan. Gestern fand der zweite jährliche Ball zu wolthätigen Zwecken unter den Israeliten dahier statt; er ergab die nicht unbeträchtliche Summe von 490 Pfd. Strrl., welche sofort unter die verschiedene Anstalten vertheilt wurde. — In Newyork fanden im Laufe dieses Winters mehrere ähnliche Feste statt, deren Ergebniß den Erwartungen der Subscribenten vollkommen entsprach. (Occident.) Australien. In Hobart-Town wurde am 9. Aug. 1843 der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt. In demselben wurde folgende Urkunde in hebräischer und englischer Sprache niedbrgelegt: »Am vierten Tage der Woche, am 13. des Monats Ab, im Jahre 5603, im siebenten Jahre der Negierung I. M. der Königin Viktoria, ist dieser Stein gelegt worden zu einem Brthause, im Namen des Ewigen, durch Louis Nathan Esq., im Namen der Gemeinde, in dieser Stadt Hobart-Town, auf diesem Boden, welcher für immer gegeben worden ist von Juda Salomen Esq." Es wurden daraus einige Psalmen gelesen, Gebete verrichtet und eine hierzu eigcnds komponirte Ode von Hrn. Moß ausgesührt. Hr. Nathan schloß die Feierlichkeit durch eine sehr erbauende Rede, worin er die Großmuth rühmte, durch welche eine so kleine Gemeinde dahin gebracht werden konnte, ein so großes Werk zu unternehmen, und seine Brüder ausmunterte, in der Verehrung Gottes und guten Erziehung ihrer Kinder fortzufahren. Die Fronte des Gebäudes ist im egyptischen Style. In Neu-Seeland sowie in Adelaide-Land haben die Gouverneure ohne Schwierigkeit den Israeliten Plätze zu Friedhöfen unentgeldlich angewiesen. — Manche europäische Verwaliungsmänner sollten nach dem fernen Australien in die Schul» geschickt werden. (Cornwall Chronicle.) Zur Recerrfrorr eingegangene Schriften. Palmzweige aus dem deutschen Dichterhaine, 2 Bände; Foliee, Zuruf eines Christen; Larsow, die Genesis; Orelli, Spinoza's Leben und Lehre; He ine mann, Thorath emeth; Biblische Geschichten der Kinder Israel; Grünthal, mosaische Rcligionslehre; Telle, biblische Alterthümcr; Almanach für evangelische Prediger für 1844; Materialien zur Geschichte des rabbinischen Kalenders; Siegcsmund, das blaue Büchlein; Pvlitz, neue Jahrbücher der Geschichte und Politik; Bibliothek französischer Kanzelberedtsamkeit; Thürmer, Versuch; die Juden frage vor Hamburgs Erbgeseffener Bürgerschaft; Heilbutt, Krankenhaus der israel. Gemeinde in Hamburg. Bekanntmachung. In unserm Verlage erscheint demnächst eine Schrift über di» Beschneidung in religiös-dogmatischer Beziehung von Vr. Holdherm, großherzoglich meklenburg - schwerinschen Landrabbinen, in welcher die über diesen Gegenstand bisher veröffentlichten Urtheile kritisch beleuchtet werden. Wir erlauben uns auf diese bedeutsame Erscheinung, die sich für dieselbe Jnteressirenden aufmerksam zu machen. Schwerin O. Efirschner^c Buchhandl, in Meklenburg. (M. MarcuS.) Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.