Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1844)
- Date
- 1844-04-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Sitte Wochenschrift für die Kenntnrls und Nekorm des Iudenthums. Redigirt und herausgegeben von »r. M. Heß, Grvßherzogl. Weimarschem Land-Nabbinen zu Stadt-Lengsseld bei Eisenach. 9kp. 16. Sonntag, den TL. 1844 V. JahkgtMg. Uevervlick. Haupt-Artikel: Gutachten des Bezirks-Nabbinen 0r. Grünbaum. — Geschichte -es ÄlageS: Dom Main. Der wieder auferstandene Mensch-Jsroel. Braunschweig. Gute Gesinnung der christlichen Prediger. AuS der Rheinpfalz. Fortschritte der öffentlichen Meinung (Schluß). Berlin. Die Rabbinenwahl. Frankfurt a. M. vr. Stein; die neue Synagoge. Gutachten des Bezirks - Rabbinen vr. Elias Grün bäum zu Landau in der Pfalz, in der Frankfurter Reform-Angelegenheit, abgegeben an: Sr. Hochwürden, den Herrn Rabbinen Salomon Trier in Frankfurt a. M.*) Hochmütigster Herr! Wenn ich Ew. Hochwürden auf deren geehrte Zuschrift durch die ehrwürdigen Herren B. Adler und A. Fuld von dorten erst heute antworte, so wollen Sie diese Zögerung mir den in den letzten drei Monaten so sehr überhäuften, zuin großen Theile selbst auswärtigen Amtsgeschäften, die mich ununterbrochen in Anspruch nahmen, gütigst entschuldigen. Mit Vergnügen sende ich Ihnen jetzt, nachdem mir einige Muße gegönnt ist, meine Ansicht über die von Ihnen vorgelegten theologischen Fragen. Vor Allem muß ich mir jedoch die offene, frei- *) Wir erinnern unsere Leser an unsere Bemerkung in der «origen Nummer zu der Correspondenz aus der Pfalz. Red. müthige Bemerkung erlauben, daß ich das Streben noch einer Reform im Judenthum vollkommen theile, und die dringende Notwendigkeit einer solchen im Leben und in der Synagoge durchaus anerkenne. — Auch ich bekenne mich nemlich offen zu der Ansicht: daß das Judenthum einem innern Fortschritt huldigt, daß selbst der Mosaismus in Bezug auf seine äußern Formen zu einer ewigen Stagnation nicht verdammt sei, weil sonst zwischen ihm und dem Leben, das sich einmal in seinem ewigen Fortschreiten nicht aufhalten laßt, eine unausfüllbare Kluft notwendig entstehn und somit eines von beiden die Folge sein müßte: entweder, daß das Leben ohne Religion, oder daß die Religion ohne Leben bliebe, im Widerspruch mit dem göttlichen Worte selbst, wornach wir in ihnen (den Gesetzen) leben, d. h. Leben und Religion verbinden sollen; weil ferner eine solche Fortbewegung und Neugestaltung der äußern Form in Uebereinstimmung mit dem Leben und seinen Bedürfnissen durch die ganze Geschichte des Judenthums hindurchgeht, und selbst durch viele in Mischna und Gemara aufbewahrten Anordnungen der alten Sanhedrin factisch