Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1844)
- Date
- 1844-03-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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95 Chilvk ha-Khalbi u. A. versaßt. Im Jahr 928 wurde er von dem damaligen „Haupte des Exils«, David ben Sakkhai zu dem Geonate in Lora berufen, allein schon zwei Jahre nachher gerieth er mit ihm in erbitterten Streit, und dieser veranlaßte seine Entsetzung und Verfolgung, so daß er sieben Jahre in heimlichem Verstecke zubringen mußte, bis endlich durch Vermittler die Versöhnung erfolgte; aber schon nach fünf Jahren beschloß er sein Leben im I. 942. — Ueber den Inhalt der Schriften Saadia's erfahren wir nun manch treffliche Bemerkung von dem Verfasser, sowol in sprachlicher als philosophischer Hinsicht. Das Sprachliche wird nur kurz (S. 281 — 91), aber mit Gründlichkeit behandelt, ausführlicher läßt er sich über das Philosophische, alö die interessantere Seite, aus. Als die wichtigste Aufgabe seines Lebens betrachtet Saad. die richtige Auffassung und Wiedergabe der biblischen Schriften, welche er in seine mit mehr oder weniger ausführlichen Commentarien begleiteten Uebersetzungen derselben niederlegte. Die erste hermencutische Regel, die ihn dabei leitete, war die Ucbcreinstimmung des Schriftsinnes mit Vernunft und Tradition. Daß diesen beiden zu Liebe manche Modification mit dem Bibelworte vorgenommen werden mußte, ist leicht zu vermuthen, ähnlich wie schon die ältesten Uebersetzer und Erklärer der h. Schrift verfahren mußten. Auch S. sucht Anthropo-morphismen und pathismen zu vermeiden, Widervernünftiges, das mit den Naturgesetzen durchaus Unverträgliche zu verwischen, bei welcher Gelegenheit ihn oft die Erklärung der Wunder in'S Gedränge bringi. So ist ihm z. B. (wie Geiger S. 304 anführt) das Sprechen der Schlange mit Eva auffallend, so wie das Reden der Eselin Bileams, und er meint ein Engel habe in ihrem Namen das Wort genommen; wenn es heißt (1 M. 9, 13.) „meinen Bogen habe ich in die Wolken eingesetzt«, so kann dieß nicht bedeuten daß der Regenbogen erst nach der Sündfluth ge. schaffen sei, da dieser ja durch die ewigen Naturgesetze erzeugt wird, vielmehr heißt es, daß das Erscheinen des Regenbogens, welches von jeher im Naturgesetz begründet war, aber während der Sündfluth, wo der Regen nicht aufgehört hatte und die Sonne nicht hervorgekommen, unterbrochen war, künftig als Bundeszeichen zu betrachten sei. Während dieses Bundeszeichen (so fährt G. fort) als Gnadenzeichen einer göttlichen Zusage aufzufassen ist, so scheinen ihm die anderswo vorkommenden Bundeszeichen, durch welche, nach dem natürlichen Sinne, der Jsraelite vermittelst irgend einer Handlung sich in ein näheres Verhältniß zu Gott setzt, durchaus den Beziehungen des Menschen zu Gott nicht entsprechend; er faßt vielmehr das BundeSzrichcn der Beschneidung (1 M. 17, 11.) und der Sabbathfeier (2. M. 31, 13.) als Kennzeichen, durch die der Jsraelite kenntlich wird, indem die nach der rituellen Vorschrift (Periah) vollzogene Beschneidung — zum Unterschiede von der mohamedanischen — und die Enthaltung von jedem Gewerbsbetriebe am Sabbathe ein äußeres Kennzeichen seines Bekenntnisses ist. — Wie S. zu Gunsten philosophischer Ansichten die Umdeutung der Bibel vornimmt, so auch um confessioneller Rücksichten halber, in seiner Polemik mit Christen und zum Theil mit Mnhamedanern. — Jedoch bei weitem wichtiger und interessanter ist seine Polemik mit den Karaiten, über die Hr. 0r. G. in einem zweiten Artikel Näheres zu geben verspricht. Ein Anhang zu dem ersten Artikel gibt uns die sogenannten „70 Wörter^ des Saadia nach einer Abschrift, die Hr.Dezenburg aus Paris aus dem orforder Mannscript angesertigk hat. Dieselben Wörter sind neuester Zeit von DukcS nach derselben Handschrift in der Zeitschrift für Kunde des Morgenlandes (V. 1. S. 113 — 136) abgedruckt und beide Arbeiten ergänzen sich gegenseitig, da in Dukes Abdruck die Stellcnangabe der Belege auS dem Talmud hinzugefügt ist. die bei G. fehlt, und dieser denselben mit schätzbaren Noten aus seiner und Tercnburg's Feder und mit manchen Verbesserungen des Tertes bereicherl hat. Wir haben uns hier beschränken müssen nur die äußersten Umrisse der Abhandlung über Saadia zu geben, wer nur einigermaßen für Literaturgeschichte des JudcnthumS sich interessier, muß die Arbeit selbst in der Zeitschrift Nachlesen; sie ist die erste umfassende, wisienschaftliche Behandlung des Saadia, gegründet auf ein fleißiges Quellenstudium, mit sorgfältiger Benutzung des bereits über diesen Gegenstand von Rapovort, Munk und Carzyoly Gelieferten. — Ueber die beiden andern Arbeiten des vorliegenden 3. Heftes (zweiter Artikel gegen B. Bauer und jüdische Zeitschriften dritter Artikel) hoffe ich Ihnen Nächstens Näheres mitzutheilen. Das vierte Heft der Zeitschrift ist bereits unter der Presse und wird in wenigen Wochen vollendet sein. Freiheit und Religion. *) (Den Frankfurter Reform-Freunden gewidmet.) Freiheit! Tu die Seele unsres höhern Seins. Mil dem Göttlichen, dem Wahren Mit der Tugend selber Eins! Nur auf deinem Himmelsbvden Kann des Himmels Blüth gedeibn. Tu nur kannst den neuen Tcmvcl Auch in Israels Leben weiyn. *) Dieses Gedicht hat eine Christin;nr Verfasserin. Red.