Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1844)
- Date
- 1844-03-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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80 an Euch alle gedacht, ich habe es vermieden, von meiner Person besonders zu reden; ich habe cs dem Herzen untersagt, sich mit seinen Gefühlen einzumischen. Doch von meinem Verhältnisse zu Euch und den Eurigen ganz und gar zu schweigen, nein, das kann ich bei aller Selbstbeherrschung nicht. Daher gestattet mir zum Schluß zwei kurze Worte: einen herzlichen Dank, ein heiliges Gelöbniß. Ich will den aufrichtigen, tiefgefühlten Dank nicht verschweigen, den mein Herz Dir zollt, geliebte Gemeinde! für die innige Theilnahme, für die aufrichtige Liebe, von der Ihr mir und den Meiuigen so viel sprechende Beweise gegeben, und wodurch mir Hamburg früher als ich geglaubt, zu einer lieben zweiten Heimath geworden ist, mir und meinen Kindern. Zum innigen Dank habt Ihr mich verpflichtet, daß Ihr mir fromme Zwecke fördern halst, wenn sie auch mit unserm Gotteshause in keiner unmittelbaren Verbindung standen. Wenn ich für meine Armen an Euer Herz und Eure Thüre klopfte und Eure Milde in Anspruch nahm, fand ich bei Euch eine gütige, freundliche Aufnahme, segensreiche Gaben — dafür dankt Euch aufrichtig meine Seele. Und nicht minder habt Ihr mich zum Dank verpflichtet, daß Zhr mir Nachsicht und Geduld geschenkt, wenn körperliche Schwäche den Geist zuweilen verhinderte, die Schwingen höher zu tragen und Größeres zu leisten. Am herzlichsten aber danke ich Euch für den während eines so großen Zeitraumes von fünf und zwanzig fahren fast sich gleich gebliebenen Eifer, mit welchem Ihr Euch um mich gesammelt, um meine Vorträge zu hören, trotz dessen, daß das Wort Gottes in meinem Munde oft einem scharfschneidigen Schwerte glich; trotz dessen, daß ich auf Fehler hingewiesen, Schwächen gerügt, Sünden gezüchtigt, und ohne Unterschied der Person, und ohne die häßliche That in schöne Worte, in reizende Gewänder zu hüllen. Zhr habt es mir zu gute gehalten, daß ich hierin meinen Vorbildern, den Propheten in Israel, gefolgt, die ihre Stimme erhoben, wie Schophran (Jes. 58, 1.), um dem Volke zu sagen, was Noth thut und was Gott von ihm fordert. Dafür dankt Euch meine Seele! Und zu dem herzlichen Danke die Versicherung, daß es mir zu allen Zeiten der heiligste Ernst war, Euch die Religion Israels in ihrem hellsten Lichte zu zeigen; daß ich bei jedem meiner Vorträge damit umging, Eurem Geiste Licht, Eurem Herzen Wärme, Euren Familien Heil und Frieden zu bringen; die Wahrheit in Klarheit dergestalt zu lehren und zu predigen, daß ihr durch Lehre und Predigt weiser, besser, froher, zufriedener, glücklicher, glückseliger werdet, werden konntet, Ihr und Eure Kinder. Ich betheuere Euch ferner, daß Ich unter Allen, die nach fünf und zwanzig Jahren heute einen Rückblick auf die Wanderung thun, der unglücklichste wäre, so ich mir dieses Zeugniß nicht geben könnte, so Ihr mir dieses Zeugniß verweigern müßtet, der unglücklichste, so ich umsonst gelehrt, umsonst gelebt. -Fünf und zwanzig Jahre gelebt!!-Nein, nein, so ist es nicht! Mein Gott hat mir verheißen, daß sein Wort nicht leer zürückgehen kann! (Jes. 55, 11.) Es muß in das Herz, es muß in das Leben dringen; cs muß Heil und Segen schaffen! Nein, ich darf mich zu den glücklichsten Pilgern zählen: Mein Antheil siel ins Liebliche und mein Erbe ist mir gut!" (Ps. 16, 6.) Und daher das Gelöbniß: So lange der Herr mich in Eurer Mitte leben läßt, so lange er mir meine Kräfte erhält, so lange er mir sein Licht und seine Wahrheit schenkt, mit noch heiligerm Eifer, mit noch heißerer Liebe meinem Berufe zu leben und seinen Namen in seinem Hause zu verkünden." Möchte diese Zeit eine noch recht lange sein. Diesen Wunsch dürfen wir nicht nur in unserem Namen, sondern im Namen aller Gemeinden im deutschen Israel und ihrer Lehrer auSsprechen. Denn alle sind dem Verfasser mit gleich-hoher Verehrung zugethan; alle anerkennen in ihm den Verkünder deS göttlichen Wortes, der gleich der Anstalt, welcher er vorsteht, so vielen Anderen ist Muster und Führer geworden; Alle haben darum auch an jenem doppelt festlichen Tage den freudigsten Antheil genommen, und alle gewiß auch mit dem lebhaftesten Interesse das gehört, was der Verfasser so wahr und so beredet über die Bedeutung jenes Tages vor seinem Gott und seiner Gemeinde gesagt hat. Bekanntmachung. Bei mir ist soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: I)ve-igten, Confirmations-, Trau- und Schuleinführungs-Reden, von Dr. M. Heß, großherzoglich - weimarischem Land-Rabbinen. Zweite Sammlung. Preis 25 Sgr. od. 1 Fl. 30 Kr. Rh. Der Ruf des Verfassers,, sowie die überaus beifällige Ausnahme, welche die erste Sammlung seiner Predigten und Gelegenheits-Reden, von welcher rmAHxemplare zu haben sind, gefunden, überhebt mich jeder wbiKly'Anpreisung. F. SchttHee in Hersfeld u. Homberg. Druck undVerlag von F. Schuster in Hersfeld.