Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1844)
- Date
- 1844-03-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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92 Lußerrr Sklaverei entgegen zu arbeiten, sondern auch dahin zu trachten, von der inner« Knechtschaft frei zu werden, von dem verderblichen Aberglauben und Unglauben." Die Lheilnahme auch der unverheirathetey Frauen am Gottesdienste, womit der Hamburger Tempel gleichfalls den Anfang machte, gebührendermaßen erwähnend, fährt der Redner fort: „Und welcher Segen ist durch diese gottesdienstliche Anstalt unfern geliebten Schwestern geworden? Gibt cs noch Ein Gotteshaus in Israel, das für die edelsten und heiligsten Angelegenheiten unserer Frauen und Jungfrauen so angclegent- Uch Sorge trägt, wie dieses Gottgeweihete Haus? Bis wir diesen Tempel ins Leben gerufen, sagt, geliebte Schwestern! war euch da die Religion Israels mehr „als ein verschlossener Garten, als ein versiegelter Quell?" Dieses Gotteshaus hat euch in eure Würde wieder eingesetzt, denn auf Frömmigkeit beruhet die Frauenwürde! Eure Frömmigkeit befestigt unsre Häuser, beseligt unsre Familien und wird auch uns, wie cs einstens geschah, von mancherlei Knechtschaft und Sklaverei befreien! *) — " Im dritten Theile wendet sich der Verfasser an die inzwischen zur ewigen Ruhe eingegangencn Gründer und Stifter des Tempels und weihet ihnen eine Thräne dankbarer Erinnerung. Aber bald erhebt er sich wieder und ruft begeistert aus: „Doch keine Trauer an dem Tage der Freude! Nicht nur der Pilger, die uns verlassen — der Wanderer gedenkt auch derer, die ihm geblieben, die noch mit,ihm gehen und wirken, mit denen er freudigen Herzens ruft und rufen kann: Ich lebe und erzähle, was mein Gott an thau! indem er auf das Ziel achtet, dem er entgegen pilgert. —" „Es steht dieses Haus da als ein Wunderzeichen ocr Völker — C2^5 — denn unter den bedenklichsten Umständen ist es ins Dasein getreten, hat allen Angriffen von Innen und Außen getrotzt, hat vielfachen Segen verbreitet für uns, für Andre — für die Mitwelt, für die Nachwelt. — Geliebte, ehrbare, bedeutsame Mitwanderer und Mitarbeiter haben uns verlassen.-Und doch, und doch, meine Theuern! ist des Hauses Herrlichkeit gewachsen und belohnt die Mühen aller derer, die mit dessen Pflege und Wartung beschäftigt sind. — Seilte das nicht die größte Aufforderung und Aufmunterung sein für alle Wanderer, für alle und für jeden *j Unsre Alten sagen: riTCH HVjplH CHM NM insbesondere, immer vorwärts zu schreiten auf der eingeschlagenen Lebensbahn und nie und nimmer zu ermüden, selbst wenn sich auch ferner unserer Wanderschaft Hindernisse entgegestellten?— Sagt, hätten wir allein einen solchen Weg zurücklegen können, einen Zeitraum von solcher Ausdehnung durchwandern können, wenn Gott nicht mit uns gegangen wäre — wenn Gott uns nicht bis hierher gebracht, bis hierher geholfen hätte? — Und dieser Gott bleibt uns — verläßt uns nicht! Darum fassen wir heute am Ende der alten, am Anfänge der neuen Bahn den heiligen Entschluß, nicht zu weichen und nicht zu wanken von dem Wege, den wir eingeschlagen. — Das Haus, daS wir erbauet, soll Licht und Wahrheit verbreiten!! Das Haus, das wir erbauet, soll uns und unsre Kinder von innererer und äußerer Knechtschaft befreien — zur innern und äußeren Freiheit uns verhelfen. Das Haus, das wir erbauten, soll ein Gotteshaus bleiben, Gottes Wort, GotteS Lehre soll hier gepredigt, verkündigt werden. — Eben so feind dem Aberglauben, wie dem Unglau b en, wollen wir zwar die Bestrebungen und die Fortschritte der Zeit nicht aus der Acht lassen — wollen aber der herrschenden Denkungart der Zeitgenossen, so sie zur Ir relig io sität, zum antiken oder modernen Heidenthum sich neigt, mit aller Kraft entgegen arbeiten, allen Neuerungen entgegen arbeiten, so dieselben nicht mit der Lehre zu vereinigen stehen, die uns Mose geboten zun, Erbe für die Versammlung Jacobs: die ächte Gotteslehre soll hier ihren Lehrstuhl; die ftomme Andacht soll hier ihren Altar; die wahre Menschenliebe soll hier ihr Herz und ihre Seele, der Glaube an Gott und Ewigkeit soll hier seine Nahrung, seine Stütze und sein Leben finden. — Das ist das Ziel, dem der Wanderer entgegen pilgern, einer wie Alle, Alle wie einer, und erst am Ziele können wir freudigen Herzens rufen: Wir haben nicht vergebens gelebt und von dem, was Gott an uns gethan, davon soll unser Leben Zeugniß ablegen!" (Schluß folgt.) Im Verlage von Maclot in Carlsruhe ist soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen in Hersfeld und Homberg durch F. Schuster zu beziehen: Die Juden und die Hoffnung ihrer baldigen Wiederherstellung vermittelst des Evangeliums. Ei« Vortrag, gehalten am 12. März 1843 im Museum zu Gcin. von Gausfen, Geistlichem daselbst. Aus dem 'Französischen. Preis broch. 15 kr. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.