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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-02-25 · Heft 8 (25.2.1844) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 8 (25.2.1844)
Date
1844-02-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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64 78 Erzählungen, welche auf die Eigenschaften Gottes und die Pflichtenlehre angcwendet und in ungemein anziehender Sprache vorzctragen sind. Wir fügen nur noch den Wunsch hinzu, möge der Herr Verfasser durch eine gute Ausnahme und den raschen Absatz seiner Schrift aufgemuntert werden, uns recht bald wieder mit einem gediegenen Werke zu erfreuen. A. A. (4) Festpredigten zur 25jährigen Jubelfeier des neuen israelitischen Tempelvereins am 17. u. 18. Octbr. 1843 von Di-. N. Frankfurter und G. Salarnon. Zweite Auflage. Hamburg 1843. Verlag von Moritz Geber. Um so freudiger widmen wir vorstehenden Predigten eine kurze Betrachtung in diesen Blättern, als der Gegenstand, welchem sic gelten, in so inniger Beziehung mit der Tendenz derselben sieht, als der Tempel in Hamburg, (wie der aus ihm hervorgegangenc deutsch - israclirischc Gottesdienst in den beiden Leipziger Messen), mit Recht als der concrcte -) Miitelpunlr des religiösen Fortschrittes in Israel betrachtet werden kann. Was nämlich das erwachte bessere Bewußtsein in der deutschen Judenhcit vor einem Vierte! Fahrhundert dringend begehrte, die reinere Verkündigung der Goiteslehre, die edlere Gestaltung des Gottesdienstes, dem hat der? Tempel in Hamburg (nachdem leider! durch das Einschreiten! der Staatsgewalt der in Berlin und Breslau wieder geschlossen ' worden war), Gestalt und Ausdruck gegeben. Mir hoher sittli-! cher Begeisterung und im Geiste achter Religiosität, wie sie j wieder von den denkenden Genossen der damaligen Zeit erkannt, * empfunden ward, trugen seine beiden Prediger das Wort Gottes! vor, und sic trugen rS vor in der Sprache, welche die als Tcu:- schc sich fühlende Israeliten nunmehr auch als die ihr>> j hen, als die ihrige bei dein erhabensten Unterrichrc w: ■ gc-; braucht haben, in der deutschen Mute er spräche. L>. aber die Prediger lehrten, waS den Kern und Mittelpunkt ihrer Ueberzcugung, wie der aller erleuchteten Sohne der Zeit bildete: daß nicht in der Uebung einer bestimmten Anzahl Zeremonien, sondern in der -sittlichen Anbetung Gotte», und seiner Verehrung im Geifie und in der Wahrheit das Wesen der israclilischrn Religion bestehe, das ward zugleich Thar und Leben, das erhielt seine Versichtbarnng und Verwirklici'ung bei tcrjenigcu Anstalt, die so ganz den Spiegel unserer religiösen Anschauung bildet, in welchem unser ganzes höheres Lein und Denken und Fühlen sich kund ziebt, beim Gebete und Gottesdienste. Eine Anzahl derjenigen Gebetstücke und Zeremonien die dem Fortgeschrittenen Bewußtsein nicht > mehr entsprachen, und die überdies dem Gottesdienste seine so j nöthr'gc Würde und Einfachheit (gleichfalls das Bild allerwahren, aller silkli'ch-großen Frömmigkeit) raubten, verschwand und die deutsche Sprache, die vaterländische, und darum hei- *) So nennt ihn M. Fraenkel in seiner Einleitung zu den Gutachten über das Gebetbuch des TempelvercinS. lige für deutsche Israeliten, für selbstbewußte Mitglieder deS deutschen Volkes ward theilweise Sprache des Gebetes, und vorzüglich die des Gesanges. Ja letzterer emporgetragen, gehoben durch die lieblichen in das tiefste Innere dringenden Töne der Orgel, war so ganz geeignet, den Zeitgenossen das zu veranschaulichen, waS der religiösen Aufklärung, soll sie eine wahrhafte, beglückende, segensreiche sein, nie fehlen darf, die demuthsvolle Beugung unter dem göttlichen Willen, die kindlich-gläubige Erhebung zu sehen, die treue Hingebung in seine Gnade und Liebe. So war denn, der Tempel in Hamburg allerdings der roncrete Mittelpunkt, der Ausdruck und so zu sagen die lebendige Anschauung der damaligen höheren Richtung der Zeit, und wirkte als solche wieder auf sie ein, hob und steigerte sie, zumal für das ganze deutsche Israel dadurch, daß er in Leipzig eine Anstalt hcrvorrief, an welcher auö den verschiedensten Ländern alle diejenigen Thcil nahmen, denen ein edler und würdiger Gottesdienst, die unmittelbare Folge einer erleuchteten Religiosität, selbst Brdürsniß geworden. Und ist auch nicht zu verkennen, daß an den gottesdienstlichen Verbesserungen, wie sie nun seit mehr als einem Jahrzehnt in so vielen Gemeinden des deutschen Vaterlandes cingeführt worden, die fortgeschrittene Bildung der Zeit und insonderS die i Bestrebungen erleuchteter Volks- und Jugendlehrer einen wesentli- ' chcn Antheil halte, so. ist es ans der anderen Seite nicht minder gewiß. daß diese Verbesserungen nicht so allgemein geworden waren, auch nicht eine solche Höhe erreicht haben würden, hätten die Gemeinden und ihre Führer an dem Gottesdienst des Hamburger und rcsp. Leipziger Tempels nicht schon ein coukrctes Vorbild für ihre Bedürfnisse und Bestrebungen gehabt. Darum muß Alles das, was den Tempel bcrrifft, das ganze höhcrstrcbcnde Israel intcressircn, darum war seine fünfundzwanzigjahrigc Jubelfeier ciuc Siegesfeier der heiligen Sache des religiösen Fortschrittes für die ganze deutsche Judenheil, und darum muß cs jedem von hohem Jurerege sein, aus dem Munde derer, die vom Anfänge an jener Anstalt als Lehrer und Prediger augehörten, die gleichsam nur in ihr lebten, nur für sie dachten und strebten, die Geschichte derselben, wie sie ward und waS sic geworden und geleistet für ihre Gemeinde, wie für das ganze Israel, zu vernehmen: dieses kann uns nur freilich die zweite der vorstehenden Festpredigtrn, die des Dr. Salomon bieten, wcßhalb wir auch ausschließlich bei ihr verweilen; doch eins Stelle aus der Predigt des Dr. Frankfurter können wir deßhalb unsern Leser:: nicht vorenthaltcn, weil sie das Anerkenntniß eines Mannes enthält, dessen Scheidung von der Anstalt um so mehr zu beklagen ist, als er ihr mit seinem tiefsten Innern angchönc, als in ihm noch jetzt die Gluth der Begeisterung für die Sache des religiösen Fortschrittes lebt, welche die damaligen Mitglieder der Anstalt durchdrang, und deren Abnahme, ja vielleicht Abirrung von dem ursprünglich so erhabenen Ziele einen großen Antheck an dem Nückrritie des hoch gestierten Lehrers haben mochte. Zu Dr. Kttp sich wendend, sagt nämlich der Redner tressend und wahr: «Auch Lic, mein verehrter Vorgänger im Amte, sink nicht und werden nie zu trennen sein von dieses Hauses Glanz, drß Name uns und viele folgende Geschlechter überdauern und auch Ihren Namen von Geschlecht zu Geschlecht tragen wird; auch Sie, in dem wir nicht blos den treu bewährten, sondern den ersten Lehrer und Gründer dieses Hauses verehren; auch Sie, denn wenn Sie auch nicht mehr an dem Altäre stehen, von welchem aus Sie den Dienst des Herrn besorgten: so denke ich doch des Gelöbnisses in Ihrem «Abschiedsworte", daß Sie mit uns und mit diesem Hause verbunden bleiben wollen und werden, bis der letzte Hauch entflieht." (Fortsetzung folgt.) Druck und Verlag von F. Schuster in, Hersfeld.

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