Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1844)
- Date
- 1844-02-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Zfraelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntnrts und Reform des Ändenthums. Redigirt und heransgegeben von I-L. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen zu Stadt-Lengsfeld bei Eisenach. 8. Sonntag, -err 25 Februar 1844. V. Jithttgaitg. UeberbtiE. Die religiösen Verhältnisse der Juden in Kurhessen und die Besetzung der Landrabinnen-Stelle. — Geschichte -eS Tages: Frankfurt a. M. Stcin'a Ablehnung der R.'.bbiucn- Stelle. Soest. Anonymes schreiben an Hellwitz. Berlin. Das Judcngesctz. Unterfranken. Gewissensfreiheit-, Einführung der Proclamation bei jüdischen Ehen. Hildburghau sen. Ueder den Eid der Juden. Hannover. Natlonalverein für Einaneipation der Juden. London. Eine neue Ausgabe deS Chisuk Emunah. Acre. Die verweigerte Abgabe der Thephilin. Verlauf von Brod an die Missionäre. Rußland u. Polen. Tic Auswanderung der Juden. Jassy. Das geraubte Judeukind. — Literatur. Die religiösen Berhältniffe in Kurtzefsen und die Besetzung -er lLan-rabbinen-SteNe. (Eingesendet.) Die religiösen Zustande der hiesigen Eynagogengemeiude, als der Hauptgemeinde desjenigen Landes, in welchem die Israeliten allen übrigen Confefsionen rechtlich vollkommen gleichgestellt sind, dürften um so mehr für alle Israeliten Deutschlands der Beachtung werft) sein, als man bei der in politischer Beziehung begünstigten Stellung derselben auch größere Ansprüche in Rücksicht aus deren sittlich-religiöse Entwickelung an sie zu stellen berechtigt zu sein scheint. Man wird im Allgemeinen iv.it um so größerem Interesse die religiös-sittlichen Verhältnisse der kmhessischen Israeliten ins Auge fassen, als voraussichtlich über kurz oder lang von der einen oder andern Seite gerade auf diese letztern hingewresen werden wird, um zu zeigen, welche Früchte die Emancipation getragen hat. Darum dürfte cs den Lesern dieses Blattes nicht unwillkommen sein, wenn wir ihnen über die fraglichen Verhältnisse und Zustände einige Mittheilungen machen. Es sind jetzt über zehn Jahre verflossen, seitdem die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten Kurhessens gesetzlich ausgesprochen worden ist. Was ist für innere Einaneipation der Israeliten, für die Verbesserung der religiösen und sittlichen Zustande derselben wahrend diesiS Decenniums geschehen? Diese Frage wird sich bei dieser Gelegenheit einem Jeden ausdringen, der nicht jener oberflächlichen Ansicht huldigt, als sei mit der äußern Emancipation Alles geschehen und der Messias für Israel gekommen. Die Emancipation soll nicht, wie deren Gegner hin und wieder behauptet haben, den Israeliten ein bloßes Mittel sein zur Erlangung äußerer Ehre und äußerer Vortbeile; nein, das Gefühl der sittlichen Menschenwürde soll dadurch in ihn.n gehoben, und der Sinn für Bürgerthum geweckt und genährt werden. Sie sollen innerlich als achte Sraatsbürger sich fühlen l-rnen. und äußerlich dieses Gefühl dadurch bethatigen, daß sie Eingreifen in die mannigfachen Verhältnisse des bürgen lichen Lebens und nicht dem das achte Staatsbürgerthum ausschließenden Grundsätze huldigen, als genüge es zu dem Ende schon, wenn der Bürger feine Steuern und Abgaben zahlt und der Militärpflicht sich unterzieht. Soll die Emancipation zu einer reellen Wahrheit werden, so müssen Religion und Bürgerthum sich gegensei-