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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-02-11 · Heft 6 (11.2.1844) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 6 (11.2.1844)
Date
1844-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eia- Wochenschrift für die RennLnils und Reform des Zudenthums. Rcdigirt und heransgegrben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabhinen zu Stadt-Lengsfeld bei Eisenach. Rr. S. Sonntag, den II. Februar. 1844. V. Jahrgang. Wir sehen uns veranlaßt zu erklären, daß die in dem zweiten Rundschreiben des Frankfurter Reform-Vereins (Nr. 2 dieser Blätter) versprochenen Beilagen zur Besprechung der Vereinsangelegenheit auf einem Mißverständniß beruhe, vielmehr zur umfassenden und allseitigen Besprechung der fraglichen Sache, wie überhaupt aller dem religiösen Fortschritte gewidmeten Bestrebungen, es sorgezogen worden ist, dieser Wochenschrift eine doppelte Ausdehnung zu geben. Die Redaction. Uebev den Frankfurter Reform-Verein in öezirhuug auk des Herrn Kabbiurn Stein Angriffe gegen denselben im Orient. (Aus Frankfurt a. M. eingesendet.) (Schluß von Nr. 5.) Seitdem ist nun allerdings in dem Nabbinenwesen eine heilsame Veränderung eingetreten. Die unwissenden starrgläubigen Rabbinen sind in einem großen Theile von Deutschland verschwunden und an ihre Stelle sind wissenschaftlich gebildete Männer getreten, von denen viele die Notwendigkeit einer Reform erkennen und denen der Wille dazu mitzuwirken nicht abzusprechen ist. Die erste Verbesserung des Gottesdienstes, der Tempel zu Hamburg, ist indessen von Laien ausgegangen; — in Berlin und andern Gemeinden jedoch durch die rabbinische Parthei mit Hülfe der Regierung verhindert worden. Seitdem ist jedoch in vielen Gemeinden, und selbst in Preußen die deutsche Predigt, wenn auch nicht regelmäßig, zu dem herkömmlichen Gottesdienste, hie und da auch mit Choralgesang hinzugetreten; das ist allerdings eine Verbesserung; abrr eine Reform ist damit noch keinesweges eingetreten. Was vor allem Not thut ist die Ausgleichung der L e h r e mit dem L e b e n, daß dieses nicht mehr in einem totalen Widerspruche mit jener stehe, oder sich in einem solchen beständig kund giebt. Wir begreifen nicht, wie Herr Stein behaupten konnte: bei vielen Tausenden von Christen sei Lehre und Leben ebenfalls in Widerspruch gerathen? Hier bestehr ja die Verschiedenheit der Ansichten nur in theoretischen Momenten und ist ohne allen Einfluß auf das tägliche Leben. Worin unterscheidet sich denn im Leben der Drthodore, der Supernaturalist von dem Heterodoxen und Rationalisten? Der Trinitarier lebt nicht anders, als der Unitanier, der Buchstabengläubige nicht anders als der Denkgläubige. Wie ganz anders verhalt es sich im Judenthum. Hier begeht der freisinnige Jsiaelit in den Augen des Altgläubigen täglich, ja stündlich verdammungswürdige Sünden und nun gar an Sabbat- und Festtagen, an Ostern! Können, in der gegenwärtigen Verfassung des Judenthums, diejenigen, deren Leben in den Augen des Altgläubigen ein fortwährendes Sündigen, ein beständiges U eb er treten der göttlichen Gebote ist, mit denselben als eines und desselben Glaubens Angehörige betrachten? Müssen sie sich nicht den Denkgläubigen ande-

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