Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1843)
- Date
- 1843-12-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2566856-2566908--0778-2568484- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 *t!tc zweckmäßige Umarbeitung erlitten haben. Der Verein beacht a«S Commis und Handelsherren, jene bilden die ordentlichen, diese die außerordentlichen Mitglieder. Der Zweck des Vereins ist ein dreifacher: 1) dir kaufmännische Ausbildung der Commis «nd Lehrlinge in den Abendstunden von 8 — 40; zum Be Hufe vtssen Wird vom Verein für dazu passende Localität, Licht, Heizung rc. gesorgt, und werden Lehrer besoldet. Die Unterrichtsgegenstände für die Commis bestehen in der Buchhaltung, in der engl, und stanz. Sprache und die der Lehrlinge in zwei Abtheilungen, in deutschen Stplübungen und Grammatik, Geographie, Waarenkunde, Rechnen und Schönschreiben. 2) Den Mitgliedern des Vereins in ihrem ferneren Fortkommen behilflich zu sein und endlich 3) die ««verschuldet in Noch gerathenden Mitgliedern pecuniär zu unterstützen. Wir möchten hinzusetzen: 4) den jungen Leuten die so gefährlichen müßigen Abendstunden zu nehmen, und ihnen das Bedürfniß fühlbar zu machen, wie viel sie noch zu lernen haben, ein Bewußtsein, das leider bei Vielen nicht in gehörigem Maaße gefunden wird und manchen Uebels Wurzel ist. So viel Lobenswertheö aber auch das Institut für die Tüchtigmachung der Mitglieder in ihrem bürgerlichem Berufe und somit indirect auch für »en erste» Beruf, für den als Menschen leistet, so vermissen mir doch allzusehr das humane Element in den Gegenständen des Unterrichtes. Was geleistet wird, erscheint uns mehr rin Abrichten als ein Unterrichten. Doch scheint das mehr an uus noch unbekannten Umständen, als an einem Mangel höhern Strcbens OeS Instituts zu liegen. Die Aufführung der vr. vr. Geiger «nd W. Freund als Ehrenmitglieder, wahrscheinlich als ein Ausdruck der Dankbarkeit und Anerkennung, für eine Reihe von ihnen gehaltener, gediegener Vorlesungen über allgemeine und .jüdische Geschichte, zeigt, daß die Herrn wol wissen, daß sie noch -eine höhere Aufgabe haben, als zu rechnen und englische und deutsche Briefe zu schreiben. Die Himmelsleiter des Patriarchen. *) (S. 1. B. Mos., Kap. 28.) Fort, zu suchen neue Hcimath, Eilt der Mutter liebster Sohn. Von dem Land, das ihn geboren Grüßt der letzte Berg ihn schon. Neue Thale, neue Fluren, Schau» so fremd entgegen ihm; Soll er hier die Hütte bauen, Heimwärts oder weiter zieh»? — Nur sein Gott kann es ergründen, Er allein den Schleier hebt. Wo die Heimath ist zu finden, Wo sein Himmelssegcn weht. Gott um ihn, in seiner Seele Sinkt er nieder voll Vcrtrau'n! i *) Dieses Gedicht hat eine christliche Dame zur Verfasserin. Die Redaction. Und auf einmal feine Engel Eine Himmelsleiter bau'n. Leiten seine trunk'nen Blicke Auf zu freien Gottrshvh'n, Wo dem heil'grn Gottesworte Alle Zweifel nun vergehn. Still anbetend sinkt er nieder Und umarmt sein neues Land, Küßt vertrauend nun die Stätte Wo sein Gott so nah ihm stand. Schönes Bild aus fernen Zeiten Die da ewig uns entfloh'n. Unsre Knechtschaft, unsre Leiden Der Verheißung sprechen Hohn. Engel steigen nicht mehr nieder, Zeigend uns das Heimathsland; In der Irre um wir ziehen Und zerrissen ist das Band! — Trauernde — glaubts. Eure Klagen Hört wie sonst der Weltengeist. Engel eine Leiter bauen, Wo das Land Er Euch verheißt. Nicht im Traum — dem wachen Leben Jetzt ein Gott sich offenbart. Auf, erhebet Eure Blicke! Die Ihr kaum noch muthloS war't, Seht Ihr nicht den Engel stehen, Mit der Leuchte in der Hand; Wahrheit, Euch den Weg zu zeigen Jn's ersehnte Heimathland? — Seht Ihr nicht die Friedenspalmr, Die ein and'rer Engel hält; Liebe — die da soll umschlingen Euch in einer neuen Welt?! — Seht Ihr nicht den dritten Engel, -Der die Ketten kühn zerbricht Alten Wahn's, der Euch entfernt Von dem ew'gen Gotteslicht? Auf! hebt den» auf ihren Schwingen Euren Geist zu Gott hinan. Der da zeigt in ew'gen Worten Eures Lebens Segensbahn, Und versteht der Gottes Stimme, Der Euch giebt ein neues Land,. Und in Wahrheit, Liebe, Freiheit, Knüpfen will ein Lebensband; Glaubts, die Heimath ist nicht ferne, Wenn der Gott in Euch sie zeigt, Vor der Freiheit in dem Geiste, Auch die and're Knechtschaft weicht. Druck und Verlag von F.-Schuster in Hersfeld.