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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-12-03 · Heft 49 (3.12.1843) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 49 (3.12.1843)
Date
1843-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Zsraelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Wermarschem Land-Ravdinen zu Sradt-LengSscld bei Eisenach. 9k^. 49. Sonntag, de« 3. Deeeurber 1843. IV. Jahrgang. Deo Frankfurter Reformverein. Zweiter Artikel. Die Einwürfe gegen denselben. (Fortsetzung vou Nr. 48.) Ein anderer Einwurf, der gegen die drei Artikel des Frankfurter Reform - Vereins erhoben wird, ist ihre Unbestimmtheit. Wie dieselben, sagt man, gefaßt sind, kann ja der Altwie der Ncuglaubige, der Orthodoxe, wie der Rationell-Gesinnte, der Anhänger des Talmuds, wie der Gegner desselben, sie unterschreiben. Eine Fortbildung der mosaischen Religion kann auch der strikte Anhänger des Rabbinismus nicht läugnen, da ja derselbe, wie bekannt, fort und fort an der Reformation des mosaischen Gesetzes gearbeitet, je nach dem Bedürfniß der Zeit modificirt, Neues hinzugefügt, oder Gestehendes — (wie z. B. die Bruderehe, die Polygamie) aufgehoben hat. Eine Autorität ist ferner der Talmud seinem ganzen Inhalte nach auch dem Orthodoxen nicht, da er selbst sich nicht dafür ausgibt, da er selbst nicht alle seine Institutionen für göttliche Tradition erklärt, sondern gar Manches als Erforderniß seiner Zeit, als menschliche Einsetzung hinstellte, die eine spätere geistliche Behörde (j'15??) wieder außer Gültigkeit setzen dürfe, und daß endlich auch nach orthodoxem Begriffe in dem Glauben an eine Erlösung nicht nothwendig die Erwartung eines Messias, der die Israeliten nach Palästina zurückführe, enthalten sei, haben schon die ältesten Lehrer der Synagoge dargelhan. Wie kann man demnach bei einer Reform Artikel aufstellen, zu welchen der Anhänger der altern, wie der der neuern Ansicht sich bekennen, die jeder in enger oder weiterer Bedeutung theilen, je nach seinem Sinne auffassen und unterzeichnen kann? Ist das nicht eine Zweideutigkeit, die das Werk von vorn herein zerstört? So gerecht dieser Vorwurf auch scheint, so ist er es doch bei näherer Betrachtung nicht. Auch kommt ihm das Programm selbst entgegen, indem es sagt: „Wir können und mögen keine Dogmen aufstellen. Unsere Erklärung laßt die inneren positiven Grundlehren des Glaubens, sowie das Verhältniß, das jeder je nach seinem geistlichen und gcmüthllchen Bedürfniß zur Religion hat, vollkommen unberührt, und kann daher keineswegs den Zweck haben, eine besondere religiöse Gemeinschaft zu begründen, oder die alte zu erschüttern." Wie kann dieses auch anders sein? Wie können die Reform-Freunde in Frankfurt a. M., die nicht einmal Theologen sind, auch nur daran denken, eine sogenannte reformirte Lehre zu verkünden, ein neues Judenthu» aufzustellen, da es in Wahrheit kein solches giebt, da das, zu dem sie, zu dem wir uns alle bekennen, das wir allen unseren Mitbrüdern ins Herz pflanzen möchten, bei allen zu einer unerschütterlichen, lebendigen Ueberzcugung erbeben möchten, nichts anders ist, als die alte, uralte Lehre, als der vom sittlichen Geiste erfüllte Gottesglaube, als der reine, wahre, auf den Säulen wahrer Humanität ruhende Mosaismus, wie er schon in den Erzvätern lebte, wie er in den Propheten glühte, wie er in den erleuchteten Lehren des Talmuds sich ausgesprochen, wie er, wenn auch verhüllt durch die

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