Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1843)
- Date
- 1843-11-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ein- Wochenschrift für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. HerauSgcgeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Wcimarschem Laud-Rabbinen zu Stadt-Lrngsscld bei Eisenach. Rr. 48. Sonntag, de»»«. November 1843. IV. Jahrgang. Der Frankfurter Meformverein. Zweiter Artikel. Die Einwürfe gegen denselben. Nachdem wir in unserem ersten Artikel die Einsicht in die rechte Stellung der obigen Angelegenheit zu vermitteln gesucht, gehen wir nun daran, die Einwürfe, welche von so manchen Seiten gegen dieselben gemacht werden, zu beleuchten, resp. die Nichtigkeit derselben darzuthun. *) Erstens sagt man, die drei Artikel in der Erklärung bieten viel zu wenig; es werde daraus noch gar nicht klar, was von der Masse der überkommenen Vorschriften noch heutzutage von den Israeliten zu beachten wäre und was nicht, welches den wahren Inhalt seiner Lehre und seines Lebens bilde und welches nichr? Diese Bemerkung übersieht aber ganz und gar, daß man erst das Fundament eines Gebäudes aufrichren *) Wir wollen jedoch damit keineswegs zugeben, daß Alles was und wie cs der Reform-Verein gcthan, unsere Billigung hat; vielmehr hat unS so Manches in dem Programm z. B. fern etwas zu ruhiger Ton, seine Hinneigung zu der gewöhnlichen, die Heiligkeit der Geschichte verkennenden rationalistischen j Auffassung, inglcichen seine, wie eS scheint, nicht hinlängliche Würdigung deS Princips der lebendigen Fortbildung bei heu Lehrern der Vorzeit nicht angesprochcn. Allein cs sind das, wie unsere Leser selbst fühlen werden, mehr Mängel in der Auffassung und Formulirung der Sache, die dem Wesen derselben durchaus keinen Eintrag thun und deren Besprechung darum auch einer spätem Zeit Vorbehalten bleiben mag. müsse, und nachher dieses selbst. Haben die Reformfreunde in Frankfurt a. M. jetzt schon einen ganz neuen Codex schreiben und ihn unter ihre Glaubensbrüder herumsenden sollen? Bedarf es dazu nicht einer langen Zeit und einer Vereinigung von vielen und tüchtigen Kräften? Nein, was jetzt geschehen konnte, ist nichts Weiteres als eine Vereinigung rrber die Grundzüge, über die Pfeiler auf denen das aufzuführende Gebäude ruhen soll, und das ist geschehen; das haben die drei Punkte in der „Erklärung" zur Genüge bewirkt. „Nein, entgegnet man weiter, diese Punkte enthalten ja nur Negatives: daß die mosaische Ncligion nicht als abgeschlossen zu betrachten sei. Laß der Talmud keine Autorität habe, daß wir nickt einen politischen Messias zu erwarten haben; wir erfahren aus ihnen nur, was wir nicht zu glauben, nicht zu beobachten brauchen. keineswegs aber, was ja zu glauben, ja als ein Heiliges und Verbindendes anzuschen wäre." Diese Entgegnung geht von der gewöhnlichen, aber darum keineswegs wahren Auffassung des Positiven und Negativen aus. Man irrt nämlich sehr, wenn man diese Begriffe für schlechthin absolut nimmt, sie sind sich nur relariv, nur beziehungsweise entgegengesetzt. So z. B. kann in Wahrheit der streng Monarchisch-Gesinnte nichr von dem Constilutionell-Gläubigen sagen, er sei negativ, weil er nichr au dir Wahrheit der reinen Monarchie, an die Garantie, welche sie den Völkern gewährt, glaubt; denn mir demselben Rechte kann der Constitutionelle den reinen Monarchisten negativ nennen, weil er nicht an die Mündigkeit der Staatsbürger, an die Wahrheit des Seibstbewußrseins, an dir Gewährleistung,