Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1843)
- Date
- 1843-11-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Zsraelit der neunzehnten Jahrhunderts. Eilt- Wochenschrift für die Kennmiß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Großhcr;ogl. W«marschem Vans-RavUnen zu Sravt-LengSfcld bei Eisenach. Rp. 4?. Sonntag, den 19, November 1843. IV. Jahrgang. Der Frankfurter Reformverein. Erster Artikel. Die. rechte Stellung der Sache. (Schluß a>on Nr. 46.) Ist nun auch die Ursache dieser betrübenden Erscheinung theilweise darin zu suchen, daß auch die jetzige Generation, weil der religiöse Unterricht in den Schulen sich bisher noch immer aus Rücksicht auf die Ansprüche der hyperorthodoxen Eltern zu viel der altern Anschauung anschließen mußte, noch nicht zur reinen, klaren, lichtvollen Auffassung des Judenthums gekommen, daher die Andeutungen und Aussprüche ihrer erleuchteten Rabbinen thcils nicht genugsam versteht, theils, da bei dem Mangel an einer tüchtigen Gesinnung ihnen das Interesse dafür abgeht, sich gar nicht einmal bekannt mit den Schriften derselben macht, und daß hinwiederum die Rabbinen wegen der noch vorherrschenden Hyperortbodoxie und dem Schwanken der Aufgeklärten selbst;u einer gewissen Vorsicht, wenigstens in der Form der Darstellung genöthigt sind, und darum auf die bessern Ideen oft mehr anspkelen und hindcuten, als sie mit Entschiedenheit und Bestimmtheit aussprechen können; so ist damit doch die Sache noch nicht erklärt, indem man sich sagen muß, daß trotz dieser Hindernisse die religiöse Aufklärung, an welcher man schon mehr als ein halbes Jahrhundert arbeitet, weiter gediehen sein müßte, wenn nicht noch jetzt die eigenthümliche Weise, in welcher sie entstand: die mangelnde Vorbereitung im Innern, als das äußere Leben bereits die Beobachtung vieler Ritualgefetze erschwert, ja unmöglich gemacht hatte, in hohem Grade nachwirkre. Darin ist der vorzüglichste Grund der Halbheit, der Unsicherheit, der Gesinnungslosigkeit unserer Aufgeklärten zu suchen, deren nachtheilige Einwirkung, wenn es sich um Verbesserung unserer Zustande durch Anstellung tüchtiger Volks- und Jugendlehrer, durch Einführung aufgeklärter Schulschriften, durch Veredlung des gottesdienstlichen Rituals handelt, wir an einem andern Orte *) gezeigt, die uns jetzt aber wegen ihrer eignen Zerrissenheit, wegen ihrer wahrhaften Unnatur mit Mißbehagen erfüllt. Denn was ist unbehaglicher und unerquicklicher, als eine Aufklärung die es sich selbst nicht gesteht, welcher der Ernst, der Muth einer Urberzeugung fehlt, deren Jünger aus äußerer Nöthigung sich gewöhnt haben eine Masse von Satzungen täglich und stündlich zu übertreten, aber im Innern sich doch keine wahre Rechenschaft darüber geben können, ja vielleicht die Uebertretung so oft und wiederholt bereuen, als sie wiederholt zu derselben genöthigt werden. In einer nicht minder unbehaglichen, weil unwahren Stellung müssen sich unsere wirklich Aufgeklärten, die durch Wissenschaft oder eigenes Nachdenken es zu einer Selbstständigkeit der Ueberzeugung gebracht, befinden. Sie haben und müssen das hohe und heilige Bedürfniß haben, ihre eigene höhere Ueberzeugung klar und bestimmt in den Bekenntnißschriften ihres Glaubens ausgesprochen zu finden. Das ist aber leider nicht der Fall! *) Siehe Nr. 13 dieser Blätter.