Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1843)
- Date
- 1843-10-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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B8S fortwährend als die unferige gilt und in unserer Religiousübung vorzugsweise vertreten wird; theils durch Rabbinen vom alten Schlage, die jeder geläuterten Bildung entbehren, theils durch solche, die ihre Intelligenz nur anwenden möchten, um der Leiche des Talmudismus ein Scheinleben einzuhauchen. Diejenigen Theologen aber, welche ernstlich geneigt sind, mit der fortgeschrittrueu Bildung und Einsicht gleichen Schritt zu halten, haben noch nicht jene Stellung, die nur der ausgesprochene Wille einer großen Anzahl von Israeliten ihnen begründen kann. Diesem verderblichen Scheinwesen ein Ende zu machen, einem jeden Elemente im Judenthum die gehörige Stellung anzuweisen, der Wahrheit die Ehre zu geben, ist unser Bestreben und unsere Absicht. Zn der beiliegenden Darstellung erhalten Sie demnach den «ngebeuchelten und rückhaltlosen Gesinnungsausdruck der Unterzeichneten, und mögen demzufolge ein Unternehmen würdigen, dem man nun schon seit Monaten theils durch unberufene oder lügenhafte Zeitungsartikel, theils gar durch unerlaubte und perfider Weise verdrehte Mitthrilungen von Privatansichten entgegenzuwirken sucht. Wir erkennen unsere Aufgabe nicht im Einreißen des Gebäudes, sondern im Wegräumen des Schuttes; wir wollen am Kern entschieden festhalten, aber denselben durch geläuterte Formen zu schützen streben. Dieses Werk kann aber niemals von einzelnen Gelehrten oder Laien, seien dieselben auch noch so aufrichtig und wahrheitsliebend, durchgeführt werden. Alle diejenigen, die nicht einem Messias entgegenharrcn, der sie nach dem Lande Palästina zurückführe; Alle, die den konfusen und oft sinnwidrigen rabbinischen Deutungen und Satzungen keine Autorität und Verbindlichkeit zuerkcnnrn; Alle, die eine Glaubensform erstreben, deren belebendes Princip der reine Mosaiömus sei: Alle diese werden aufgefordert, unsere Erklärung zu unterzeichnen, sie von Gleichgesinnten im Umkreis ihrer Wirksamkeit unterzeichnen zu lassen und sie uns demnächst wieder einzusenden, auch etwaige Vorschläge zur Förderung der jüdischen Neform an uns richten zu wollen. Proselyten zu machen suchen wir nicht, natürlich nicht bei andern Konfessionen, aber auch nicht bei unfern Glaubensgenossen; wir lassen einem Jeden ungestört seinen Standpunkt und seine Glaubensansicht. Nur die Gleichgesinnten mögen sich erkennen und zusammentretcn, um durch ihre Gemeinschaft eine Autorität zu begründen, welche nicht nur an sich schon hinreicht, dem Talmudismus das vage Recht.des allgemeinen Gebrauchs förmlich zu entziehen, sondern welche die Wirkung haben muß, daß auch unsere Glaubensansicht nicht länger verketzert und mit heterogenen Elementen vermischt, sondern nach innen.und außen in ihrer Wahrheit und vollen Reinheit vertreten werde. So begreifen wir die Reform des Iudenthums, welche dem Begriffe nach schon längst erfolgt ist und bloß noch des ausgesprochenen Bekenntnisses bedarf, um die gebührende Anerkennung zu finden und wirksam zu werden. Wer dieses Sinnes ist, schließe sich uns an, und ein segensreicher Erfolg wird die gemeinschaftlichen Bemühungen krönen. Frankfurt am Main, im August 1843. Die jüdischen Neforurfrennde, und in deren Namen: D r. Goldschmidt. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.