Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1843)
- Date
- 1843-10-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von »r. M. Heß, Großhcrzogl. Wermars.1,em Land-Ravdinen zn StaSt-Lengsscld bei Eisenach. Rr. 43 Salouron Maimon über den Geist des Rabbinismus. *) (Aus seiner Lebensgeschichte.) Nach dem Verfalle des jüdischen Staates wurde Religion vom Staate (der nicht mehr existirte) getrennt. Die Vorsteher der Religion waren nicht mehr, wie bisher, darauf bedacht, die Religion in ihrer besondern Anwendung dem Staate gemäß einzurichten, sondern ihre Sorge ging blos darauf, die Religion, wovon die Existenz-er Nation nunmehr abhing, zu erhalten. Bewogen durch den Hag gegen diejenigen Nationen, die ihren Staat zernichtet hatten, und aus Vorsorge, daß nicht mit dem Verfall ihres Staates auch ihre Religion in Verfall gerathen möchte, geriethen sie auf folgende Mittel zur Erhaltung und Erweiterung ihrer Religion. 1) Das Vorgeben einer von Moses überlieferten Methode, die Gesetze zu erklären und auf besondere Falle anzuwenden. Diese Methode ist nicht diejenige, die die Vernunft befiehlt, die Gesetze ihrem Zwecke nach, der Zeit und den Umständen gemäß zu modisi'ciren. sondern diejenige, die auf gewissen Regeln in Ansehung des schriftlichen Ausdrucks beruht. 2) Die den neuen, durch diese Methode herausgegebrachten, Entscheidungen und Aussprüchen beigelegte ge¬ *) Wir glauben vielen unserer Leser einen Dienst zu erweisen, wenn wir sie mit den Aeußerungen eines der tiefsten Denker über einen Gegenstand, an welchem die jetzige Zeit ein so hohes Interesse nimmt, bekannt machen. Red. iv. Jahrzaxg. setzliche Kraft, wodurch sie mit den alten Gesetzen in gleichen Rang traten. Durch welche spitzfindige Dialektik dieses bis auf unsere Zeiten betrieben wird, und welche ungeheure Anzahl von Gesetzen, Gebräuchen und allerband unnützen Zeremonien dieses veranlaßt hat, kann man sich leicht vorstellen. Die Geschichte der jüdischen Nation kann, diesem zufolge, täglich in fünf Hauptepochen eingetheilt werden. Die erste Epoche enthalt die natürliche Religion, von den Zeiten der Patriarchen bis auf Moses, nach dem Ausgang von Egypten. Die zweite faßt die positive oder geoffenbarte Religion in sich, von Moses bis auf die Zeit des großen Conciliums (Keneseth Hagdola). Dieses Concilium muß man sich nicht als eine Versammlung von Theologen zu einer bestimmten Zeit vorstellen, sondern die Theologen einer ganzen Epoche seit der Zerstörung des ersten Tempels bis auf die Verfassung der Misna werden so genannt, wovon die ersten die kleinen Propheten (Hagi, Sachari, Malachi u. s. w., zu welchen noch bis auf 1A) alte gerechnet werden) und. der letzte, Simon der Fromme waren. Diese, sowie ihre Vorgänger seit Josuas Zeiten legten die mosaischen Gesetze zum Grund, und fügten, nach Zeit und Umständen, und der überlieferten Methode gemäß, noch neue Gesetze hinzu; jede Streitigkeit, die darüber entstand, wurde nach Mehrheit der Stimme entschieden. Die dritte Epoche geht von der Verfassung der Misna, von Rabbi Jehuda dem Heiligen, bis auf Verfassung des Talmuds von Rabine und Rabassi. Bis zu dieser Epoche wurde es für unerlaubt gebalten, die Gesetze schriftlich abzufassen, damit sie nicht solchen, die davon keinen Ge- Sonntag, -e« SS. Oktober 1843.