Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1843)
- Date
- 1843-10-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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106 denten des Consistoriums, vr. Ullmann verloren. Im 38. Lebensjahre, und im siebenten der Verwaltung seines Amtes, schied der tüchtige Mann — in der gelehrten Welt durch seine gelungene Uebersetzung des «Koran" bekannt — aus den Kreisen diesseitigen Lebens. Dem Leichenzugc schlossen sich, — den Todten und sich ehrend — die christliche Geistlichkeit und Bürgerschaft an. Liebes N. in Kh.l Mit Wohlgefallen folgen wir dem schönen religiösen Streben inmitten Deiner Gemeinde. Die Synagoge, die du mit großen Opfern neu aufgebaut, noch mehr aber die schöne Ordnung die Du darin eingeführt, und der bewundercuswerthe Tact mit dem Tu ohne Strafen und Gcwaltschritte diese bisher erhalten, sind unter andern von Deinem besseren Sinne die besten Zeugen. Um so auffallender und betrübender sind die Umstände bei einem sehr wichtigen Zweige deines Gemeindchaushaltcs. Wir meinen das Frauenbad. Noch immer sind die Frommen dieses Geschlechts gcnörhigt, in einem abscheulichen Keller, in schneidend kaltem Wasser ihrer Pflicht genüge zu thun. Die gewöhnlich dabei veranstalteten Vorkehrungen, die dabei obwaltenden Leiden zu mildern, entsprechen nicht allein diesem Zweck nicht, sondern vermehren noch die Gefahren für die Gesundheit. Aber wir haben kein Geld, unsere Gemeinde ist arm! Aber die Gesundheit Eurer Mütter, Eurer Gattinnen, Eurer Schwestern, Eurer Töchter steht auf dem Spiele, es muß geändert werden; cs ist nothwendig, und somit muß es auch möglich sein. Erkennet und behchcrzigt nur erst die Nothwcndigkeit in ihrem ganzen Umfange, und Ihr werdet auch die Möglichkeit finden. Ihr ward vor Jahren nicht reicher, als jetzt, und als Euch vor Jahren eine Synagoge fehlte, da fühltet Ihr die Nothwendigkeit eine zu haben, und es ward möglich. Wir wollen hier nicht die Frage aufwerfen, was wichtiger sei, eine Synagoge, oder ein Frauenbad überhaupt? Die Antworten würden verschieden ausfallcn. Darin werden sich aber die Stimmen aller Vernünftigen vereinigen, wann doch ein solches absolut da sein soll, daß es dann auch keine Hölle des zarten Geschlechtes, und ein Grab seiner Gesundheit sein dürfe, und daß es, u nter solchen Umständen, besser wäre, die Synagoge zum Tanzfaale zu vermiethen, um die Kosten zur Abstellung jener Uebelstände herbeizuschaffen. So viele pecuniäre Opfer bringt Ihr Eurer Beharrlichkeit bei dem Glauben Eurer Väter. Ich will von der bürgerlichen Zurücksetzung, die Ihr, trotz der Emanzipation zu empfinden habt, bei der Versorgung Eurer Kinder:c. nicht sprechen, ich will nur die Versäumniß des Sabbath, die dreidoppelte Einrichtung der Küche, die Kosten für Talles, Tefillin, Mesusa, Suka, Etrog, Lulob, Cultus u. s. w. anführen. Und hier fehlt es dir auf einmal an Geld! Nein, der alte Schlendrian ist's, der Euch zulispelt: Unsre Mütter sind nicht daran gestorben -c. Noch was Anderes, Ihr Alten! die Ihr heute noch am Nuder stehet. Zu Euren Zeiten konnte das Bewußtsein eine «Mizwa" zu thun, den Israelit durchs Feuer jagen. Viele Eurer Kinder gehen heutigen Tages noch nicht einmal deshalb bis an die Knöchel ins Wasser. Eure Frauen fanden den Keller nicht so schauerlich und das Wasser nicht so kalt. TaS Heise Gefühl für Religion gab auch dem Waßer eine höhere Wärme-Temperatur. Nun wisset Ihr aber, daß die Religion des warmen Gemüthcs mit seinen Verirrungen sowohl, als mit seinen Großthatcn, immer mehr in den Hintergrund tritt, und der Ncligiou des kalten Verstandes weichen muß. Eure Nachkommen werden die abscheuliche Badeanstalt noch abscheulicher finden, und dieser den Rücken kehren, ohne daß zu erwarten ist, daß der Vorstand zu Opfern bereit sein werde, für ein Gesetz, das überhaupt negiert, und für daö Gcmüth, der eigentliche Boden des Gesetzes, nicht einmal was thun wollte. M Bekanntmachungen. Neuestes und wohlfettstes israelitisches Gebetbuch. 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