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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-10-01 · Heft 40 (1.10.1843) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 40 (1.10.1843)
Date
1843-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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162 Rechten, diese zusarmuengenommrn, — rohe Kraft, Hierarchie und ängstliche Politik — bilden den Alp, der das Herz Europas drückt, vor -welchem der Flor der Wissenschaft erbleicht, bürgerliches Glück verkümmert, und Himmel und Erde verloren gehen. Dieses Dekret zeigt außerdem auch denen, die sich von der Geschichte nicht schon wollen belehren lassen, was es mit der häussg gehörten Klage über die Jsolirung der Juden, auf sich habe, und wer eigentlich anzuklagen wäre. Sv wie jetzt ein päpstlicher Beamter spricht, so hat zur Zeit, die ganze Christenheit gesprochen. Juden, ihr packt euch in eure Gassen'. Juden, ihr dürft nicht mir uns essen, trinken, freundlich verkehren! So spricht in den gebildeten Städten Deutschlands so manches Casino noch heutigen Tags:'Bleibt von unsrer Geselligkeit, ihr Juden! So sprechen Länder und Städte, so spricht namentlich selbst der einzige deutsche Staat Kurhessrn, der seine Juden cmanzipirt hat. Nur keinen fremden Juden über die Grenze! Und doch sollen die Juden die Schuld der Jsolirung tragen! — Ein freundlicherer Stern geht den Juden in Oldenburg aus. Die ihnen von dem vorigen Großhcrzog verliehenen Rechte, die im Wesentlichen dem preußischen Juden-Edikte von 1812 entsprechen, die ihnen später aber wieder verkümmert wurden, sollen jetzt wieder von Seiten der erleuchteten Regierung, bei dem nun zusammentretenden Landtag zur Sprache gebracht und aufs Beste befördert werden. .Berthvkd Auerbach über die Huden im Herzogthum Nassau. *) Auffallend ist, daß in einigen nassauischen Orten die Juden nicht nur alle Steuern, Bürgerlastcn und Frohnen gleich wie die christlichen Bürger leisten müssen, sondern auch noch einige jährliche besoderc Bcisatzsteuern zu bezahlen haben (das alte sogenannte Schutzgeld ist gesetzlich aufgehoben); entweder oder — gilt auch hier, entweder sollten sie nur das eine, oder nur das andere zu bezahlen haben, oder soll man für mindere Rechte doppelte Stenern bezahlen? Diese Doppelsteucr wird nur in einzelnen Orten des nassauischen Landes erhoben, und ist daher um so auffallender. Bon den Juden in Nassau, darf eben so wie in Hohenzollern-Sigmaringen und Baiern stets nur der älteste Sohn heirathen, die übrigen sind zu unfreiwilligem Cölibat verdammt. Die Juden haben in diesen Staaten, abgesehen von der Bcfugniß, Grundeigenthum zu erwerben, wesentlich dieselben Rechte wie im Mittelalter, im Mittelalter aber waren sie autonomisch, und der Polizeistaat hatte keine Macht, sie durch ein solches Gesetz zu entsittlichen; die Autonomie und die coroorativc Stellung der Juden ist aufgehoben worden, sic sind als seit Jahrhunderten Eingeborene des Landes Staatsbürger geworden, sie haben alle Pflichten des Staatsbürgcrthums übernommen, kein Gesetz kann sie mehr dieser Pflichten erheben um den daraus resultirenden *) Aus dem Freihafen. Rechten auszuweichen, so sehr mau dies auch in Preußen zu versuchen geneigt sein mochte. In den vorher genannten Ländern aber besteht nun ein Gesetz, wie es keine mittelalterliche oder heidnische Barbarei je versuchte, wurde es je in der Geschichte gewagt, eine andere Consessivn durch solche Maßregeln niederzuhalten? Der moderne Polizeistaat, der doch überall nur die Hebel der äußern Gewalt ansetzt, hat es hier und dort gewagt, sich einen christlichen zu nennen; im Namen der fortgeschrittenen Vernunft, im Namen des Christrnthums selber muß dagegen protestirt werden, denn das wahre Christenthum anerkennt nur die Macht der Ueberzeugung und keine äußere Polizeigewalt als heilig und göttlich. Man beschränke den Schacherhandel, wie man es im Interesse der Gcsammtheit finden mag, nie und nimmer aber sollte ein solches, Gott und die Natur beleidigendes Gesetz gehandhabr werden. — Es giebt leider noch sehr wenige Männer, die das Wesen der Emancipation der Juden recht begreifen; da meinen sie immer: jetzt, wenn man die Fesseln des Gesetzes löst, werden die Juden plötzlich in die Gerichtssäle dringen, alle Stellen in Beschlag nehmen und dergl. und nur, wie man sich ausdrückt, den „Besseren" möchte man die volle Gleichheit der Rechte einräumen. Das ist es ja eben, nur die „Besseren" trifft die Beschränkung des Gesetzes, der Schacherjude Schmul, wird nicht zum Bürgermeister u. dergl. ,gewählt, und er trägt auch kein Verlangen darnach. Die kürzlich gepflogenen Verhandlungen der badischen Kammer fiub ein cntmuthigendes Zeichen für die wahre Erkenntniß der sogenannten Freigesinnten. Bassermann hat sich wie ehedem H. König und Jordan in der kurhessischcn, der katholische Pfarrer Pflanz, und der evangelische Prälat Pabl in der würtembergischcn Kammer, mit eben so viel klarer Einsicht, als warmer Liebe für die Juden ausgesprochen, Jtzstein, der sonst so beredte und schlagfertige, hat geschwiegen, und Sander hat den ihm von Beck eingeräumten Präsidcntenstuhl offenbar zu seiner Antipathie gegen die Juden mißbraucht. Unsere Menschen- und Vaterlandsliebe, unser Vertrauen auf Freiheit und Recht, wird tagtäglich auf eine grausame Probe gestellt, wir dürfen nicht ermüden, sie siegreich zu bestehen. (Schluß folgt.) Berichtigung. In Nr. 35, in der Geschichte des Tages ist in dem ersten, die Prüfung in der Nabbknenschule betreffenden Artikel zu lesen: Das Resultat der mit den Zöglingen vorgenommenen Prüfung — statt: Das Resultat der Zöglinge mit der vorgenommenen Prüfung. Ferner, „wie das Jndenthum nur aus sich selbst regcnicren müsse" — statt: „wie das Jndenthum nur ausschließlich sich selbst regieren müssen.» — Nr. 37 ist zu 'lesen „Tekiot, statt Tökiot", und in dem Artikel (Breslau). Wenn irgend Jcinand — statt — Wenn irgend eine Sache. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersscld.

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