Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1843)
- Date
- 1843-09-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ei«- Wochenschrift für die Keimtniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung Herausgcgeben von ®r. M. Heß, Großhcrzogl. Wetmarschem Land-Ravbinen zu Srart-LengSfeld bei Eisenach. Ntk. 39. Sonntag, de« 24* September 1$43* IV. JsrHrtgßMA. ^knfruf an die Judenfeinde unter den Christen, Ioh. Georg Eichler. *) Wollt Ihr, Ihr Judenfeinde, die Ihr Euch Christen nennt, immer noch zögern, den Israeliten Euren Freundeshandschlag und Euren Bruderkuß zu bieten? Beharrt Ihr noch immer bei Eurer Meinung, daß die Fortbildung des Judenthums zum Christenthume allen Ansprüchen der Israeliten auf Menschenrechte und Menschenwürde für alle Zerren habe Hohn sprechen wollen? Woraus entspringt Euer Haß gegen die Israeliten wohl anders, als aus dem thörichten Festhalten von Thatsachen, die von einer Leite betrachtet unwesentlich erscheinen und andrerseits in einem tieferen Zusammenhänge zu betrachten sind? Ich hoffe nicht, daß Jemand unter Euch so unvernünftig sei, dem Judenthume seine an sich feiende Wahrheit absprechen zu wollen, noch weniger, das Ihr Euch geflissentlich dieser Meinung als eines Scheingrundes bedient, um Euren Haß gegen die Juden etwa noch zu rechtfertigen. Das Iudenthum ist nemlich das innere, wahrhaft positive Moment des Christenthums selbst, so lange nicht verläugnet werden kann, daß das Christenthum die negative Einheit de6 Heidenthumes und Judenthumes ist. Die christliche Religion hat, indem sie materiell die römische, heidnische, über- *) Der Verfasser gehört der christlichen Religion an. Redactien.! wand nur formell, nicht auch materiell, die jüdische überj winden wollen und können. Was zwar einerseits die , christlichen Staatsverhältnisse, die christliche Kunst und! die christlich-socialen Zustände betrifft, so wissen die Jsi raeliten sehr wohl, daß in diesen der Religion nicht unmittelbar zugehörigen Sphären das Judenthum vom Christenthume materiell überwunden worden sei, weshalb sie denn auch, wie sie vom Geiste christlicher Völker allmählich milder berührt mit den Christen an christlicher j Gesittung gewachsen sind, so sich auch keinem Theile i humaner Bildung verschließen und vielmehr insoweit die; wissenschaftliche, künstlerische und gewerbliche Regsamkeit , der letzten Jahrzehnte theilen, als man ihnen die Fesseln, die sie daran hinderten, abgenommen hat. Andrerseits! aber liegt es Euch Christen, gleichfalls ob, sehr wohl; zu bedenken, daß die christliche Religion, obwohl an sich ' vollendet, doch in ihrer zeitlichen Erscheinung sich keines-! wegs bereichert und vervollkommnet haben würde, ohne > tieferes Zurückgehen in die materielle Seite des Juden- ■ thumes, welche Regression sich gleich Anfangs in der I katholischen Kirche ausgesprochen hat, und an dem höchj sten Punkte, den der Protestantismus zu erreichen steht, | sich in noch weit schärferer und entschiedenerer Weise aussprechen muß. Doch, auch abgesehen hiervon, wie thöricht wurde es sein, wenn Ihr, indem Eure vorgefaßten irrrhümlichen Ansichten über das Verhältniß des Christenthums zum Judenthume Euch noch immer keinen freundlichen Blick auf letzteres werfen ließen, von der „Ausschließlichkeit des Judenthumes" reden woltet mit weicher „das Christenthum Ernst gemacht," welche es „zur | That erhoben und gegen alle Bolksunterschiede gerichtet"