Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1843)
- Date
- 1843-09-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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153 rheinischen Landtage, würden wir zum Papst befördern; der höchste Kirchensürst aber müßte Kanonikus werden, doch ohne Referat, außer etwa über die römischen Sünden. Der Raum dieses Blattes gestattet es uns nicht, die köstlichen Worte Lensings, die in Erz gegraben zu werden verdienen, und die der reine Ausdruck eines edlen, für Recht und Menschenliebe glühenden Herzens sind, wiederzugcben. Auch haben die großem Zeitschriften von einiger Bedeutung nicht versäumt, dieselben in extenso mitzutheilen. Hingegen dort, wo man schon längst gewohnt ist, gegen den Völkerfrieden zu protestiren, protestirt man wieder neulich, wider die begonnene Aussöhnung und Annäherung des Juden mit dem christlichen Bruder. Nach einer Verordnung des Generalinquisitor Salina zu Ancona, dürfen die Juden nur im Judenviertel Wohnungen haben; ihre Besitzungen in und außer der Stadt müssen sie binnen einer anberaumten kurzen Frist veräußern, dürfen weder Christen in Dienst nehmen, noch überhaupt mit Christen essen u. f. w. — Während der Kreuzzüge, die namentlich den rheinischen Juden so verderblich wurden, schrieben die Päpste an die Rheinländer, und ermahnten dieselben zur Menschlichkeit. Welcher Contrast mit heute! (Wien.) Dort ist ein Mann zur ewigen Ruhe gebracht worden, der einen schönen Theil seiner Lebenszeit und seiner Kräfte den Humanitäts-, Staats- und Religionszwecken aufs uneigenützigste geopfert, und doch seiner Familie noch ein Vermögen von mehrern Millionen hintcrlassen konnte. Arm, eben so sehr an Mitteln, als an Namen kam er nach Wien, desto reicher aber an strenger Rechtlichkeit, an Thatkraft, Fleiß und Verstand. Wie er von diesen Gebrauch gemacht, und was für Früchte sie getragen, zeigt der Beifall seines Kaisers, der ihm und für seine Kinder schon längst die Toleranz bewilligt, die Achtung und Verehrung seiner edlen Gemeinde, deren langjähriger Vorstand er war, das Gedeihen der wohlthätigen gemeinnützigen Anstalten, unter deren Mitgbegründern und eifrigsten und aufopferndsten Erhaltern der edle Verblichene in der ersten Reihe stand, der Wohlstand, die Liebe aller Guten und ein mit allgemeiner Achtung gekrönter Name, die er feiner Familie hinterläßt. Seine Verdienste um den Staat sind mannigfach. Doch näher darauf einzugehrn wollen wir dazu geeignetern Organen der Oeffentlichkeit, die seiner wohl nicht mit Stillschweigen übergehen werden, überlassen. Dieser Edle war L. M. Biedermann. (Minden.) Wenn in früherer Zeit ein Grenzstreit beigelegt wurde, nahmen die Richter, die Schulzen und Betheiligtcn einige Kinder mit, die bei dieser Gelegenheit beohrfeigt und gezaust wurden, damit sich der Moment der Grenzberichtigung ihnen besser einpräge, daß sie in spätem Tagen, bei etwa vorkommenden neuen Streitigkeiten, ein vollwichtiges Zeugniß abzulegen im Stande sein möchten. In der preußischen Gesetzgebung in Betreff der Israeliten, stehen wir auch an der Grenze. Eine neue Gestaltung — trügen nicht alle Zeichen — zum Bessern wird eintreten. In genannter Stadt übernahm man nun die Zermonie des Beohrfeigens. Man verschmähete dort, so berichtet mau uns, kein Mittel, eine Petition an den König, zum Nachtheil der Israeliten zu Stande zu bringen. Die Negierung aber verbot solches Treiben. Nicht wegen des Zwecks, wie manche Blätter mittheilen, als sollte überhaupt keine Petition gegen die Israeliten eingrhen, sondern wegen der angewandten verwerflichen Mittel. Es freut uns, wenn wir in der pädagogischen Literatur mehr den Pädagogen, als den Pädagogikern begegnen, wenn namentlich die praktischen Lehrer ihre Bücher zum Gebrauche in der Schule selbst schreiben, und sich nicht mit den Werken gelehrter Lehrkünstler speisen lassen. Wir haben das Vergnügen heute ein solches pädagogisches Produkt eines praktischen Lehrers zu begrüßen, und wir finden darin einen neuen Beleg für unsre oben auögesprochne Vorliebe. Von Emanuel Hecht, Lehrer in Unterfranken Baierns, der seinen Standesgenosson schon manche dankenswerthe literarische Gabe lieferte, ist eine biblische Geschichte für Kinder von 6—9 Jahren, erschienen, der wir unser ungetheiltrs Lob spenden müssen. In der Art und Weise mit Kindern in diesem Alter zu sprechen wird gar sehr gefehlt. Dieser Lehrer spricht mit seinen Kleinen, wie ein Professor vom Katheder, der Andere verfällt in den entgegengesetzten Fehler. Er steigt hinab zum Kinde und wird kindisch, trivial und verliert alle Würde. Wiederum fehlt dieser Lehrer, indem er denr 6 jährigen Kinde eine unzuverdanende Masse Bibelspeiße vorlegt, ''7 und ein Anderer will in seiner Schule bei Kindern dieses Alters von einer Bibel gar nichts wissen, weil die Art und Weise, wie Viele sic gebrauchen, ihm nicht gefällt. Hr. E. H. versteht im würdigen Tone die kindliche Sprache zu treffen, unv in der Auswahl des Stoffes, sowohl das Zuviel, als das Zuwenig zu vermeiden. Ter Stoff ist in 50 §§. gebracht, enthält also für eine jede Woche im Jahr einen tz. Diese Einrichtung macht daS Werkchen auch dem weniger geübten, und gewandten Lehrer zum vollkommenen Leitfaden. Einige ungewöhnliche Wortausdrückc wie: „Geschwistrige," und einige nicht gut gewählte Phrasen, wie in dem Vorworte: Tie aus den Geschichten abzuleiienden Lehren wären theilS untergeschoben, theilS beigefügt rc. (untergeschoben wird gewöhnlich in schlimmer Bedeutung gebraucht) wären wohl zu tadeln. Der geringe Umsang deS Büchleins und die ökonomische Ausstattung, lassen auch einen so geringen Preis erwarten, daß auch das ärmere Schulkind zum Besitze desselben gelangen kann. CT TpU -SD 'T)V2'?hV' CT! '3TTD Dieses Buch ist ein wahrer Schatz für die, welche in den Chewrot (Vereine zu wolthätigen Zwecken und zur Anhörung eines religiösen Vortrags an Sabbat- und Feiertagen) die Vorträge zu halten haben. Wir behalten uns vor, über das Institut der Chewrot überhaupt, und daß eben Bücher solcher Art, so erwünscht für dieselben sind, in einer später» Nummer weitläufiger zu besprechen. Das Buch ist in hebräischer Sprache abgesaßt, erstreckt sich in seinen Besprechungen über alle Feiertage und bedeutendern Momenten Des Jahres und idealrsirt Midraschim- und Talmudstellen mit einer gesunden Logik. Breslau, 27. Aug. Bor einigen Monaten ist in öffent-