Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1843)
- Date
- 1843-09-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2566751-2566856-2566893--0699-2568390- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
146 bedarf nur der Mann, und nicht auch die Frau des geistigen Lebens?") Die wörtliche Auffassung des: „ihr sollt sie lehren euren Söhnen," wie es im Talmud geschieht, sollte in einem so schönen Verein nicht Geltung haben. Die Vorlesungen und freundlichen lehrreichen Besprechungen der Mitglieder, können nicht -los dem bescheidenen Frauenzimmer, als passiver Zuhörcrinn zu Statten kommen, sondern der Verein kann, durch die Ein- und Zusprache geistreicher Frauen, durch ihr von dem Getreide der Zeit und der Schulen noch unbefangenes Urtheil, selbst Nutzen ziehen. Da der Verein, woran er in den obwaltenden Verhältnissen, sehr weise thut, die Freuden der Geselligkeit nicht ausschließt, und nicht eine pedantische Präceptor - Miene an sich tragen will, so sollte er auch die Würze und das Element europäischer Geselligkeit von vornherein nicht blcs außerordentlichen Gelegenheiten Vorbehalten. (Fortsetzung folgt.) (Hamburg.) So wie einst bei dem Bau der Stiftshütte die Frauen ihren schönsten und liebsten Putz dem Hause Gottes, damit es erstehe in Herrlichkeit und Pracht, als ein freiwilliges Opfer darbrachten, und nähten und spannen für das -heilige Werk, so wie vor 3000 Jahren die Naturkinder, so in unfern Tagen die eleganten Damen des Tempelvercins zu Hamburg. Zu den Kosten der Ausschmückung des bald unter Dach kommenden neuen Tempels dortselbft haben diese mehr als 1000 Thaler zusammengelegt, und auch die kunstgeübten Hände sind in Bewegung um Kanzel- und Pultbeklcidung u. dgl. würdig und geschmackvoll auszuschmücken. Hat das Zizitspinncn auch aufgchört, ein beliebter Neumoudszeitvcrtreib zu sein, so mangelt es drum für fromme Hände nicht an frommer Arbeit, und wir brauchen nicht zu zweifeln, daß auch unsre, so schwer angeklagte Zeit, wenn cs daraus ankäme, ihr vollzähliges weibliches Conlingent prrrrw zur Erlösung nHv; stellen könnte. •re« yv -pr Unter diesem Titel erschien in Ofen (in der köiugi. ung. Universitäts-Buchdruckcrei) ein Bändchen hebräischer Gedichte von dem in diesem Felde rühmlichst bekannten Baruch Schönfeld. Diese Gedichte behandeln Geschichte, Sagen, Legenden und Sentenzen aus dem Talmud und den Midraschim. Der Verfasser beurkundet sowohl ein tief poetisches Gefühl als eine hohe poetische Auffassung des Stoffes. Namentlich ist das in dem größern Gedichte, das die Geschichte Mirjams und ihrer 7 Söhne behandelt, nicht zu verkennen. Nicht minder ausgezeichnet ist die Gewandtheit der Behandlung, und besonders Lob verdient der Dichter, daß seine Gedichte nicht blos den Wörtern nach hebräisch sind, sondern auch dem Idiom, den Worten, den Bildern, kurz auch dem Genius der Sprache nach, ein Umstand, der, wie wir bald sehen werden, nicht eines jeden hebräischen Dichters Sache ist. Ausgefallen ist uns in dem Gedichte „jp7 i-nn'l Dlj8'TiJ8" die Interpunktion C'22b statt '), welche Berichtigung frei- *) Ä2Q tipn Wl jpT lich den ganzen Reim mit und verdirbt. Wir wünschen diesem Merkchen die Verbreitung, die es so sehr verdient. Gleiches Lob können wir einem andern uns vorliegenden ncuhcbräischen Werkchen nicht ertheilen. Es ist dieses die Uebertragung von Moses Jugend und die Hirtinnen Midjan's von Frau von Genlis, inS Hebräische, von David SamoStz in Breslau, nebst einem Anhänge, einige Gelegenheitsgedichte enthaltend. Die romantische Auffassung des Stoffes, und die schwülstige ins Breite gehende Behandlung desselben, eignet sich von vornherein nicht für eine hebräische Uebertragung. Für dieses Genre hat die hebräische Sprache kein Idiom, keine einzige Phrase in allen 24 Büchern, dem einzigen Magazin derselben. Allein Samostz hat davonkeine Ahnung.. Er fragt nur nach Wörtern, und wenn er diese bat, knetet er sie in deutsche Formen, und würgt sie in französische Construction. So klingt, in Samostz' hebräischem Mundwerk, das was französisch recht poetisch lieblich lauten mag, wie der Versuch einer Nachahmung der geisterhaften Töne einer Arolsbarfe, mit einer Baßgeige, so rumpelt das Fuhrwerk seiner Muse immerwährend über einen Knippeldamm von Germanismen, GalliciSmen, Talmudismen und über »ismen" aller Art. Wir wollen aus dem angeführten Gedichte keine Belege wählen, dem Sachverständigen werden sich, bei dem ersten flüchtigen Blick, eine Legion präsentiren. Doch können wir nicht umhin, für die, welche »die Hirtinnen Midjan'S« nicht zu Gesicht bekommen werden, ein Pröbchen Samostz'scher Muse, aus einigen beigesügten Gelegenheitsgedichten, wo doch der Dichter auf eigenen Füßen stand, mitzutheilen, sie können dann davon auf die schwierigere Uebertragung schließen. Der Dichter spricht über die großartigen Anstalten, die bei dem erwarteten Einzug des Königs zu Breslau getroffen werden. Wozu? Der König und die Königin kommen, ihr Blick spendet Leben. Wie die Sonne breiten sie über alle Wesen (!) ihre Fittige aus. (Das schöne Bild!) Daher auch der freudige Drang Aller (aller Wesen nemlich) nach ihrem Anblicke, daher zieht Alles ihnen entgegen, Sktles^was KÜHe hat * (!) Wenn der Dichter das Vieh mediatesirt, und cs unter dem Standestitel »Wesen" dem Königspaar unter die Flügel bringt, warum soll das liebe Vieh nicht mit andern Lanheskinderp sich dem Festzuge anschließen, um seine Souveraine zu sehen? Hat's denn nicht auch Beine? Wenn auch der Deutsche unter der — jedenfalls sehr gemeinen — Phrase: Alles was Beine hat, soviel versteht, als: alle Menschen von groß und klein, so ist das bei dem Hebräer was Anderes. Bei ihm ist das kein Idiom, er muß es wörtlich nehmen. Ja er wird, geleitet von der Phrase **) rCHD/ am wenigsten dabei an vernünftige Wesen denken. Möchte Samostz seinen wohlbegründetcn Nnf in der Handhabung der hebr. Prosa (wir erinnern nur an seinen recht brauchbaren hebr. Briefsteller) ferner nicht mehr durch seine poetischen Versuche aufs Spiel zu setzen. Für seine sauere Arbeit wird ihm nur Undank werden. *) t -wk bz> crn 82' **) 3. Buch M. 12, 42. Ein israelitisches junges Frauenzimmer, das aus einer größern Stadt Thüringens, schon geraume Zeit einem sehr stark betriebenem Putzgeschäfte als Arbeiterin und Verkäuferin mit vorgcstanden, wünscht baldigst anderweitig in einem ähnlichen Geschäfte, oder als Ladenmädchen oder auch als Gesellschafterin unter bescheidenen Ansprüchen ein Unterkommen. Näheres bei der Expedition dieses Blattes. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersseld.