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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-09-03 · Heft 36 (3.9.1843) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 36 (3.9.1843)
Date
1843-09-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochevfchrist für die Kmutniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von I)r. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land.-Rabbinen zu Stadt-Lengsscld bei Eisenach. Rr. 36. Sonntag, den 3. September 1843. it. Jahrgang. Besorgnisse «n- Hoffnungen für die künftige Stellung der Juden in Preußen. Von G. Rießer. (Hamburg, bei B. S. Berendsohn, 1842.) (Schluß von Nr. 35.) Mit dem Gefühle der tiefsten Entrüstung kömmt Rießer jetzt nochmals auf die Befreiung der Juden vom Militärdienste zurück, und sagt hierüber: „Das ist bisher der einzige, theuer erkaufte Vorzug gewesen, welcher dem zurückgesetzten, unterdrückten Glauben vor dem bevorzugten/ herrschenden eigen war, daß sich jenem kein äußerer Vortheil beigesellte, der seine Lauterkeit verdächtigen, der ihm eine heuchlerische Huldigung zuwenden, rhn um eines anderen Zweckes, als um seiner selbst willen, könnte ehren und pflegen und geltend machen laßen. Der herrschende Glaube muß es sich längst gefallen laßen, daß er, wahrend er dem Einen als ein himmlisches Gut gilt, das allein um seines Wcrthes willen gesucht und 'angebetet sein will, den Anderen zum Vorwände diene zur Erreichung irdischer Zwecke, zum Vorwände bald, um dem Neide und der Lust an der Unterdrückung Anderer zu fröhnen, zum Mittel bald, um die lastende Bürde des Druckes von sich zu werfen und in die Reihen der Gleichberechtigten einzutreten. So wird der herrschende Glaube eben durch seine weltliche Herrschaft sittlich erniedrigt, durch seine irdische Höhe geistig in den Staub getreten. Dem unterdrückten Glauben drohte bisher keine solche Gefahr; wer sich zu ihm hielt, der mußte uw ihn leiden; wer auf dem Wege des Glaubens Vortheile und äußere Ehre suchte, der mußte damit an-! fangen, dem unseren untteu zu werden. Sollte man! ihm diesen sittlichen Vorzug seiner leidenden Stellung I beneiden? Sollte man damit umgehen, ihn, ohne ihn! aus dem Druck zu erlösen, ja indem man ihn noch tiefer und fester in denselben verstrickt, doch zugleich durch ein schimpfliches Privilegium, das man an ihn knüpft, zu verunehren, ihn zu gleicher Zeit die äußere Schmach der Dienstbarkeit mit der sittlichen Schmach des Vorrechts tragen zu lassen? Daß eine solche Absicht obwalte, ist keinesweges zu glauben; allein gewiß ist es leider, daß gerade dieses Resultat durch die vorgeschlagene Maßregel würde erreicht werden. Die schlechtesten, frivolsten, irreligiösesten Gemüther würden unter der Maske der „religiösen Ansicht" — mit der sie, gleichwie auf anderen Maskenfesten, nicht einmal ihr wahres Antlitz zu verhüllen sich die Mühe zu geben brauchten, sondern die sie nur als ein Abzeichen am Eingänge vorzuzeigen hatten — sich der Erfüllung einer lästigen Pflicht entziehen, und die Religion würde von der unverdienten Schande betroffen, den schlechtesten Gesinnungen, den verwerflichsten Trieben zum Deckmantel und Vorwände zu dienen. Der AUgütige möge unseren Glauben vor dieser Schande in Gnaden bewahren." Am Schluffe dieses Kapitels wendet sich nun unser Verfasser zu den israelitischen Gemeinden des preußischen Staates, halt ihnen die Möglichkeit, daß die fragliche Befreiung zum Gesetze werde, vor, und ermahnt für diesen Fall zu folgendem Verfahren: „Der Entschluß der Einzelnen" — bemerkt er mit Recht — „die dargebotene Befreiung zu verschmähen und freiwillig zu dienen, würde unter so ernsten Umständen nicht genügen; er würde spurlos verhallen der

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