Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 29 (16.9.1843)
- Date
- 1843-09-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2566751-2566856-2566886--0664-2568348- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
118 auf so lange, »als das Vorstands-Gramium aus der intelligenten Parthei constituirt sein wird." — Nach dem bekannten Naturgesetze der Schwere, nehmen die Körper im Fallen an Geschwindigkeit progressiv zu. Die Berühmtheiten scheinen demselben Gesetze unterworfen zu sein. Die Welt ging lange mit dem ersten Mosche schwanger, der zweite — Maimonidcs — ließ nicht so lange auf sich warten, der dritte Mendelssohn — folgte schon schneller, der vierte nun — Moses Plcßner — an dem man es eigentlich merkt, das wirs hier mit. dem Gesetze des Falles zu thun haben, ist schon da, ach, schon da, dem dritten Moses aus die Ferse! Wenn nur nicht mit dem plcßnerischen Moses ein neuer Cyclus von Mosche'n beginnt! Denn die ersten Drei bestrebten sich die Vorurthcile des Volkes zu verdrängen, seinen Geist zu erleuchten, und cs an wahrhaft nützlichem Wissen zu bereichern. Was thut unser Moses zu Posen? Eine jede seiner Vorträge dort selbst ist — zufolge der Berichte — eine neue Aussaat von Vorurtheilcn, einen Geist umnebelnden mystischer Dunst und ein Versuch zur Vergnügung verjährten Unsinns. So können auch Talent, Wissenschaft und ein religiöser thatkräftiger Wille zum Verderben ausschlagen, wenn Myfticismus und Fanatismus das Regiment führen, die Gott um die Menschen, und die Menschen um Gott bringen. Das katholische Mirakel über den Uebertritt eines Mitglieds der Ratisbon'schcn Familie, das vor einiger Zeit durch Vermittelung der Druckerschwärze und des Lumpenfabrikats der Menschheit mitgcthcilt ward, hat ein protestantisches Scitenstück erhalten. Da» Wunder, das in Nom ein zudringlicher Müßiggänger bei einem indifferenten französischen Stutzer durch Gebet bewirkt, das beschwört in einer Stadt Albion's, eine Miß P. — (Warum nicht, entsprechender; Miß Q.?) — bei einer von Krämpfen gemarderten, und mit einer Rückgrads-Fatalität heimgesuchten jüdischen Jungfrau Maria, durch Citationen aus der Bibel. Das protestantische Mirakel ist in einer Brochüre nicdergelegt, betitelt: Maria, (Der-) Führungen einer jüdischen Jungfrau." Basel. Im Eingänge jener Brochüre, wird von dem Character jener Convertitin ein liebenswürdiges Bild entworfen, sie war fromm und brav, und wolbewandert in den NeligionSschriften der Väter. Aber was hilft das Alles? Sie glaubte ja nicht an die christliche Erlösung und somit ginge sie ja doch der ewigen Verdammniß entgegen! Da verletzte »Maria" bei einem Fall von einer steilen Treppe das Rückgrad (War sie nicht auf den Kopf gefallen?) und nun besteigt sie das schmerzensvolle Krankenlager, das nun ihre Welt bleibt, bis zum Tage ihrer Auslösung. An diesem Opferaltar tritt Miß P. mit Bibel und Tractätlein, und begießt die Leidende mit einer solchen Fluth von Sprüchen und Versen, daß diese endlich im Todeskampse darin ersäuft. Miß P. hat nun die Freude, dem Elysium eine gewonnene Leiche zuzuführen. Doch nein, noch eine andere Eroberung, eine lebendige! Maria will nicht allein ins Elysium, ihre Verwandele sollen mit. Einige der Angehörigen machen der vom Todcskampf Gemarderten Hoffnung aufs Geleite, und sie stirbt. Obwol Miß P. und ihre Helfershelfer mit den Hinterbliebenen bald zum Ziele gelangen oder ob sie dieselben erst eine steile Treppe hinabzuwerfen für räthlich finden, daß sie ihren Nückgrad und dessen nahen Verbündeten, das Gehirn lediren, das können wir unfern wißbegierigen Lesern nicht verrathen. Was aber das Schriftchen und seine beabsichtigte Wirkung betrifft, können wir die Versicherung geben, daß wir die Fische, die in solchen Köder beißen, einem Jeden gerne gönnen, der nach ihnen angelt. (Brüssel.) Der rühmlichst bekannte königl. dänische Leib, chirurg Prof. Jacobson, ein Jsraelitc, ist einstimmig als correspondircndes Mitgicd der königl. belgischen med. Academie ausgenommen worden. Die Sepharbim. (Fortsetzung von Nr. 25.) Und so haben denn die mißhandelten, entwürdigten und zu Boden getretenen Juden nicht wenig dazu beigetragen, den Arabern die Eroberung des Landes zu erleichtern. Fanatismus und Ungerechtigkeit bestrafen sich, wie die Geschichte zeigt, zuletzt doch immer selbst. Aber wie Viele hören auf die Lehren der Ge" schicht'? So lange cs den Juden möglich war, von ihren Unterdrückern mit Geld einige Schonung zu erkaufen, war ihre Lage einigermaßen erträglich, denn sie dursten noch Psalmen singen, sich das Haupt mit Asche bestreuen, und ihre gottesdienstlichen Gebräuche ausüben, wenn sie ihre Tobten begruben. Aber manche westgothischcn Könige verfuhren grausam gegen sie, um sie und ihre Kinder zur Taufe zu zwingen, und drvheten Jedem, der sich nicht binnen einem Jahre zum Christenthum bekennen würde, mit Peitschenhieben, Verbannung und Einziehcn deS Vermögens. Auf diese Weise sollen zur Zeit der Regierung des Königs Sigiberts an neunzigtauscnd Juden Scheinchristen geworden sein. Freilich erhoben sich auch damals Männer, welche eine solche Art der Bekehrung tadelten; Jsidorus von Sevilla proteftirte laut und öffentlich dagegen, und erklärte eine erzwungene Bekehrung für unangemessen und unklug. Allein die gemäßigten Ansichten drangen auf die Dauer nicht durch, wie die Geschichte der spanischen Konzilien beweist, von denen manche geradezu befahlen, daß Nie. mand im Lande wohnen solle, der nicht rechtgläubig sei. Das achte Konzilium von Toledo führte schon eine förmliche Inquisition ein. Um den drohenden Plackereien zu entgehen, erklärten die Juden freiwillig auf ihre Sitten und Gebräuche verzichten zu wellen, selbst auf Paffahfest, Sabbath und Vcschneidung; nur eine Bedingung machten sie: kein Schweinefleisch zu essen, weil dieses sie anekele. Nun zeigten die Bischöfe sich weniger streng, denn sie glaubten ein großes Bckehrungöwerk vollbracht zu haben. (Fortsetzung folgt.) Truck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.