Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-05-28 · Heft 22 (28.5.1843) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 22 (28.5.1843)
Date
1843-05-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2566751-2566856-2566879--0629-2568306
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

90 «»bestritten, so widrig es auch Manchem in die Ohren klingen mag. Auch das ist ganz gewiß, daß dem, welcher Jesu Lehre verstehen und seinen Endzweck bei Stiftung des Reiches Gottes auf Erden begreifen will, eine genaue Kenntniß der vorchristlichen Zeit nicht erlassen werden kann. Und wahrlich, nicht undankbar ist das Geschäft, nach dem zu fragen, was Gott vor Zeiten durch den Mund der Propheten zu den Vätern gesprochen hat. Vor allem tritt uns da, als ein unaussprechlich ehrwürdiges Bild, das des Abraham entgegen. Er führte die Seinen zur Verehrung des Einen, höchsten Gottes, er baute dem Einen Gott Altäre zu einer Zeit, wo alle übrigen Bewohner des Erdballs noch im heidnischen, krassesten Götzendienste befangen waren. Wie Gott zu ihm gesprochen hat, das weiß ich nicht; ich halte mich an die Thatsache, daß zu einer Zeit, wo überall Finsterniß herrschte, in seinem Geiste ein Heller Strahl des Lichtes angetroffen ward. Ich leugne es nicht, mit derselben Ehrerbietung, wie es nur vom frömmsten Juden geschehen mag, kann auch ich die Worte sagen: Vater Abraham." „Auch Moses Verdienste um sein Volk sind mir ein ehrenwerther Gegenstand. Muß er doch einen tiefen Blick gethan haben in's menschliche Herz und in's menschliche Leben, dieser Moses, daß er Gesetze geben konnte, welche noch heute jedem civilisirten Staate zur Grundlage dienen. Und die Geschichte des ganzen Volks, ist sie nicht ein treues Abbild der Geschichte der Menschheit? Abfall von Gott ist Abfall vom Glücke, und in diesem seinem Unglücke, welche rührende Klagen edler Gcmüther werden im Volke Israel nicht laut! Wenn ich das hier Gesagte erwäge, und der Leute gedenke, die nur allzugern im Alten Testamente das Vorbild des Neuen Testamentes finden, und die keine einzige der, von frommen Juden über den Messias ausgesprochenen, Weissagungen fallen lassen mögen, so bleibt mir unerklärbar, wie eben diese Menschen mit solchem bittern Hasse das Judenthum verfolgen können. Es ruht keine größere Schande aus der Christenheit, als ihr, durch alle Jahrhunderte hindurch bewiesenes, empörendes Verhalten gegen die Juden. Man nenne mir Ein Volk Europa's, man nenne mir ein Sekulum, wo nicht die unsinnigste Judenverfolgung stattgefunden hätte! Bald sollen sie Kinder geschlachtet, bald Brunnen vergiftet, bald Landplagen herbeigeführt haben. Ja, cs bestehen Briese von deutschen Fürsten an deutsche Reichsstädte geschrieben, wo Jene Diese freundnachbarlichst ersuchen, alle Juden zu ersäufen oder zu verbrennen. Auch du, mein theures Vaterland, trägst diesen Flecken an Dir. Noch der Zweite Deiner Könige zwang seine jüdischen Unterthauen mit ungeheurem Spotte, das Schwarzwild seiner Jagden zu erstehen, und selbst der königliche Weise, den die Geschichte den Einzigen benannte, versagte einem der größten Philosophen unter seinen Zeitgenossen den erbetenen Schutz und Bürgerbrief, weil er ein Jude war. Wir stehen höher, aber haben wir das Ziel erreicht? Leider nicht." (Schluß folgt.) Die Sephardim.*) Die Juden sind ein providentielles Volk, ein Menschcnstamm, mit dem die Vorsehung Großes gewollt hat. Es läuft wie ein rother Faden durch die Geschichte, und übt bis auf den heutigen Tag einen mächtigen Einfluß aus. Das Christcnthum hätte in einem Lande mit Vielgötterei schwerlich emporzukeimen vermocht; es bedurfte einer Gegend und eines Volkes, wo nur ein Gott verehrt wurde. Die Kirche hat viel Jüdisches herübergenommen; in unserm christlichen Gottesdienste sind auch gegenwärtig die Spuren von Tempelgebräuchcn und jüdischer Kirchensprache gar nicht zu verkennen; die geistliche Beredsamkeit holt ihre eindringlichsten Argumente eben so wohl aus den Schriften des alten wie des neuen Heils; die Gesetze, welche Moses seinen Hebräern gab, spielen im Staatswesen der christlichen Völker eine große Rolle und keine einzige neucuropäische Nation hat eine Gesetzgebung und Staatsverfassung ohne jüdische Zuthaten. Die christliche Welt hat aber das, was sie den Juden verdankt, und es ist dieses wohl eben so viel, als wofür wir unS Römern und Griechen so erkenntlich zeigen, nicht mit Wohlwollen vergolten. Durch die Zerstörung Jerusalems wurden sie, ohne ihre Schuld, nach heldenmüthigem Widerstande, über alle Welt zerstreut. Nach orientalischer Weise behielten sie aber, Sitten und Gebräuche bei; die Anhänglichkeit an die Religion ihrer Väter, verbot ihnen eine engere Gemeinschaft mit Heiden oder Christen, und zwang sie zu einem abgesonderten Leben. Vom Grundbesitze schloß man sie aus; wie konnte man sich daher wundern, daß ein so begabter und betriebsamer Menschenstamm, der doch einmal da war, und so gut ein Recht auf sein Dasein besaß, wie die übrigen Menschenkinder, Alles aufbot, um bewegliche Güter zu erwerben? Denn es liegt einmal im Wesen eines Jeden, daß er erwerben will; und derjenige, dem man eine feste Heimath versagt, wird nothgedrungcn an Edelsteinen, Gold und Silber hängen müssen. Geld ist ja das einzige, waS er dann besitzen darf, und wodurch er sich einige Beachtung, und, im günstigsten Falle, Ansehen verschaffen kann. Schon Herder hat ganz richtig bemerkt, daß die roheren Völker Europa's im Mittelalter freiwillige Sclavcn des Geldes und Wuchers der Juden wurden. Sie dünktcn sich zu gut, die „vernünftige und feine Industrie" der kaiserlichen Kammerknechte zu treiben; sie machten es wie die Spartaner, welche den Ackerbau verachteten, weil die Heloten sich mit demselben beschäftigten. (Forts, folgt.) *) Ans Lcwald's Europa. Israelitische Schulbücher, zu Partie - Preisen. Von uns ist durch alle Buchhandlungen, in Hersfeld und Homberg durch F. Schuster zu beziehen: ÄBTlLSOi^ I. Erstes Lese- und Sprachbuch für die israelitische Jugend, zur Weckung religiöser Gefühle. Von I. fi. Jacobson. Preis gebunden 7z Sgr. Partiepreis bei bnahme von wenigstens 20 Exemplaren aus einmal, gebunden nur 5 Sgr., roh 4 Sgr. FL Ist nur in größeren Partien roh zu haben, sonst stets gebunden. ABTAIilOÄT II. Ein Lesebuch für die israelitische Jugend, zur Weckung und Hebung religiöser Gefühle. Von R- H. Kaeovson. Vor dem Drucke geprüft und zum Gebrauch sur die Jugend empfohlen vom Rabbinen Dav. Deutsch, Ober-Land-Rabbinen Hirsch, Br. Ludw. Philipps»» und »r. <§. M. Fost. Preis 15 Sgr., gebunden 17z Sgr. Partie-Preis bei Abnahme von wenigstens 20 Exemplaren auf einmal, gebunden nur 121 Sgr., roh 10 Sgr. F. E. C. Leuckart in Breslau. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.