Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1843)
- Date
- 1843-05-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ei«- Wochenschrift für die Kemitniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgcgeben von l)r. M. Heß, Großhcrzogl. Weimarschem LaiiV.-Raoblnen zu Stavt-Sengsfcld bei Eisenach. Nr. 21 Sonntag, de» 2«. Mai 1*43. IV. Jahrgang. Um das Interesse an unserem Blatte zu erhöhen, haben wir die Bearb eitung der „Geschichte des Tagest einer andern Hand übertragen, und daß unsere Wahl eine gelungene ist, werden hoffentlich unsere Leser schon aus der gegenwärt gen Nummer entnehmen. Die Redaktion. Rabbinische Gutachten über die Verträglichkeit der freien Forschung mit dem Rabbinenamte. (Breslau, Leop. Freund.) Wir haben schon früher *) unsere Leser auf die hohe Bedeutung dieser Schrift, welche durch die Breslauer Streitigkeit hervorgerufen ward, aufmerksam gemacht. Heure gehen wir nun daran, sie näher mit deren wichtigen Inhalt bekannt zu machen und sind ihres Dankes dafür versichert. Wie sehr nämlich auch die Fortschritte, welche das Judenthum seit der Erscheinung Mendelssohns gemacht hat: seine innere sittliche Kräftigung, sein Eingehen in die lebendige Bewegung der Zeit und der Geschichte und seine Erhebung zu einem licht- und lebensvollen( Dasein, alle diejenigen, die Sinn und Herz für die! Sache der Wahrheit haben, mit Freude erfüllen müßte, so blieb doch noch ein dringender und lebhafter Wunsch zurück: daß nämlich alles das, was bis jetzt doch nur veremzelt hervorgetreten, dem der tiefere Grund und die volle geschichtliche Begründung noch mangelte, und das auch noch nicht von der Masse der Rabbinen und Religionslehrer vertreten war, sich dessen endlich erfreuen möge, damit es im Stande sei, den Kampf mit der Autorität der herkömmlichen Ansicht mit gleich starker Waffe zu eröffnen. Dieser Wunsch ist nun durch jene Gutachten in Erfüllung gegangen, und es muß das lebhafteste und freudigste Interesse erregen, daß die Fragen, von welchen Alles abhängt, die für die Sache der religiösen Fort- und Umbildung die Lebensfragen sind: Ist das sittlich-humane Element das Wesen unserer Religion, das zeremonielle aber nur der ihr untergeordnete Theil, und darum einer Abänderung und Aufhebung nach dem Bedürfniß der Zeit unterworfen? Was ist Tradition und in wiefern ist sie im Talmud enthalten? darf die spatere Zeit über die Ansichten und Satzungen desselben hinausgehen und was thut besonders der gegenwärtigen Noth? in jenen Gutachten ihre Lösung im Geiste des Fortschrittes gefunden haben, i Zwar kann man uns immer entgegen halten, daß hiebei die Aussprache einer Anzahl von Rabbinen nicht entscheide, daß die Wahrheit nicht von . kirchlichen Autoritäten abhänge, und daß es zufällig sei, daß dieselben die Beantwortung im fortschreitenden Sinne gegeben. Wenn jedoch nicht zu verkennen ist, daß Männer, welche die Sache der Religion zum Studium ihres Lebens gemacht haben, auch wohl am zuverlässigsten über jene Fragen entscheiden können; wenn diese Männer mit ihren religiösen Forschungen wissenschaftliche Erleuchtung verbinden, den Geist der Erkenntniß, wie der Prophet *) S. Jahrgang III. Nr. 49 dieser Blätter.