Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1843)
- Date
- 1843-05-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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- Aleppo 1× ep/1047811
- Hebron 1× ep/1047559
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mtd pädagogischen Verhältnisse aller dieser Schulen sind geordnet und der Unterricht überall in einem gedeihlichen Fortgang. Deßgleichen wird von dem Mendelssohn-Verein in Dresden gerühmt, daß seit dem Bestehen desselben (1829) beinah 1900 Thlr. an 37 jüd. Jünglinge verabreicht wurden, von denen 22 Handwerkslehrlinge waren, zehn einer fteien oder technischen Kunst, vier den Studien sich widmeten. Frankfurt hat an die Stelle des unvergeßlichen Creizenach den vielversprechenden Jacob Auerbach in Wien zum Religionslehrer an der Bürger- und Realschule ausgenommen, und will auch ein neues Schulgebäude im großartigen Style erbauen. Fortschritte haben wir heute unseren Lesern aus folgenden vier Arten und rcsp. Ländern mitzutheilen: In Berlin ist zu dem Gebäude einer AltervcrsicherungSanstalt der jüdischen Gemeinde, zu welchem bei Gelegenheit der Thronbesteigung des Königs die Beiträge freiwillig unterzeichnet wurden, nun der Grundstein feierlich gelegt worden. Deputationen des Magistrats und der Stadtvcrordncten-Versammlung erschienen bei dieser Feier. Im Großhcrzogthum Meklenburg-Schwerin wird das jüdische Cultuswesen durch eine der Regierung vorliegende Synagogen- und Gcmeindeordnung eine erfreuliche und feste Grundlage gewinnen. Im Großhcrzogthum Posen schreitet trotz der Hemmnisse welche der Rabbine der Hauptstadt in den Weg legt, religiöse Bildung und Erleuchtung fort und besonders gewinnt das wissenschaftlich gebildete Rabbinenthum immer mehr Sympathieen. Im Fürstenthum Detmold haben die Landstände unter anderem genehmigt, daß für die bisherigen Abgaben der Juden an die Kammer 500 Thlr. auf die Landescasse übernommen werden; wogegen der Hausirhandel gegen anderweite Erweiterungen der Handelsbefugnisse der Juden aufgehoben worden ist. Wenn alle Staatsmänner so aufgeklärt über die Idee eines christlichen Staates dächten, wie vr. Rupp in Königsberg, so haben wir nichts zu fürchten. Derselbe sagte am Schlüsse seiner in der königlichen deutschen Gesellschaft gehaltenen Rede: «Der christliche Staat befestigt den Völkcrfrieden und lehrt die Nationen sich selbst Gesetze geben; er will nicht Herren und Knechte, sondern brüderliche Gleichheit; er stößt die Bösen nicht aus, sondern führt sie zurück zum Guten und beugt dem Bösen vor; vor Allem, er setzt Vertrauen in den Geist." Der preußische Volkssteund erzählt: Ein ansehnlicher Theil der Armee von Bombay (Ostindien) besteht aus Juden, die sich in Sprache, Kleidung und Sitte von den Mahratten, unter denen sie so lange gewohnt, nur sehr wenig unterscheiden. Diese indischen Juden würden vielleicht von allen übrigen Eingebornen die besten Soldaten sein, wenn sie nicht dem Trünke so ergeben wären. Nach einer Privatmittheilung in der Preuß. St. Ztg. leben in Syrien unter 1,360,000 Menschen 30,000 Israeliten, und zwar in Jerusalem, Hebron, Safed, Liberias, Damaskus und Aleppo, nebst kleinen Gemeinden in anderen Städten. »£*11*’* Kindheit. Auf den Unterricht seiner Kinder verwandte Herr Baruch viel Sorgfalt. Da er sie nun fest glaubte in der Kenntniß des Hebräischen und der Religion, so räumte er auch eine weitere Ausbildung in Sprachen und Realwissenschaften ein. Ein Hauptgegenstand des Unterrichts war die deutsche Sprache. Obgleich die Kinder keinen Umgang mit gewöhnlichen Judenknaben und dadurch sich ein fehlerhaftes Gewälsch in der Sprache anzugewöhncn Gelegenheit hatten, so bot doch selbst das eigne Haus nicht die sicherste Sprachschule dar und der Hauslehrer selbst gesteht, über die grammatischen Gründe und Regeln der deutschen Sprache damals nicht ganz taktfest gewesen zu sein. Wie daher Sachs seinen Unterricht dazu benutzte, sich selbst noch auszubilden und mit seinen Zöglingen zu lernen, so bot auch der Unterricht in der deutschen Sprache um so größere Schwierigkeiten dar, als sich der Lehrer in der Auswahl einer passenden Grammatik vergriff, und dem Unterrichte gleich die philosophische Sprachlehre Adelungs zum Grunde legte. So dunkel und abstract nun auch die einzelnen Paragraphen derselben waren, so sehr sich auch der Lehrer selbst Mühe geben mußte, sie immer zu begreifen; der junge Schüler ließ sich diese Mühe nicht verdrießen, sondern dachte sich langsam, aber gründlich und völlig bewußt, in die Schwierigkeiten dieses übel gewählten Leitfadens hinein. Früh war bei ihm eine Anlage zu eigenthümlicher Ausdrucksweise bemerkbar; aber in der grammatisch-orthographischen Regelrichtigkeit blieb der Knabe noch sehr zurück, um so mehr, als ihm durch seinen Umgang nicht möglich wurde, immer ein gutes und gebildetes Deutsch zu hören. Der Hauslehrer räum ein, daß Börne die Grundlage der Grammaiik erst bei seinem spätem Gießner Lehrer Vr. Schapper legte, ja er will behaupten, daß Börne selbst später als Schriftsteller nicht frei von Jncorrectheit geblieben sei. Wenigstens ist so viel wahr, daß allerdings die frühsten Manuscriptc Börnes mit einer etwas unsicheren Orthographie geschrieben sind. Für die Erziehung und den Unterricht ihrer Jugend hatte damals die jüdische Gemeinde in Frankfurt noch wenig gethan. Nur zwei Lehrer gab es, die die Häuser der reichern Juden besuchten und dem immer dringender werdenden Bedürfnisse nach Bildung allein nicht abhelfen konnten. Christliche Lehrer gingen nicht in die Judcngasse um dort zu unterrichten. So fing man denn an die Knaben den christlichen Lehrern ins Haus zu schicken. Der junge Börne ging zu seinem Schreiblehrer Ernst um so lieber, als er dort mit Toleranz und Schonung behandelt wurde und sich keiner Zurücksetzung gegen christliche Kinder versehen durfte. (Fortsetzung folgt.) Berichtigung. In der Nr. 10 u. 11 dieser Matter befindlichen Rccension über die vortreffliche unter dem freien Himmel gehaltene Predigt etnes protestantischen Geistlichen ist irrthümlich «Bcrendsohu in Hamburg" statt «Moritz Geber daselbst" als Verleger bezeichnet. Druck und Verlag vott F. Schuster in Hersseld.