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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-04-09 · Heft 15 (9.4.1843) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 15 (9.4.1843)
Date
1843-04-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eia- Wochenschrift für die Kemitniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Wc» marsch em vandrRavbinen;u Stadt-Lengs scld bei Eisenach. 15. Sonntag, den Die schlechte Beförderung -er erleuchteten Rabbinen ist gut. Mit dieser scheinbar ganz paradoxen Behauptung wende ich mich an euch, ihr erleuchteten Volkslehrer der Gegenwart! die ihr euch nicht einer solchen Beförderung wie eure befangenen oder heuchlerischen Amtsbrüder erfreuen dürfet, die ihr vielmehr sehen müsset, wie diese noch in, der Regel von den größeren Gemeinden gesucht, an die Spitze ihrer religiösen Angelegenheiten gestellt werden, während man euch, obgleich sonst eure höhere wissenschaftliche Befähigung nicht verkennend, nicht beachtet. Diese schlechte Beförderung, sage ich euch aber, ist gut, ist gut für Gottes heilige Sache, für den Fortschritt und die innere Kräftigung der heiligen Lehre, deren Hütung und Pflege uns aufgetragen ist, und ich hoffe, euch dieses zu unser aller Erhebung durch folgende Betrachtung zu beweisen: Wenn die Zeit euch noch nicht würdigen kann, wenn sie vielmehr euch noch zurückstößt, weil ihr ihr selbst in eurer religiösen Anschauung vorausgeeilt seid, so glaubet ja nicht, daß ihr mit dieser bitteren Erfahrung allein da stehet; die ganze Geschichte liefert euch Beispiele hiezu, die ganze Geschichte weist mit klaren Zügen nach, daß alle diejenigen, welche sich über ihre Zeit erhoben, welche sie weiter zu bringen trachteten, im Anfänge von ihr mißkannt, ja oft geschmäht und gelästert worden sind. Ich schweige von den Beispielen der profanen Geschichte, sondern erinnere nur an unsere Erzväter, an unseren Moses, an unsere Seher und Propheten. War das Leben jener, die auch von ihrer Zeit noch nicht verstanden, die ». April ,84«. iv. Jahrgang. ringsumher noch mit Aberglaube und Götzendienst zu kämpfen hatten, etwa ein glückliches? Klagte nicht der dritte der Erzväter laut dem Herrscher Egyptens: „Wenig und böse waren die Tage meiner Lebensjahre!" Ergriff unseren Lehrer Moses nicht oft Unmuth über die Hartnäckigkeit und Widerspenstigkeit feiner Zeitgenossen, schalt er sie nicht noch auf feinem Sterbebette „ein verkehrtes und falsches Geschlecht" (^rfrnwwpinn)? Und erging es unseren Propheten besser? Rief das Volk! nicht: „Ein Thor ist der Prophet, ein Wahnfin-; niger der Mann des Geistes!" (ystra kot I rmn und hob die Hand nach ihnen auf, und warf i sie in den Kerker der Verbrecher? I Aber die Geschichte ist keine Tyrannin; die Geschichte i steht unter der Lenkung und Leitung des höchsten Wel-! tengeistes, was in ihr sich offenbart, ist eine Offenbarung; des Höchsten und Heiligsten, hat nur einen hohen und! heiligen Endzweck, und einen solchen können wir denn! auch in dem, was uns sonst so bitter stimmen müßte,! in ihrer Verbannung und Mißhandlung derer, die sie 1 zu vrredlen trachten, gewahren. Sie zeigte sich diesen! deßhalb so feindselig, verband so wenig äußeren Lovn > und freudige Anerkennung mit dem, was sie erstrebten, damit sie so recht in der Gesinnung erstarken, so recht das wahre Heilige und Göttliche um feiner selbst willen lieben und erstreben sollen. Daher stand die im nere, beseligende Kraft der Religion stets im umgekehrten Verhältniß zu der äußeren Stellung ihrer Bekenner. Das Christenthum war da am gewaltigsten, wo feine Bekenner noch verfolgt, gemißhandelt wurden, und eben so bekam das Zudenthum erst da feine höchste innerliche

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