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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-04-02 · Heft 14 (2.4.1843) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 14 (2.4.1843)
Date
1843-04-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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56 Versammlung ein Gesetz vorgelegt werde; ein Antrag, der um so nothwendiger erschien, als die Juden mit Ausnahme derjenigen Rechte, welche an sich einer gesetzlichen Beschränkung nicht unterliegen, überhaupt bürgerliche Rechte damals gar nicht hatten. Der Groß-, Geldwechsel- und Schacherhandel war das ganze Feld ihrer bürgerlichen Hanthierung; es war ihnen dasselbe jedoch keineswegs durch das Gesetz eingeräumt, sondern nur durch zeitweilige Concession der Regierung. Der nächsten Ständeversammlung wurde das beantragte Gesetz vorgelegt, es fand jedoch als zu liberal in dem, was es den Juden bewilligte, mannichfachen Widerspruch und wurde daher mit Einschränkungen angenommen. Zum Zweck einer Erweiterung dieser beschränkten Rechtssphäre wendete sich der Vorstand der hiesigen Judengemcinde vor kurzem mit einer Petition an die Ständeversammlung. In dieser bitten sie dieselbe um ihre Jntercession bei der Negierung, damit diese einen Gesetzentwurf verlege, der die Ausschließung der Juden 1) von den tz. 65 der Städteordnung gedachten bürgerlichen Ehrenrechten, 2) von dem zünftigen Klein- und Ausschnitthandel aufhebt, 3) die Zahl der jüdischen Meister nicht von dem Verhältnisse der christlichen Bevölkerung zur jüdischen abhängig macht, 4) jüdischen Meistern auch die Annahme von Christenknabcn zu Lehrlingen, und 5) gleich christlichen Meistern auch den Handel mit andern als selbstgefertigten Maaren gestattet; 6) hinsichtlich des Besitzes von Grundeigenthum hier und in Leipzig die Juden einer Beschränkung nicht mehr unterwirft, endlich 7) ihnen das Jmmissionsrecht in verhaftete Grundstücke auch außerhalb Dresdens wenigstens so weit gestattet, daß sie nur verpflichtet wären, solche Grundstücke binnen 2 Jahren zu veräußern." Der bekannte Cassel'sche Correspondent des Frankfurter Journals schreibt demselben: „Mit Freuden haben wir zu erwähnen, daß an der neuen Real- und Bürgerschule auch Hülfslehrer für den Unterricht im katholischen Glauben und für den Unterricht in der israelitischen Religion angestellt werden. Was letzteres anbelangt, so ist das unseres Wissens das erste Beispiel in Deutschland und ein bedeutender Fortschritt, wodurch einzig und allein (?) die Emanzipation der Israeliten erst verwirklicht werden wird. Hoffentlich wird dies nichi, namentlich in den Städten Kurhessens, ohne Nachahmung bleibe», und dadurch die israelitischen Se^aratschulen ihrem einstigen Untergang näher gebracht werden. Die Idee hierzu ist seit 12 Jahren häufig in Anregung gebracht worden, auch in diesem Journale schon mehrmals, und endlich hat die gute Sache de» Sieg davon getragen." Der frühere Rabbine Hirsch in Dessau, bekannt durch sein „System der religiösen Anschauung der Juden :c.", ist zum Rabbine» in Luxemburg berufen worden. Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den jüdischen Glaubensgenossen in Frankfurt a. M. hat im verflossenen Jahre 529 Individuen unterstützt. Börne'» Kindheit. (Fortsetzung von Nr. 13.) Aber Börne war noch unglücklicher als ein Jude; er war ein Jude in Frankfurt am Main! Ueberall pflegt doch wenigstens dieBildung den Juden für den Umgang in der Gesellschaft zu emanzipiren; in Berlin und Wien findet unter diesen Umständen kein Unterschied mehr zwischen den Brkenncrn beider Religionen Statt. Aber in Frankfurt ist die Schranke für das ganze Leben gezogen; denn selbst in Hamburg tritt die Großartigkeit des Weltverkehrs und der rein unternehmende Charakter des dortigen Handels immer wieder bindend zwischen zwei Bereiche, die in der Gesellschaft sich allerdings auch dort wechselseitig ausschließen. In Frankfurt ist der Judenhaß bei den Christen eine aus den ältesten Zeiten überkommene Umgangstugend, eine Art fashionabler Sitte, von der sich weder der junge Elegant noch die junge Schöne ausschließt; selbst Bettina verräth in ihrem Briefwechsel, daß sie zum Judenhaß erzogen wurde. Der alte reichsstädtische Uebermuth erprobte seine Kraft von jeher an der Hülfslosigkeit der Juden, wofür nicht nur in Frankfurt Gemälde zeugen, die früher dort an öffentlichen Gebäuden die Unterdrückung der Schutzbürger versinnlichten, sondern noch eine Menge von Sitten und Rechten, die, da sie gesetzlich nicht aufgehoben sind, jeder Christ gegen einen Juden in Anwendung bringen dürfte, wenn sie durch die fortschreitende Bildung der Zeit nicht in Vergessenheit gekommen wären. Zu Börne's Jugendzeit wurden noch die Juden um eine bestimmte Stunde der Nacht in ihrem traurigen Quartier, der von Spindler^ zum Schauplatz eines Romans gewählten Judengasse, eingeschlopen; auf ihren Spaziergängen auf den Wall durften sie nur den Fahr-, nicht den Fußweg betreten; das Mach MoreS, Jud! hat bekanntlich Börne selbst sehr witzig auf den Frankfurter Senat angewandt, der nun auch vor den fremden, bei ihm eingelegten Garnisonen Mores machen müsse. Die vierzehn nur erlaubten jährlichen Ehen sind zwar der Aufklärung der Zeit gewichen; sogar einige der reichsten Banquiers sind in das christliche Casino ausgenommen worden; aber sonst dauert die Abneigung und die Trennung immer noch fort. Der jüdische Knabe ist in der kecken Sprache der Stadt ein „Juddebub", die Casinos und die Gesellschaften vermischen sich nicht, die jungen noch so reichen und höchst gebildeten jüdischen Damen kommen mit den weiblichen Sprößlingen der stolzen Patriziergeschlechter in keinerlei Berührung; nur im Theater und Conzert läßt sich die Begegnung nicht vermeiden; sogar die Freimaurerlogen, die doch der Bruderliebe und dem Gott, der das „höchste Wesen" ist, mag er nun Brahma, Allah, Jehova oder Christus heißen, gewidmet sind, selbst diese schließen sich einander aus und mauern jede nach ihrem eignen Religionsbekenntnisse. (Fortsetzung folgt.) So eben ist bei F. Eßmann in Minden erschienen und in allen Buchhandlungen Deutschlands und Rußlands, in Hersfeld und Homberg bei F. S ch u st e r, zu haben: Ueber die Möglichkeit der B«-en-Emanerpatio« im christlich-germanischen Staate von H. E. Marcard. geh. 11 £ Sgr. Der Verfasser hat seinen Gegenstand aus den durch den Titel angedeuteten Gesichtspunkten mit ebensoviel Leichtigkeit und Witz als Gründlichkeit und Entschiedenheit behandelt, und das Werk wird, je nach den verschiedenen Ansichten, angenehm oder ärgerlich wirken, jedenfalls aber anregen. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.

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