Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-03-05 · Heft 10 (5.3.1843) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 10 (5.3.1843)
Date
1843-03-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2566856-2566867--0567-2568232
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«ud dir Unterdrürbl»- Ächekner, wle ganzer Menschewklassen, sie Löge» im Osten oder im Westen seufzen, möge» zu de» Beschnitt- «ett oder Unbeschnittsen gchSren. Darin besteht des Verfassers Protestantismus.« Es wird nun die Predigt mit einem vortreffliche», die reinste Humanität athmende» Gebet nach der Anleitung des ^Vaterunser« eingeleitet,, worauf der Redner beginnt: „Was schauet mein Augel Ist sie da die Zeit, die der Herr verheißen durch seinm Propheten: Mei» Haus heißt rin Bethaus Allen Völkern« (Jes. 57, 7.) Ich sehe Bekenner des Evangelii und Bekenner der mosaischen Lehre hier versammelt, versammelt in dem großen Dome der Natur, zu dem der König aller Könige den Grundstein gelegt; und der da bleiben wird, wenn es keine Dome und keine Könige mehr geben wird auf Erden. Zn diesem Tempel heiße ich euch Alle: Willkommen! Gesegnet wer da kommt im Namen des Herrn, wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid! <Psalm 118, 26.)« Der Text ist Ps. 50, D. 11 rc.: „Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde« rc. und die hierauf sich gründende Eintheilung: Christ! Entrichte deine Schuld! Christ! Erkenne deine Noch! Christ! Erfülle deine Pflicht! Gern möchten wir nun die ganze Predigt abschreiben, beschränken uns jedoch hier auf diejenigen Stellen, in welchen der Verfasser sich mit dem edelsten (und leider! noch seltenen) Freimuth über die Gehäßigkcit und die Vorurtheile gegen die Juden ausfpricht. So sagt er in der Ausführung des ersten Satzes: „Als> in Tagen des verheerenden Feuers der Mensch im Menschen einen wohlthätigen Engel erkennen und lieben lernte; als die Unterschiede, bi« der Stand und die Kirche sanctionirtcn, verschwanden und der Christ dem Juden und derJude dem Christen ohne nach seinem Glauben zu fragen, mit Rath und That zu Hülfe eilte: mag Wohl so mancher unter euch von seinen Vorurtheilen gegen unsere israelitischen Mitbewohner zurückgeommen sein, und in der Stille des Herzens diesen Vorurtheilen den Abschied zu geben, sie nicht wieder aufkommen zu lassen und denselben keine neue Nahrung zu reichen, gelobt haben. War es nicht so? Nun, so bezahle dem Höchsten deine Gelübde, Christ! und entrichte deine Schuld; lerne von deinem jüdischen Mitmenschen besser denken; überzeuge dich, daß Er keinen Unterschied kenne und dulde zwischen Mensch und Mensch, weder im Glück, noch im Unglück. Was dir dein Meister — das hat ihm sein Vater im Himmel gelehrt: Liebt euch Kinder! „Liebe deinen Mitmenschen wie Dich selbst!« „Liebe den Fremden wie Dich selbst«; (Lev. 19; 18. 34.) denn „die Liebe ist ihm der Inbegriff der ganzen Religion!« sie sei dir „des Gesetzes Erfüllung«, Du hast es im Unglück gelobt, mache dein Gelöbniß nicht zur Lüge! Halte Wort! bezahle dein Gelübde! Entrichte deine Schuld! Das ist und darin bestehe des, Christen Dankopfer am Buß- und Bettage!« Eben so schön ist da-, was er im dritten Theile spricht: „Von Gott und den göttlichen Lehren und den göttlichen Vorschriften mehr reden, als thun ist nicht sowohl eine menschliche, als vielmehr eine — jüdisch-christliche Krankheit zu nennen. Es spricht der Jude großthuend von seinem — mosaischen „Gesetze«; es spricht der Christ großthuend von seinem christlichen „Bund,« daS heißt von seiner christlichen — Webe. Es bleibt aber bei beiden die That hinter dem Worte weit zurück: denn beide schwatzen mehr, als sie wirken. Doch ob ich gleich mehrere Juden unter euch sehe: so bin ich doch nicht „an die Schafe im Hause Israels« gesandt. — Haben sie ja ihre eigenen Hirten! —Ich rede an einem christlichen Bußtage zu Christen, und denen allein gilt heute das Wort: „Was schwatzt ihr von Gott und göttlichen Dingen, was traget ihr euren Christenbund ans den Lippen, da ihr doch Zucht hasset und Gottes Wort hinter euch werfet!« — Was thun wir denn so Arges? fragt ihr. Wir müssen den Text-Psalm hören! denn Assaph ist kein Hofprediger der das Schlimmste verschweigt. Er fährt unmittelbar nach unfern Textworten fort: „Wenn du einen Dieb siehst: so läufst du mit ihm; mit Ehebrechern hast du Gemeinschaft; dein Maul lassest du Böses reden und deine Zunge treibt Falschheit.« (Schluß folgt.) Zur gefälligen Notiznahme. Die Mittheilung von Herrn W. in A —d, so treffend sie auch ist, konnte doch keine Aufnahme finden, da der Gegenstand schon in Nr. 5 und 6 besprochen ist. — Herrn-S —- in K —g bitten wir um baldige Einsendung der ihm übertragenen Receusion. Die Redactiv». Eingegangene Schriften zur Recension: Messer, Besorgnisse und Hoffnungen; Schirnding, die Juden in Oesterreich rc.; Sengelmann, das Buch von den 7 weisen Meistern; Philippson, die Judenfrage; Engländer, Andachtsklänge. Bekarrrrtrnachuitg. Vorräthig zu .haben bei F. Schuster in Hcrsfeld und Homberg. De« Sch«eib»rrte«richt füt die Schule und d»S Geschäftslebe» von I. C. G. Dörr, Lehrer an der Bürgerschule in Kassel. 40 Blatt und 56 §§. Anweisung. Preis 1^- Thlr. Dieses Werk, welches bereits in weitem Kreise Anerkennung gefunden hat, auch von Kurfürst!. Regierung der Provinz Niederhessen angelegenst empfohlen wurde, wird besonders weiterstrebenden Lehrern und Geschäftsmann»« eine erwünschte Erscheinung sein. Es ist mit seltener Kunst und Schönheit geschrieben und gestochen und besonders in Ausführung der Idee: eine geläufige, gefällige Geschäftshand zu lehren, von allen zeither erschienenen kalligraphischen Werken unterschieden, wodurch es als erwünscht» Vermittler zwischen Schule und Leben erscheint, und seine übrige Tüchtigkeit um ein Bedeutendes erhöht« Druck und Verlag von F. Schuster in Hersftld.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.