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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-03-05 · Heft 10 (5.3.1843) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 10 (5.3.1843)
Date
1843-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wpch-ufchrift für die Kenntniß des israelitischen Lebms, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgcgeben von Dr. M. H eß, Großhcrzogl. Wcimarschem Land-Ravtinen;u Stadt-LengSfekd bei Eisenach. Skr. 1«. Sonntag» de« S. Mär, 184». IV. Sflfcgitttg. Bvrrno Bauer über die Juden frage. (Schluß von Nr. 9.) Wir brauchen nun auch nicht in Verlegenheit zu kommen, welchen Grund wir für das, was in dem Herzen aller unserer erleuchteten Glaubensbrüder lebt, für die Anschauung des reinen Mo/aismus finden wollen. Dieselbe wurzelt ganz und gar in der Lehre Mosis und der Propheten, sie hat keinen anderen Inhalt, als jene, sie will gleich ihr, mittelst der reinsten sittlichen Vorschriften und wahrhaft religiöse Empfindungen fördernden Zeremonien den Israeliten zum Menschen, zum Menschen im vollendetsten Sinne des Wortes gebildet haben; und wenn sie hiebei manche Gebräuche, welche der Buchstabe der Bibel noch vorschreibt, beseitigt, oder modifiziert hat. so ist sie damit keineswegs dem Geiste der Schrift zu nahe getreten, der da kein anderer ist, als der humane, sittliche, der nur deßhalb sich in jene Zeremonien hüllte, weil für die damalige Weltanschauung diese Hülle nothwendig war, darum aber auch ein anderes Kleid gestattet, ja fordern muß, wenn die Zeit selbst und ihre veredelte Ansicht und Gesittung sie fordern. . Darum sehen wir auch im Talmud, so treffend sonst die Schilderung ist, welche Bruno Bauer von ihm macht, doch ein wahrhaftes Element des Fortschrittes, und zwar deshalb, weil er über den Buchstaben der Bibel hinausging, weil feine Lehrer dem, was ihre Zeit erforderte, Gerechtigkeit und Geltung widerfahren ließen, weil sie, wie bekannt, in solchen Fällen selbst mosaische Gesetze außer Gültigkeit fetzten, weil sie das Recht der Reform der lebendigen Fortbildung des Gesetzes in seiner wesentlichen Bedeutung anwendeten, und somit dieses Recht auch uns, den Lehrern der Gegenwart gestatten müssen. Ueber die Aeußerung, die Bauer aus der neuesten Schrift von Salomon anführt, und über welche er so viel Spektakel erbebt, wollen wir nicht weiter mit ihm rechten, da es einleuchtend ist, daß sie dem Ausdrucke nach nur eine rhetorische Hyperbel ist; die nichts weiter aussprechen will, als die Hoffnung, es werde der Name Jude, es werden die jüdischen Religionsgeme'.nden selbst einst frei und unabhängig werden, frei und unabhängig von dem der Willkühr und Borurtheil, die jetzt noch ihm bürgerliche Zurücksetzung forderte. An eine Erhebung des Judenthums zur Weltreligion in dem Sinne, welchen Bauer uns unterlegt, denken wir aber nicht, und daß auch Salomon nicht daran denkt, können wir aus hundert Aeußerungen in seinen Predigten beweisen. Aber den Glauben haben wir allerdings, und scheuen uns auch nicht, ihn zu bekennen, daß das Christenthum, welches in sittlicher und menschlicher Beziehung bereits vereinigt mit uns ist, es einst auch in dogmatischer, in dem Glauben an einen einigen und geistigen Gott werden werde, und die Geschichte des Christenrbums und namentlich die Auffassung desselben Seitens seiner erleuchteten Bekenner scheint es selbst zu bestätigen, daß jene Hoffnung keine Täuschung sei. Ueberhaupt zeigt Bauer hinsichtlich des.Judenthums der Gegenwart eine solche beispiellose Unwissenheit, eine solche totale Unbekanntschaft mit der dem Blicke klar vorliegenden Wirklichkeit, daß wir uns nicht genug darüber wundem können. Wäre das nicht der Fall, er müßte

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