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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-02-26 · Heft 9 (26.2.1843) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 9 (26.2.1843)
Date
1843-02-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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36 den Beschluß gefaßt, eine Deputation nach Petersburg abzusrnden, um von dem Kaiser die bürgerliche Gleichstellung mit den Russe» zu erbitten, da »ach dem Gesetze vo« 1817 das Bürgerrecht dm Jude« zukommt, sobald fie zum Militärdienste zugelassm werden. Es heißt nämlich tz. 1 des in Folge eines kaiserl. Decrets d. d. 26. Dec. (7. Jan.) 1817 und der Ermächtigung des Statthalters Polens vom 5. (17.) Mai 1817 von der Regierungscommission mit der jüdischen Gemeinde den 6. August 1817 angefertigtey Bestimmung: -Die Bekenner des mosaischen Glaubens, welche im Königreiche Polen wohnen, bleiben von der Militärconscription und vom Militärdienste, sowol in Friedenszeüeu als während des Krieges, befreit, in so lange als sie zum Bürgerrechte nicht zugelassen werden, und zahlen dafür dem polnischen Schatze jährlich .... « Der vom Gesetze klar ausgesprochene Zusammenhang zwischen der Militärpflichtigkeit und dem Bürgerrechte mußte die Judenschaft um so eher zur Absenduug einer Deputation anspornen, als jede anderweitige Besprechung oder Forderung durch die eisernm Fesseln der Censur und durch das peinliche Mistrauen gehemmt ist. — Mit der Zurückdrängung der hiesigen Juden in die für sie seit alter Zeit bestimmten Gassen hat es seine Richtigkeit, und es ist zu bedauern, daß das todtkranke Polen unter den tausend Wünschen, die sein Herz durchwühle«, nur den herauswählt, den noch tiefer stehenden Knecht knechten zu dürfen. Die Ausweisung der Juden aus den sogenannten christlichm Straßen geht von der localen polnischen, nicht aber von der gouvernementalen russischen Behörde aus; ja die letztere läßt nur mit Widerstreben die städtische Behörde gewähren, so sehr sie sich auch fteut, daß die Polen den Russenhaß vergessen und sich mit dem Judenhasse begnügen. Die ganze Staatsform, die Justiz, das Bürgerthum ist hier viel zu wenig auf Ehrgefühl basirt, als daß die Juden das Zusammeuwohnen in eignen Straßen, die ohnehin für die Handelsverhäktnisse die blühendsten find, als Kalamität betrachten sollten, und die gebildetem deutschen Juden der hiesigen Gemeinde, welche die Wohnfreiheit vorzüglich benutzt, waren längst auf eine Ausweisung aus der Christenstadt gefaßt, da die Wohnfteiheit nur erst seit dem Falle Warschaus sich herschreibt. Mit dem Einzuge der Russen in unsere Stadt am 8. Sept. 1831 wurde dem russischen Militär der geheime Befehl ertheilt, sich vorzüglich zu den Juden zu halten, hei ihnen zu essen und überhaupt ihre Zuneigung zu erwerben, da man de» glühenden Haß der Polen kannte und den ^deu, wenn auch nicht Liebe, doch wenigstens nicht solchen Haß zumuthete. Von dieser Zeit an datirt die Wohnfteiheit der Juden. Die mssischen Offiziere, die säst beständig bei uns unter Juden lebten, hatten sich selbst in einen Ghetto einsperren müssen, wenn den Juden die Wohnfteiheit nicht gegeben worden wäre. Elf Jahre sind seitdem verflossen, der Russenhaß hat bei den Polen den Stachel verloren, die Russen leben jetzt unbesorgt unter ihren Feinden, die sich übrigens alle Mühe geben, den Haß zurückzudrängen, und die polnische städtische Behörde beschloß die Ausweisung der Juden aus den christlichen Straßen, um in der brüderlichen Eintracht mit dm Russen nicht gestört zu werden.« 3Ctt ften »ater des Vaterland es. Du König hast die Bahn gebrochen, Hast uns geschenkt das freie Wort Zu Israel hast Du gesprochen: «Auch Eure Fessel schaff ich fort!« Denn als Du zogst durch Breslaus Thorc, So Du bestiegen hatt'st den Thron, Drang da nicht auch zu Deinem Ohre, Der Gruß vom treuen Jacobssohn? Da sprachest Du die schönen Worte: «Christlicher König will ich sein!« Ja, was Du sprachst an jenem Orte, Flößt nnserm Herzen Hoffnung ein! Denn christlich sein und — unterdrücken, Das ist nicht Lieb' die Christus lehrt! Drum willst Du fortan uns beglücken, Nicht dulden, daß man uns entehrt. Drum trau doch nicht der Schmeichler Reden, Die uns anschwärzen vor dem Thron; Gib endlich doch auch uns den Eden, Der schon so lang vor uns gefloh'n. Sind wir denn fremd, nicht hier geboren. In diesem theuern Vaterland? Sind unsre Seelen denn verloren, Weil nicht Ein Glaube uns verband? Ist der Dich schuf für diese Erde, Mir Vater micht und mir nicht Gott? Wollt' Er, daß Paria ich werde, Und ernt' der Christen Haß und Spott? O gib uns doch die Menschenrechte! Und gern gibt Juda hin sein Gut; Es stirbt für Dich im Kriegsgefechte; Es opfert willig Dir sein Blut. Ja, flieht die Nacht, die uns umdunkelt, Geht endlich auf das Morgenroth; So auch der Freiheitsstern uns funkelt, . Und abgethan ist jede Noth: Dann ruf! wir greifen zu den Waffen, Es geht für unsers Königs Heil!! Und mag der Tod uns auch hinraffen, Wir nehmen an den Schlachten Theil. Erkämpfen freudig Deine Siege, And weihen unser Leben Dir! O nimm die Schmach von unsrer, Wege, Mach unsre Jugend, glücklich hier! Soest (in Westphalen). L. H. lidumum. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.

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