Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1843)
- Date
- 1843-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehmig. Herausgegeben von I)r. M. Heß, Großherzogl. Wcimarschem Land-Rabbincn zu Stavt-Lengsfeld bei Eisenach. Nr. S. So««tag, de» S«. Februar ,84». IV. Fahrgaug. Bruno Baue» übe» die Iüben frage. (Fortsetzung von Nr. 8.) Wie unsere Leser gesehen, richtet sich die Kritik von Bruno Bauer nicht minder gegen das Christenthum, als gegen das Judenthum; auch dieses will er ja völlig beseitigt, völlig zu Grabe getragen wissen, ehe auch nur gehofft werden dürfe, daß in christlichen Staaten und für christliche Bürger das Recht und die Freiheit erblühen^ könne. Die Frage hätte demnach beim Verfasser aufgehört, eine Juden frage zu sein; und warum sollten wir also die Antwort übernehmen, warum gerade die jüdischen Journale sich mit ihr beschäftigend Doch dazu ist leider Grund genug vorhanden! Unsere christlichen Brüder können sich nämlich trösten wenn ihnen Bauer dialectisch beweisen will, daß sie keine Freiheit haben, nach der christlichen Weltanschauung keine haben können; die Wirklichkeit lacht sie an und straft den Klagpropheten Lügen. — Uns aber sieht die Wirklichkeit trübselig an, auf uns drückt sie, wie ein Alp, und möchte es noch immer nicht dahin kommen lassen, daß wir ihre gleichberechtigten Söhne werden. Da tritt uns nun aber, insofern dieses auch unserer Vergangenheit gilt Hr. Bruno Bauer scheltend und tröstend zugleich, mit der Bemerkung entgegen: Was betrübt ihr euch darüber? das macht euch ja nur Ehre! Ein Nichts kann man nicht drücken! Was man drückt muß in Lebensweise und Vorstellungen Andern entgegengesetzt sein!" Große, anstaunenswerthe Weisheit. Wir sollen uns darüber freuen, daß wir nicht ein Nichts sind, kein Stein und kein Holz, welche man nicht drücken kann! Als ob es sich nicht von selbst verstehe, daß der Druck, welcher von jeher das Vorurtheil, die Ungerechtigkeit, die Tyrannen und Geißeln der Völker ausgeübt haben, Menschen galt, Menschen, die jenen Tyrannen entgegen waren, fie in ihren Gedanken und Gelüsten störten, als ob damit unserer früherer Druck erklärt, tröstend erklärt fei, weil er wegen unseres Widerspruches gegen das Bestehende, gegen die religiöse Vorstellung derjenigen, die da die Gewalt über uns hatten, verhängt ward. „Aber, entgegnet Herr Bauer weiter, unser Widerstand galt dem geschichtlichen Fortschritt, dem Fortschritt der in der christlichen Weltanschauung gegenüber der jüdischen lag!" — Allein ist eine Weiterbildung des Irrthums — und als solchen sieht Bauer das Cbristenthum an, — auch ein Fortschritt? Muß nicht, wie er selbst sagt, jeder Fortschritt aus dem Innersten des Menschen kommen, aus der freien, felststandigen Entwickelung feines Geistes kommen? Und hatte das Christenthum nicht zu feiner Voraussetzung den Glauben, den Glauben an den bereits gekommenen Heiland, dem kein anderes DE^sich mit mehr Bereitwilligkeit, als das nach Heil und Erlösung sich sehnende der Juden zugewendet haben würde, hätte es sich aus Ueberzeugung ihm zuwenden kennen? Und dennoch sollte sein Widerstand ein Widerstand gegen den Fortschritt, gegen die geschichtliche Entwickelung sein? Doch die Zähigkeit — meint B. weiter — fei einmal den Orientalen eigenthümlich, und ganz besonders müsse das Volk der Israeliten sich gegen jeden Fortschritt abfchließen, da ihm sein Gesetz „als etwas Fremdes gege-