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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-01-29 · Heft 5 (29.1.1843) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 5 (29.1.1843)
Date
1843-01-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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20 wähnte, ist wcchrlich ein ernstes und glorreiches Zeichen des Fortschritts ihrer geistigen Cultur und wird für sie selbst zur Milderung und Aufklärung ihrer Religionsbegriffe die wohlthätigsten Folge» haben; denn ein Schritt im Guten führt eben so sicher zw» Bessern, als umgekehrt das Böse immer Böseres Muß gebähren. Heil dir also, edles Volk, das uns in so Vielem schon vorleuchtete und nun auch die Axt an jene stupide Barbürei gelegt hat, mit der wir im ganzen Europa so lange Zeit zu unserer ewigen Schmach, eine zahlreiche Klasse unserer Mitmenschen verfolgten und erst selbst verderbten, um sie nachher dieser Verderbniß wegen anklagen zu können. Es ist ein schöner, edler Sieg der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, der Welt zum Beispiel aufgestellt, und wir wollen gern einen Schleier -darüber decken, welche Tendenzen zu derselben Zeit bei uns Ln dieser Hinsicht laut wurden. Ich weiß nicht, wie andere Christen darüber denken, aber was mich betrifft, so kan» ich wohl sagen, daß, seit ich zu Verstände gekommen bin, ich nie einem gebildeten Juden begegnete, ohne mich gewissermaßen vor ihm zu schämen, indem ich lebhaft fühlte: daß nicht wir zur Verachtung seiner Glaubensgenossen, wohl aber er zur Verachtung der unsrigen ein Recht habe. Es wird nun auch dabei nicht bleiben. Die heutige Zeit mit all ihren Mängeln und Geburtsschmerzen tritt dennoch ein gehässiges Vorurtheil nach dem andern in den Staub, und wenn fie durch ungeschickte Auffassung zuweilen nur wieder eine, momentan erfolgreiche, Reaktion bewirkt, auch oft selbst das arme Kind gleich mit dem Bade verschütten will, so muß sie, nach dem göttlichen Gesetz, am letzten Ende doch ohnfehlbar dahin kommen, wohin sie steuert, — zum Reiche der Vernunft. Homiletische Revue. Die Erscheinung des Herrn im Menschenleben. Predigt, gehalten in der Synagoge zu Kassel von vr. S. Leviseur. Kassel, 1842. Es gibt immer ein neues, schönes Zeugniß von der Kraft, welche die jüdische Religion auf ihre Bekenner ausübt, wenn selbst diejenigen, die nicht gerade den amtlichen Beruf haben, in der Synagoge zu sprechen, dennoch wo sich die Veranlassung einmal dazu bietet, das Wort mit einer gewissen Gewandtheit handhaben können. Diese Erscheinung tritt uns in der vorliegenden Predigt entgegen. Man kann sie sowohl hinsichtlich des Inhalts als der Form eine gelungene nennen. Die Gedanken find keine gewöhnlichen, die Auffassung acht religiös, und die Dictton einfach und edel; auch die biblischen Sprüche gut angebracht, wenn gleich die talmudische Exegese hie und da aus Rückficht auf die Zuhörer etwas herbeigezogen. Man sieht es der ganzen Predigt an, daß Fleiß und Nachdenken darauf verwendet wurde, daß der Verfasser etwas Gutes geben wollte. Machen NM auch alle diese Eigenschaftm noch nicht den Prediger, muß in diesem vielmehr eine höhere Kraft sprudeln, eine Gluth der Begeisterung, eine hohe, heilige Idee, der er mit seinem tiefsten Wesen angehört, und der Worte zu geben, ihn der Geist treibt: so können wir uns, wie gesagt, doch nur freuen, wenn das göttliche Wort mit Gefühl und Geschicklichkeit auch von nicht eigentlich berufenen Predigern verkündet wird und gratuliren dann dem Verfasser zu seiner wohlgelungenen Leistung. Friede, Freiheit und Einheit. Sechs Predigten, gehalten in der Synagoge zu Dessau von Samuel Hirsch, (vormaligem) Anh. Dess. Landes - Rabbinen. Hier spricht wirklich ein Rabbine, aber Predigten sind diese Vorträge wahrlich nicht zu nennen, da sie von allem dem, was die Predigt erfordert: ein populäres, erbauliches Element, natürliche Entwickelung der Gedanken, Beredsamkeit und Einfachheit der Diction nur wenig, öfters das Gegentheil enthalten. Es find mehr scharfsinnige, allegorisirende Betrachtungen, voll von Philosophie und rabbinischer Gelehrsamkeit, als welche beide dem Verfasser in hohem Grade eigen sind, und es ist gar nicht zu bezweifeln, daß der denkende Theil der Dessauer Gemeinde sie mit Anregung und Interesse gehört hat, wie sie denn auch dem Leser in philosophisch-religiöser Beziehung manche interessante Wahrheit bieten, aber als Predigten hätte sie der Verfasser nicht in die Welt schicken sollen; als solche bilden sie eine wahr« hafte Curiosität. Rede bei der Einweihung des neuen Gotteshauses in Schwarza, gehalten von Dr. Adler, Districtsrabbiner in Kissingen. Wir hatten schon früher eines gottesdienstlichen Vortrages des Verfassers gedacht und gestehen offen, daß uns sein Fortschritt auf dem Gebiete der geistlichen Beredsamkeit auf das Freudigste überrascht hat. In der Rede, welche jetzt vor uns liegt, begegnen wir — wenn auch die rechte Höhe der Begeisterung, wie sie der Anlaß erheischte, fehlt — doch einem so einfachen beredeten, auS dem Herzen strömenden Ausdruck, einer so erleuchteten Gesinnung und einer so erbaulich-sinnigen (wenn auch zu oft gebrauchten) Deutung der Zeremonien, daß wir sie zu dem Erfreulicheren, was die jüdische Homiletik in neuester Zeit geleistet, zählen können. Der Verfasser ist ganz auf dem Wege, eine homiletische Cclebrität zu werden, und wenn er nur auch der Form noch mehr Vollendung widmet, die Gedrängtheit der Gedanken vermeidet, die sinnigen Stellen aus den Alten nicht zu oft und mit mehr Leichtigkeit einfließen läßt, auch nicht, was die Begeisterung erschöpft, zu lange spricht (die vorliegende Predigt enthält 52 Seiten): so werden wir ihn bald zu den vorzüglicheren Kanzelrednern in Israel zählen können. Dafür bürgt uns schon das wahrhaft Hinreißende, welches seine Worte haben, wenn er selbst vom Gegenstände ergriffen ist und wovon die wirklich tief ergreifende Weise, mit welcher er in dem fraglichen Vortrage die Feicrlichkeitszeremonien den Zuhörern gedeutet und erklärt, einen schönen Beleg abgibt. Druck md Verlag von F. Schuster in Hersftld.

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