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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-01-15 · Heft 3 (15.1.1843) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 3 (15.1.1843)
Date
1843-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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12 Ouadraischrist und ohne alle Abbreviaturen gedruckt. Der Com- »ueutar Ioscphat ist, wie der vorhergenannte, interpungirt, wodurch die Verständlichkeit desselben um Vieles erleichtert ist. Die Lu beiden Ccmmentaren verkommenden fremden Wörter sind übersetzt und erklärt. An jeder Seite des Textes sind die schwierigsten Wörter nach ihrer Analogie mit den orientalischen und occidcntalischen Sprachen erklärt, wobei das rein talmudisch Abweichende angegeben ist. Nächstdem ist an jeder Seite ein hebräischer Commentar, ähnlich dem Mendelsohn'schen zum Pentateuch, beigefügt, dem sich zuletzt der Commentar des R. Ascher, mit Verbesserungen und Erklärungen der Halacha, sowie der Commentar des MaimcnidcS, Meharschal und Meharscha anschließcn. In Hinsicht des Typographischen und der Correktheit läßt das Werk nichts zu wünschen übrig." Dr. G. Salomon. (Schluß von Nr. 2.) „Schon frühzeitig bereitete sich unser S. zu dem Berufe als Kanzclrcdner vor. Der Lehrstuhl, worauf das Wort des Herrn verkündet werden sollte, schien ihm verwaist, oder mit Rabbinern und Darschanim.bcsctzt, die keiner Sprache recht mächtig waren, das Bcdürfniß oder die Anforderungen der Zeit nicht kannten, und so statt Belehrung und Erbauung zu bezwecken, lieber das Volk mit Dingen aus dem Talmud in einer verderbten Sprache unterhielten, die sich zu ihren verwirrten und verwirrenden Vorträgen recht gut schickte. Derb, rüstig und. sarkastisch zieht unser S. gegen derartige Vclksredncr und Verfinfterer zu Felde, sich aus Maimonidcs, dessen Lebensbeschreibung er uns in der Sulamith 2r Jahrgang, 2r Bd. S. 376 — 412 lieferte, stützend. „Maimonidcs zielt hier",» sagt S. in den Anmerkungen zu einem Briefe an seinen geliebten Schüler Rabbi Iosua, „nicht sowol auf manche Schriftausleger, als vielmehr auf viele sogenannte Prediger — Darschanim oder Volksvcrmahner — Mochichim, die alles, waS ihre kranke Phantasie oder ihr verschrobener Verstand, oder die Mißgeburten ihres Witzes zur Welt bringen, entweder mit einem Vers aus der heiligen Schrift belegen, oder keck genug sind, zu behaupten, daß der oder jener heilige Schriftsteller ihrer Meinung in diesem öder jenem Ausdrucke gewesen sei. Man sollte cs nicht glauben, daß diese Leute sehr oft ein bedeutendes Auditorium haben, die gaffend die große Rhetorik bewundern und der Wunderlehre horchen, die dem possierlichen Demosthenes von den Lippen fleußt. Sollte einst der Preis des Papiers fallen, oder, welches Verhältniß so ziemlich gleich ist, das Makulatur steigen, so soll eine Sammlung solcher Predigten im Druck erscheinen." Vielleicht haben auch nächst dem Vorhergesagten, die von seinem Collegcn und Freund 2. Wolf in der großen Synagoge zu Dessau gehaltenen geistreichen und vortrefflichen Reden so auf ihn gewirkt, daß er es sich ebenfalls zur Bestimmung machte, dereinst als Redner aufzutreten. Edle Gemächer, feurige Geister, werden sehr leicht zur Nachahmung hingerissen, und sie finden Impuls, sobald sie sehen, daß sie nützen. — Bei einer Gesellschaft zur Ausstattung armer jüdischer Bräute, hielt er zuerst Vorträge, die uns die Sulamith und seine so sehr beredete und beliebte Schrift „Sclima's Stunde der Weihe" ausbewahren, und die späterhin unter dem Titel „einer Sammlung Predigten" Dessau bei Ackermann erschienen. — Als Gatte ist S. zärtlich besorgt, sanft und brav. Sein Haus als Tempel, sich und seine Gattin als Priester und Priesterin zu betrachten, war stets sein Streben, seine Wonne. Mit wahrem Vergnügen erinnere ich mich der Augenblicke, wenn ich nach vollendeten Schulstunden in das Haus des verchrungswürdigen Mannes, den ich das Glück habe meinen Lehrer und Landsmann zu nennen, trat, und ihn im Kreise seiner Familie antraf, wie überaus glücklich der gute Mann, nach des Tages Lasten und Mühen war. Sein ältestes Kind hing an ihm, liebkosete den lieben Vater, und sein jüngstes saß auf seinem Schooße. Wie da sein Antlitz glänzte, wie da oftmals Thränen der Freude in seine Augen traten! Wäre ich Maler, ich könnte diese herzergreifende, beglückende und überraschende Scene darstellen. Die schönen Züge über Familienglück, über Familienglückseligkeit, die S. in seinen spätem Predigten darstellte, sie sind praktisch, bewährt, von ihm selbst als wahr befunden — sie sind aus seinem Leben, aus seinem Familienleben gegriffen. Wie als Gatte und Vater zeigt sich S., als Sohn. Auf eine zarte, sinnige und liebende Weise, weiß er seine alten, jetzt noch lebenden Eltern zu ehren. Als vor ungefähr 10 Zähren sein Vater Liepmann sein siebenzigstes Geburtsfest feierte, konnte zwar der gute S. Krankheit halber nicht erscheinen, aber der herzlichste Glückswunsch mit einer schönen FesteSgabe begleitet. Für den anständigen Lebensunterhalt sorgt er gewissenhaft, ja er vergißt auch seiner Brüdern und Schwestern, deren einige leider! durch die Umstände der Zeit heruntergekommen sind, nicht, und seine Liebe erstrecket sich auch auf deren nachgelassene Kinder. Deshalb auch sprechen S. Predigten über Kindes- und Menschenliebe an. Sie kommen vom Herzen, sie gehen zu Herzen, sie müssen zu Herzen dringen, denn in Flammenworten weiß er den! Lohn für gute Kinder, die herzzerreissende Marter gefühlloser Sohne und Töchter, die das liebreiche Verhältniß brechen, zu schildern. Die Predigt wohnt bei ihm im Herzen, die Sprache leiht ihm nur die Worte; aber Worte, Liebesworte, Worte der Anregung zum Wohlthun gegen Eltern, Lehrer, Freunde, Brüder, Schwestern, Vaterland, Mensch und Menschheit. Wem so das Herz auf der Zunge schwebt, der muß wahr, der muß herrlich sprechen, der muß den Sünder schrecken und zurückweiscn auf den Pfad der Tugend; der muß, wie der treffliche Dr. Zost von Dr. Kley und von unserm S. in seiner Geschichte der Israeliten 9. Bd. S. 191 so wahr als richtig bemerkt: „die Erbauung befördern und die zerstreuten Kinder wieder zum gemeinschaftlichen Gebete und zu religiöser Betrachtung sammeln." Druck und Verlags von F. Schuster in Hersfeld.

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