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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-01-08 · Heft 2 (8.1.1843) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 2 (8.1.1843)
Date
1843-01-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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stricken, militärischen oder medicinischen Laufbahn widmen wollen. Bei einer Seelenzahl von 130V Juden besuchten 13V Knaben Gymnasium, die National- und König!. Israelitische Realschule, und das Konservatorium der Musik zählte unter 63 Zöglingen 21 israelitischen Glaubens. Rn der Universität Kiel liest jetzt ebenfalls ein Israelit über Kamcralwisscnschasten und Nationalökonomie. Es ist rin vr. Wilda aus Hamburg, der mit dem freisinnigen Dcputirten von Necrgard eine landwirthfchastliche Zeitung hcrauSgiebt. Hingegen hat der Stadtrath in Genf, auf dem freien, republikanischen Boden der Schweiz, ein Gesuch der dortigen zahlreichen Juden, in der Stadt ihren Gottesdienst halten zu dürfen, abgeschlagen. vr. G. Salomon.*) Salomon, Gotthold, früher Gustav, vr. der Philosophie und Prediger am neuen israelitischen Tempel in Hamburg, geboren am 1. November 1784 zu Sandcrsleben, einem Städtchen im Anhalt - Dessauischcn. Bis zu seinem 15. Jahre beschäftigte er sich, uuter ziemlich guter Anleitung, größtcntheils mit der hcbräisch-rabbinischcn Literatur uyd besuchte zugleich die dasige Stadtschule. Sein Onkel, der rühmlichst bekannte Rabbine Meister oder Heinemann sowol als der an der Stadtschule angestellte Lehrer, wollen schon frühzeitig die schönsten Anlagen, den regsamsten Fleiß, die größte Aufmerksamkeit an ihm entdeckt haben, die zu den schönsten Erwartungen berechtigten, worin sie auch unser vortrefflicher S. nicht täuschte. Seine Eltern, dies bemerkend, bestimmten ihn zum Nabbinen, und schickten ihn in dieser Absicht nach Dessau, wo damals ein — sogenanntes — Gymnasium für Theologie studirende Israeliten bestand. Nachdem er I,ier zwei Jahre, unter der Leitung eines gelehrten Polen den Tmlyiud studirt, und die Idee, Nabbine zu werden, ausgegeben hatte, bereitete er sich, bei vielen Sorgen und Mühen, da er von Hause aus keine Unterstützung annahm, auch nicht zu erwarten hatte, dennoch sorgfältig auf das Studium der Arzneiwissenschast vor. Jndeß verhinderte ihn diese seine Bermogenlosigkeit, die Akademie zu beziehen, und so entschied er sich nun für das Fach der Erziehungswissenschaft, worin er so viel Herrliches leistete und noch leistet. — Kaum 17 Jahre alt übernahm er die Stelle eines Privatlehrers, im 18. Jahre wurde er an der Haupt- und Freischule (jetzt Franzschule) in Dessau angestellt. Beinahe 15 Jahre war er eine Zierde dieser Anstalt und der dortigen israelitischen Töchterschule, und Hunderte von Jünglingen und Jungftaueu danken ihm einen großen Theil ihrer Bildung. Die schönen Aufsätze über Erziehung und Ausbildung des werdenden Menschen, die Salomon in den Zeitschriften Sulamith und Jedidja niedergelegt hat, liefern die besten Beweise, von welchen richtigen Ansichten er über das Bildungsgeschäst ergriffen ist. Abgerissene *) Aus S. L. Licpmannssohn Volksbuch für Israeliten. Stellen würden hier nicht am rechten Orte sein. Man lese und überzeuge sich selbst! — Nicht allein durch seine brave Erziehungsweise begründete er seinen Ruf, sondern durch seine Schriften, die ihm allgemein den Namen eines Schöngeistes erwarben; und diesen hat er es wol größtenrheils zu verdanken, daß er im Jahr 1818 als Prediger des neuen israelitschen Tempels zu Hamburg berufen wurde, wohin er 1819 abging. Im März desselben Jahres ertheilte ihm die Universität zu Jena die philosophische Doktorwürde, und einige Monate später der Landrabbine Mendel Steinhard zu Paderborn (vormals geistlicher Consistorialrath bei dem israelit. Consistorium zu Cassel) das Rabbinrn-Diplom. Seit 1819 ist der uncrmüdete S. beschäftiget — Licht, Liebe und Aufklärung unter seinen Brüdern und Schwestern in Israel durch Wort und Schrift zu verbreiten, und es ist wahrlich nicht zu viel gesagt, wenn man S. einen Platz unter den besten deutschen Kanzelrednern anweist, wozu man schon nach dem Urthcilc des Prof. H. W. Diefenbach in seiner trefflichen Schrift (Jüdischer Professor der Theologie auf christlicher Univerversität 1821) berechtigt ist, der unfern S. den israelitischen Dräseke nennt, welches Lob er aber in dem Vorworte zu seinen Festpredigten bescheiden ablehnt. — Scharf faßt er jedesmal seinen Gegenstand auf, beleuchtet ihn sorgfältig, knüpft die schönsten und besten Lehren an, macht die herrlichste Nutzanwendung, ermahnt, warnt, bittet, so daß Niemand dem geistreichen, ja, ich möchte sagen — begeisterten Redner widerstehen kann. In der Vorrede zu seinen „Festprcdigten« für alle Feiertage des Herrn, Hamburg 1829, spricht sich S. S. XI u. f. deshalb über die Form und den Zuschnitt seiner Predigten, um hämische, fanatische Tadler und ungeziemende Lobhudler abzuweisen, so wahr als richtig aus: ' «Nach des Verfassers Dafürhalten soll weder der Leib noch die Seele nach irgend einem bestimmten System und einer Lieblingsmethode geheilt werden. Leibes- und Seelcnärzte sollen sich bei ihrem wichtigen Beruf nur nach dem jedesmaligen Kranken und nach der jedesmaligen Krankheit - richten. Ich habe daher auch bei vorliegenden Reden nicht immer eine und dieselbe Disposition, nicht dieselbe Einthcilung; zuweilen kam es mir gerathener vor, den Gegenstand selbst ganz ohne Einleitung zur Sprache zu bringen, und die Hörer dadurch zu überraschen, oder zu ergreifen; zuweilen durch die Einleitung erst den Weg zu bahnen; zuweilen mit dem Gebete zu beginnen; zuweilen mit dem Gebete zn schließen. Die Stimmung des Redners muß hierbei auch eine Stimme haben, und am bereitwilligsten sollte man von dem jedesmaligen Bedürfniß der Gemeinde homiletische Gesetze annehmen. Dadurch wird die Rede lebendig, und was sie an der Form verliert, gewinnt sie am Geiste.« Und schon früher S. IX der Vorrede heißt es: „Tie Propheten Israels haben auch gepredigt, und der Herr hat denselben eine gelehrte Zunge gegeben, daß sie wußten mit dem Munde zur rechten Zeit zu reden (Jesaias 50, 4.), obgleich ihren Vorträgen unsere Predigt-Form ganz und gar abgehet.« Druck und Verlag von F. Schuster in HerSseld.

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