Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 Wünsche des Landes, dem sic angehören, nicht getheilt, sobald sic nur wußten, daß man sich ihrer Thcilnahme freuet?" (Schluß folgt.) Hamburg, das so hart geprüfte Hamburg hat jetzt den ersten Beweis seines Fortschrcitcns auf der Bahn edler Rechtsachtung gegeben; es hat auch seinen israelitischen Einwohnern die Erwerbung von Grundbesitz in der Stadt und ihrem Weichbild« gestattet. — Große Bewegung herrscht unter den Juden in Polen. Der Kaiser hat das bisherige Nckrutcngcld derselben abgeschafft und sic zur Milirärdienstpflichtigkeit gezogen. Wie sehr der König von Preußen im Einzelnen das Verdieust auch bei Israeliten zu schützen wisse, hat er neuerdings dadurch bewiesen, daß er den vr. ined. Wessely in Nordhausen den Titel eines Sanitätsrathcs verlieh. Bei der sonst bekannten Humanität der Großherzogl. Sächsischeu uud Herzoglich Sächsischen Regierungen *) muß das, was kürzlich in einem öffentlichen Blatte erzählt ward, an das Räthselhafte grenzen: Ein junger Mann jüdischer Religion, der die Rechte studirt batte, wünschte, da er in Jena seine Studien begonnen, dort auch zu promovircn. Er wandte sich deshalb erst behufs näherer Erkundigung an eineu dortigen Professor, der nach einiger Zeit erwiderte, altere Statuten verhinderten die Promovirung eines Juden. In der Zwischcnzcir jedoch hatte er sich schon an den Decan selbst gewandt, von dem er nach einige» Tagen folgende Antwort erhielt: ,,Ew. Wohlgcboren bedauere ich lebhaft, auf Ihre geehrte Zuschrift erwidern zu müssen, daß nach höchst bestimmten Dorschristen der Durchl. Erhalter unserer Universität vom Jahre 16 30 der hiesigen juristischen Facultät die Gradnirnng eines Bekenners des mosaischen Glaubens untersagt ist." In Frankreich bedauert man sehr den Tod eines hochgeachteten Israeliten, dcs.Consul aus Haiti, Fr«dcric Cerfberr, rer in dem unglückseligen Maimonatc dieses Jahres zur Zeit des furchtbaren Erdbebens auf Cap Hattien lebte, dort seine einzige blühende Tochter unter den Trümmern des französischen Eon- | sulatgebäudes umkommen sah, selbst durch die fallenden Ruinen j mehrere Wunden erhielt, durch die darauf folgende Feucrsbrunst und Plünderung des größten Theils seines Vermögens verlustig ging, und sich zur Herstellung seiner Gesundheit und zu persönlicher Betreibung seiner bei der franz. Regierung eingcrcichten *) So hat erst kürzlich der Herzog von Meiningen einen Israeliten zum Auditor beim Ober-Landesgericht bestellt, und im Großheozogthum Weimar hat man vor längerer Zeit einen Israeliten zum Examen gelassen, und ihm die Aussicht auf eine Advokatur erösftiet. Ansprüche an den Staat von Haiti nach Frankreich begeben I wollte. Aber schon auf der Reise nach Europa, mitten ans ho-! hem Meere, aus der Ueberfahrt von Rew-Aork nach Havre, 26 Tage vor dem Einlaufen des Schiffes in diesen französischen Hafen, ereilte ihn der Tod. Seine Gattin stand an seinem Sterbelager und wachte bis zur Ankunft auf französischem Boden über seine Leiche. Kimchi. *) Bei den Rabbincn, wie bei allen Schriftstellern des Mittelalters war es Gebrauch, kein Buch zu veröffentlichen, ohne ihm einige Verse voranzuschickcn die sich auf das Lob des Werkes bezogen, oder dazu bestimmt waren, eine Idee von seinem Inhalte, zu geben. In dieser Gattung findet man am Eingänge des „Michlol" **) einige sonderbare Verse von Kimchi, von welchen hier die Ucbcrsctzung folgt: „Die Einsicht und das Wissen stehen zu meiner Verfügung, ich werde sprechen lehren, denen, die da stottern! Meine Worte werden auf sie fließen wie der Thau auf das eingesammelte Gras, mein Wissen wird sich ergießen, wie ein lieblicher Regen!" „Ich rufe den Namen Gottes an, daß er mir seinen Beistand leiste; denn er allein ist meine Hoffnung, ich setze auf ihn mein ganzes Vertrauen." „Er kennt die Reinheit meiner Absicht, er prüft meine Gedanken und er liest in der Tiefe meines Herzens, daß nicht der Wunsch wir einen Namen zu machen, mich bestimmt. Ich schreibe keineswegs, um mein Gedächtniß zu verewigen und einen glänzenden Ruhm zu erwerben, sondern um denen Geschmack zu bieten, welche die heilige Sprache entstellen, um denen einen heilsamen Balsam zu bieten, deren Lippen auSgetrocknct sind, — eine Erholung für die Wissenden, und die Weisen werden die Speise schmecken, welche ich ihnen würze; mein Buch wird mich immer zu sich zurüürusen. Ich werde cS unaufhörlich schmücken, wie ein Geschmeide, das meine Stirn schmückt, es wird mein Gold sein und mein Silber und Alles, was ich von größeren Kostbarkeiten habe; cs wird mein Brod sein, zur Zeit, wo ich Hunger habe, mein Degen, wenn sich ein Streit über die Sprache erhebt; cs wird den Tisch zurecht stellen, für die, die da ausgehungert sind, und cs wird der Tisch der heiligen Sprache sein, denn sie ist es, welche in meinem Buche lebt." „Wenn Jemand es verhört und fragt, wer es zur Welt gebracht habe, so wird es erwiedern: es ist der Geist von Daviv Kimchi." — *) AuS den Archivcs Israelites, welche es einem Manufcripte von Bcddaridcs entlehnten, **) Ein berühmtes Werk von Kimchi, Druck und Verlag von F. Schuster in HrrSfeld.