Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1842)
- Date
- 1842-12-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit deS neunzehnten Jahrhunderts. Ei» Wochenblatt für die Kcnutiiiß des israclirischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, <Sroßhcr;ogl. Weimarschcm Land-R.rvdlncn EraSt-LengZscld bei Eisenach. Nr. 52. Sonntag, den 25. Deeember 1842. III. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. W» die verehelichen Leser! Mit dem 1. Januar 1843 beginnt „der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts" bereits seinen vierten Jahrgang. Die Theilnähme des Publikums hat mit jedem Jahre auf die erfreulichste Weise zugenommen. Gar bald würdigte man und mußte würdigen ein Organ, daö sich zur Aufgabe gesetzt, daS Judenthum zu regeneriren, es in Einklang zu bringen und zu erhalten mit den Forderungen der Zeit, mit den Ansprüchen der Wissenschaft. Alle, denen die Idee des Fortschrittes, denen ein erleuchtetes und lebenskräftiges Judenthum eine hohe und heilige Angelegenheit ist, haben daher auch dem „Israeliten des neunzehnten Jahrhunderts" ihre Theilnahme zugewendet, und selbst die Fürsten und Negierungen Deutschlands sind nicht zurückgeblieben. Unsere Zeit ist eine im Kampfe, im Kampfe für die heilige Sache der Wahrheit und des Fortschrittes begriffene; diesen zu dienen, sie mit Liebe und Begeisterung zu vertreten, wird ferner das hohe Ziel dieser Zeitschrift sein. Wir zweifeln darum nicht, daß die verehrlichcn Leser ihr ihr Wohlwollen erhalten, und daß dieselbe in immer weitere Kreise dringen werde. Ter Preis des Jahrganges bleibt 3 Fl., oder 1 Thlr. 20 Sgr. und bittet man Bestellungen baldmöglichst bei der Nächstliegenden Buchhandlung zu bewirken. Hersfetd, im Dcccmber 1842. Die Buchhandlung von F. Schuster. Rückblick auf das Kahr 1842. Was ist der Zeiten Gang, was ist Geschichte? Geschichte ist ihrer Natur nach Bewegung, Kampf, Kampf der Menschheit mit dem, was sich ihrem Ideale cntgegenstellt, was sie in der immer größeren Annäherung zu demselben hemmen, hindern will, und die immer stärkere Ueberwindung, Befreiung von solchen Gegensätzen. Damit nun aber die Menschen auch von Zeit zu Zeit gewahren, prüfen können, welchen Fortschritt sie in diesem ihrem Kampf, in diesem ihrem Befreiungskriege gemacht, haben sie die Zeit, die Geschichte in kleinere Theile zerlegt, sprechen sie von Perioden, von Zeiträumen. Es sind dieses die Striche an der Sonnenuhr der Zeit, die da zeigen, wie weit das Licht gedrungen, wie weit eS die Nebel und Schatten überwunden hat. Aber die Menschen Ihun recht, daß sie diese Striche nicht zu enge machen, daß sie die Geschichte nicht nach Jahren, sondern nach Jahrzehnten, oder vielmehr Jahrhunderten messen; denn die Menschheit schreitet nur ganz allmählig fort, überwindet nur nach und nach auf natürlichem und organischem Wege die Hindernisse, welche ihrem Ideale und der Annäherung zu demselben sich entgegenstellen, so daß ein ganz besonders geübtes Auge dazu gehört, um auch in kurzen Räumen das Fortrucken des Zeigers zu bemerken. Doch wo einmal der Organismus der Menschheit (oder vielmehr einzelne Theile derselben, denn die Menschheit im Ganzen ist stets fortgeschritten) gewaltsame Störungen erlitten, wo er eine Zeit lang erkrankte, und dann wieder nach Besiegung der Krankheitsursachen zu gesunden ansieng, da ist das Fortschreiten auch in kürzeren Zeiträumen bemerkbar, da gewahrt jedes Auge die sich geltend machende neue und frische Kraft des Lebens. — In einem solchen Falle, lieber Leser! befindet sich die