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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-12-18 · Heft 51 (18.12.1842) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 51 (18.12.1842)
Date
1842-12-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit de» neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgcgeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Wcimarschem Land-Rabbinen zu Stadt-LengSfcld bei Eisenach. Rr. 51. Sonntag, de« IS. Deeember 1842. III. Jahrganz. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Schtußvetrachtung übe» de« Hamburae» Dempekfk»eit. (Schluß von Nr. 50.) Von hoher Wichtigkeit bei dem fraglichen Streite ist der verschiedene Standpunkt, welchen die Religkonslehrer, die sich der heiligen Sache des Tempels angenommen, betraten. Indem wir jenen näher kennen lernen, rücken wir die Frage selbst weiter hinauf, verschaffen uns die Einsicht in diejenige Grundansicht von welcher aus nicht nur diese, sondern noch viele andere religiöse Fragen und Institutionen ihre Erledigung erhalten. — Bei näherer Prüfung ergeben sich aber folgende vier Standpunkte: Der erste ist der strenge, oder buchstäblich rabbinische. Man geht dabei, wie gewöhnlich bei der Entscheidung der rituellen Fragen (m^K?) zu Werke, schlägt die betreffenden Gesetzesstellen nach, um sich zu vergewissern, ob die im Tempel vorgenommene Reform dem buchstäblichen Sinne der talmudisch - rabbinischen Satzungen entsprechen. Diesen Standpunkt haben mehrere der sonst rationell gesinnten Rabbinen betreten; unserer Ueberzeugung nach aber mit großem Unrecht, da der Tempelgottesdienst durchgängig sich keineswegs von der talmudischen Anschauung aus rechtfertigen läßt; j denn wer könnte im Ernste behaupten, daß die Ansicht j der Tempelgemeinde über den nur momentanen Werth der Opfer und die nicht persönliche Rückkehr aller Jsraellten nach dem restaurirten gelobten Lande, wie sie vr. ' Salomon Namens jener ausspricht, wirklich Ansicht des Talmuds seid Kommen in dem Letzteren auch Aeufferungen vor, wornach die fromme Gesinnung für sich mehr ist, als das Opfer, dafern es jener entbehrt, und drückte sich auch der eine, oder andere Lehrer einmal etwas freier über die Erscheinung des Messias aus, so leidet es doch nicht den mindesten Zweifel, daß der Talmud selbst den Opferdienst als einen nothwendigen Bestandtheil des hergeüellten göttlichen Cultus ansieht *) und auf das Innigste den Glauben hat, daß einst alle Israeliten nach Palästina zurückkehren werden, weßhalb denn auch selbst die erleuchtetsten Lehrer der Synagoge, indem sie nur die Ansicht des Talmuds wiedergeben, (Maimonides, Albu u. A.) den Messiasglauben in solcher Weise auffassen. Die Herren, indem sie ferner nicht mit der Erklärung sich begnügten, daß das Tempelgebetbuch religiös-zulässig sei, sondern nach der Weise, wie es vor 25 Jahren die Verfasser des Nogeh Häzedek getban, und zur damaligen Zeit thun mußten, für jede Abweichung eine Masse talmudischer Citate anführten, gleichsam als sei jedes Wort derselben göttliche Lehre, bringen auch die fortgeschrittene Anschauung der Gegenwart um ein halbes Jahrhundert zurück und geben somit bei so vielen anderen dringenden Reformen unseres reli- .*) Wie könnte derselbe sonst auch ganze Tractate (ETQJ nin^D) über die Darbringung der Opfer enthalten? Einem Gr» genstande, von dem man selbst weiß, daß er nie wieder ins Lebe« tritt, widmet man keine solche Aufmerksamkeit.

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