Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1842)
- Date
- 1842-12-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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iv» sie vmch PreWev, auch , in Vrr beliebten und schönen Landessprache gehalten, erbaut, durch harmonischen Choralgesang zu religiösem Ernste gestimmt, -und durch die feierliche Konfirmation der Zünglinge und Jungfrauen aufgeregt, mit ganzer Seele zur Furcht Gottes und zur Befolgung seiner heiligen Gesetze zurückkchre« werden.« Äuch in Warschau schreiten die Reformen bei der RabbtneUschule fort. Choralgesang ist bei dem Gottesdienste eingeführt, das laute Amen-Sprechen nur den Choristen gestattet, und am letzte« Neujahrsfeste ließ man sogar alle Piutim weg. Die Israeliten des Großherzogthums Weimar haben durch deu Herausgeber Vieser Blätter dem Neuvermählten Erbgroßherzoglicheu Paare gleichfalls ihre Glückwünsche dargebracht. Die höchsten Herrschaften nahmen dieses auch sehr freundlich auf, und erkundigten sich thcilnchmend über die Verhältnisse der Israeliten. Nachfolgende Stelle aus der überreichten Gratulationsadresse wird auch für das Ausland nicht ohne Interesse sein: «Auch dje Israeliten des Großherzogthums hängen mit Liebe an dem. heiligen Boden ihres Vaterlandes, sie stehen an Ehrfurcht und Anhänglichkeit zu dem erlauchten Regcntcnhause den übrigen Unterthauen nicht nach. Wie solltet: sie nicht auch von solchen Gesinnungen gegen eiu Fürstenhaus beseelt sein, das so huldvoll sich ihnen erwies, das ihre ^Rechte ordnete, ihren Kultus und ihre Schulen unter landesväterliche Obhut stellte, und ihnen den schonen, beglückenden Namen des Staatsbürgers verlieh. Urw was die Gegenwart in letzter Beziehung uns noch versagt, was sie noch zu wünschen, zu hoffen übrig läßt, daö — wir sind dessen gewiß! — wird uns die Zukunft im ganzen, vollen Umfange gewähre». Mit den Gefühl« hoher Freude folgen wir darum jedem Ereignch, das den Glanz und das Glück unseres erlauchte« Fürstenhauses erhöht, und sehen in Ihrer Verbindung, Durchlauchtigster Erbgroßherzog! mit der Prinzessin eines Landes, in dem die bürgerliche und politische Freiheit aller Glaubcusbekcnntnisse längst zur glorreichen Verwirklichung gekommen, sowohl die Garantie einer glücklichen Zukunft für das ganze Vaterland, als insonders die Bürgschaft für die Fortdauer und Erhöhung des rechtlichen Schutzes, welchen wir Ihren erlauchten Vätern verdanken.« Zu demselben Land — und zwar in dem kleinen Orte Gehaus — erschoß kürzlich ein junger Israelit die Tochter eines gleichfalls israelitischen Einwohners, weil sie das ihm gegebene Eheverspreche» nicht halten wollte. Hierauf machte er allsobald Versuche, sich selbst zu entleiben, was ihm aber nicht gelang. Mau ist bei diesem Fall — der gottlob! bei den Israeliten zu de« seltensten gehört — sehr aus das Urtheil der Gerichte gespannt. <f£ttr$e Anzeige» rrnd Kritiken. '"ipw rr.n ND', oder theologisch-philosophische Abhandlungen über die Grundlehren der mosaischen Religion von M. B. Friedenthal. Im Auszuge übersetzt von R. I. Fürstenthal. (Breslau 1842, bei Leopold Freund.) " Die neueste kritische Literatur der jüdischen Theologie kann es nicht rechtfertigen, daß sie von den Leistungen des Hrn. Friedenthal bis jetzt so wenig Notiz genommen. Nur der unpartheiische und gelehrte Jost hat ihnen die verdiente Anerkennung gezollt. Ist der Standpunkt des. Hrn. F. auch nicht der der neuesten Wissenschaft, so enthalten seine Schriften doch einen so großen Reichthum von Ideen, originellen Auffassungen^ und religionsgeschichtlichen Kenntnissen, und sind dabei von einem so edlen Eifer, das Iudenthum gegen die Ausstellungen eines flachen Nationalismus zu verwahren, erfüllt, daß sie, besonders für de» Homileten und praktischen Neligionslehrer, das mannigfachste Interesse darbieten. Wir freuen uns daher auftichtig, daß Hr. F. bei der immer mehr sinkenden Kenntniß der hebräischen Sprache es nicht verschmäht hat, von seinem in einem klassischen Hebräisch geschriebenen Hauptwerke einen deutschen Auszug fertigen zu lassen, und müssen auch hier dem Uebersetzungstalent des Herrn Fürstmthal Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die Apokryphen des alten Testaments, übersetzt und erläutert von M. Gutmann (Altona bei I. F. Hammerrich.) Die Apokryphen enthalten so viel Schönes, daß wir uns darüber freuen können, daß einer unserer gelehrten Rabbinen sich der Uebersetzung derselben unterzogen hat. Ist es ihm, unserm Gefühle nach, auch nicht gelungen, durch die beiden Klippen, an welchen so mancher Uebersetzer scheitert: die Aufopferung der Gedanken des Originals auf Kosten eines ansprechenden Ausdrucks, und umgekehrt, überall durchzusteuern, und entbehrt vielmehr hie und da der Ausdruck der Unmittelbarkeit und lebendigen Frische, so ist doch im Ganzen die Uebersetzung eine im hohen Grade gelungene zu nennm, und nicht minder werthvoll ist die besondere Einleitung, welche jedem Buche vorangeschickt ist, und die von einer sorgfältigen Forschung aus diesem noch lange nicht erhellten. Gebiete zeugt. Wir sind überzeugt, daß sich diese Schrift gleicher Verbreitung wie die Zunzische und Salomonische Bibel, denen sie zum.Supplementbande dient, erfreuen wird. I. M. Jost, Nachträge zu den legislativen Fragen, betreffend die Juden im preußischen Staate. (Berlin, bei Schröder.) Auf die Schrift, von welcher die vorstehende als „Nachträge" sich ankündigt, haben wir bereits unsere Leser aufmerksam gemacht. Nicht mindere Beachtung verdient die letztere, in welcher der Verfasser sich zur Aufgabe setzte, nachzuweisen, wie wenig die legislativ festzustellende Materie bei den Höchsten Behörden selbst in ihrem Lichte erkannt worden ist. Die Schärfe, Umsicht und der durch große Geschichtskenntmß in so vorzüglichem Grade ausgebildete politische Takt des Verfassers sind auch den Behörden seines Vaterlandes bekannt genug, als daß wir uns nicht auch von dieser Schrift eine seegensreiche Einwirkung versprechen dürften. (Schluß folgt.) Truck vnd Verlag von F. Schuster in Hersfeld.