Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1842)
- Date
- 1842-11-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit deneunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von »r. M. Heß, Großher;ogk. Weimarschem Land-Rabdmen zu Stadt-LengS fold bei Eisenach. 9tt. 48. Sonntag, den 37. November ,843 in. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvvll und wahr. Die Bestrebungen -er neuen Rabbinen ziele« nur darauf hin, das wahre alte T«-enthum wieder herzustellen. predigt, gehaltm bei seinem Amtsantritt am Sabbath Vajigasch, dem 5ten Tebeth 5602 (den 18. December 1841), Joseph Kahn, Ober - Rabbinen. Trier 1842. F. A. Gall'sche Buchhandlung. Bei der Krisis, in welcher sich das heutige Judenthum befindet, ist die Anstellung eines jeden Rabbinen, zumal wenn ihm ein größerer Wirkungskreis übergeben wird, von hoher Wichtigkeit. Wir fragen mit Recht: zu welcher Ansicht bekennt sich der neue Volkslehrer und wie wird er ihr gemäß wirken? Hat der Fortschritt, den die Steine in den Wänden jetzt predigen, an ihm eine Stütze zu erwarten, oder wird er, dem Stillstand huldigend, in Schlaffheit und Unthätigkeit verbleiben? Da thut es denn bei so manchen trüben Erscheinungen ganz besonders, wohl, wenn man einen Mann antrifft, der mit einer Offenheit, wie sie selten angetroffen wirb, sich für die dringende Forderung der Zeit erklärt, und ihr nachzukommen gelobet. Einen solchen gewahren wir an dem Verfasser der obigen Predigt. Mit dem Muthe des gottbegelsterten Lebrers, mit Kraft und heiligem Ernst, tritt er hin vor seine Gemeinden und sagt ihnen ohne Scheu und Furcht, „daß er ein Jünger der neuen religiös-fortschreitenden Schule sei und daß er daher in deren Geiste streben und wirken werde." IHir können es uns darum nicht versagen, unseren Lesern das Wichtigste aus seinem Vortrage mitzutheilen, damit sie mit uns an dem Bilde des jungen muthvollen Religionshirten sich erheben mögen: Nach einem salbungsvollen Gebete beginnt die Predigt mit den einleitenden Worten. „Im Garten Eden standen in den ältesten Zeiten — so berichtet uns die heilige Geschichte — zwei Bäume, der Baum der Erkenntniß und der Baum des Lebens. Diese zwei Bäume standen noch später und stehen auch jetzt noch in dem großen Weltgarten. Ihre Früchte sind noch reizend dem Auge und schmackhaft dem Gaumen, und das Weib, so der Mann, die Jungfrau, so der Jüngling nehmen davon, essen sie, tbeilen Andern mit, werden klug und weise und erfreuen sich des Lebens. — Nur Einem, zwar kleinen und nach allen vier Windm hin zerstreuten, aber wegen seines Alters, seiner Religion und feiner Schicksale, höchst merkwürdigen Bölklein ward der Genuß dieser gemeinnützigen Früchte lange Zeit hindurch versagt. Israel nämlich durfte sie weder berühren, noch kosten; denn ein Cherub, in menschl sicher und thierischer Gestalt, und eine Klinge des sich